Ungerechte Löhne und Gehälter können krank machen

Neue Untersuchungsergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Von Martin Schnakenberg

Ausgerechnet die WELT veröffentlicht einen Artikel, der zu denken gibt. Aber zuerst einmal der Inhalt des Artikels:

Die WELT erklärt uns mit vielen Worten, dass Menschen, die die Entlohnung ihrer Arbeit als ungerecht empfinden, auch einem höheren Risiko ausgesetzt sind, an beispielsweise Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder Depressionen zu erkranken.

Der Bonner Ökonom Armin Falk und sein Kollege, der Düsseldorfer Soziologe Johannes Siegrist, konnten dies in einer Studie auch bestätigen. Dazu teilten sie eine Gruppe von 80 Studenten in jeweils eine Hälfte Chefs und Arbeiter auf. Die Arbeiter bekamen Blätter mit Nullen und Einsen. 25 Minuten lang mussten sie die Nullen zählen, während die Chefs sich entspannen durften.

Danach entlohnten aber die Chefs die Arbeiter, wie sie es für angemessen hielten. Natürlich wurden die Arbeiter mit weniger Lohn bedacht, als sie sich ausrechneten. An Messungen der Herzfrequenz konnte so festgestellt werden, dass die Ungerechtigkeit die Arbeiter unter Stress setzte.

Das war in Kürze erklärt, wozu die WELT eine Seite braucht. Und es ist ja schon erstaunlich, dass sie so eine Meldung bringt, widerspricht diese doch dem Handeln der Bundesregierung. Noch schlimmer, wenn man mal genauer hinschaut:

Die Daten des Sozio-ökonomischen Panels werden seit 1984 vom Deutschen institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erhoben. In seinem Auftrag werden jedes Jahr in Deutschland über 20.000 Personen in rund 11.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung befragt, jedes Jahr dieselben Personen.

Etwas aufgefallen? – Da steht, dass seit 1984 diese Daten erhoben werden. Mit anderen Worten: Seit 1984 ist es dem Wirtschafts-, dem Arbeits- und dem Gesundheitsministerium bekannt, dass niedriger Lohn gesundheitsschädlich ist. Und nichts wird dagegen getan. Unter Kohl wurden die Gewerkschaften angewiesen, zurückhaltend in ihrer Lohnpolitik zu sein. Unter Schröder wurde sogar Hartz4 eingeführt, um die Löhne noch mehr drücken zu können. Unter Merkel wird ein gesetzlicher Mindestlohn verweigert und gleichzeitig das Gesundheitswesen so dermaßen deformiert, dass unter dem Strich ein sattes Minus entsteht.

Auf der anderen Seite werden die o.g. Chefs durchgehend gefördert und mit Geld, was dem Sozialtopf dann fehlt, überschüttet. Steuereinnahmen werden nicht mehr für die Aufgaben des Staates benutzt, sondern für Banken- und Euro-Rettungen ausgegeben. Zugunsten der Exportwirtschaft werden Kleinunternehmen und Selbstständige, wie der Händler von nebenan, immer stärker belastet. Das Ergebnis ist eine schwache Binnenkonjunktur, die die sowieso schon geringeren Steuereinnahmen immer weiter drückt. Die Schuldenspirale geht immer steiler abwärts.

Man bedenke nochmal: seit 1984 weiß die Lumpenelite, dass ungerechte Unterbezahlung krank macht. Es ist also vorsetzlicher Betrug am arbeitenden Volk, wenn dem nichts entgegen gesetzt wird, indem man z.B. arbeitnehmerfreundlichere Gesetze schafft. Es wird im Gegenteil alles getan, um die Löhne und Gehälter niedrig zu halten, damit die Gewinne in den exportorientierten Branchen höher ausfallen. Seit 1984 – damals der Beginn der Ära Kohl – werden die Gewerkschaften zu niedrigeren Tarifabschlüssen genötigt. Seit 1984 riskiert die Regierung höhere Krankheitsraten. Seit 1984 hat jede an der Regierung beteiligte Partei an diesem Verrat am deutschen Arbeiter mitgewirkt. – Denn sie wussten, was sie tun!!!

Und sie wissen auch heute noch, was sie tun. Deutschland ist in Europa zu einem Billiglohnland verkommen, in dem das Prädikat „Made in Germany“ nicht mehr auftaucht oder zu einem Witz tendiert. Weil ein Arbeiter nicht mehr von seiner Arbeit Lohn leben kann, muss er Sozialhilfe beantragen, zusätzlich zum Lohn. Diese Hartz4-Aufstockung belastet unsere Sozialsysteme, die immer mehr gegen Null gefahren werden. Damit der Abstand zwischen einem Arbeiter und einem Hartz4-Empfänger noch erkennbar ist, werden immer wieder neue Modelle vorgelegt, die die Hartz4-Sätze kürzen sollen. Bisher hat das Bundesverfassungsgericht jedesmal einen Riegel vor diese unwürdigen Modelle gesetzt. Aber es gibt Kräfte in der Regierung, die mit der Lobby der Industrie und den Banken zusammen immer neue Vorstöße machen. – Das ist krank!!!

Und da sie seit 1984 wissen, dass unterbezahlte Arbeit – und seit der Schröder-Ära auch das Almosen von Hartz4 – krank macht, werden die Sozialsysteme so unterhöhlt, dass es nicht mehr möglich ist, sich neue Zähne oder eine neue Brille zu leisten. Das Volk wird dadurch systematisch vernichtet – schmerzhaft, weil von langer Dauer. Das Gesundsein wird zum Luxus, weil es sich nur noch Wohlhabende leisten können. Und in dem Sinn hat die Studie der beiden Forscher einen neuen Anstrich erhalten und die Welt-Online ihren Auftrag als regierungstreues Verunsicherungsblatt verfehlt.

„Herr, vergib ihnen nicht. Denn sie wissen sehr wohl, was sie tun!“

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Podcast: Von 359 Euro kann man nicht menschenwürdig leben, sagt Gesine Lötzsch

Hartz IV-Regelsätze und Mindestlohn

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Die Vorsitzende der Partei Die Linke formuliert die Forderungen für Lohn- und Hartz-IV-Empfänger so: „Wir brauchen unbedingt endlich einen gesetzlichen Mindestlohn“. Außerdem könne man von 359 Euro nicht menschenwürdig leben, meint sie und fordert eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze auf 500 Euro. Notwendig sei auch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, zumal man damit die Binnennachfrage ankurbele.

Im Gespräch mit Gesine Lötzsch ist hier Jürgen Liminski vom Deutschlandfunk, dem man anmerkt, dass er die Linke nicht unbedingt so gerne mag. Aber er stellt trotzdem gute Fragen, die Gesine Lötzsch noch besser beantwortet. Eine Frage an Jürgen Liminski kann ich mir aber nicht verkneifen, da er immer von der Linkspartei spricht. Denn die Partei heißt „Die Linke“ und eine weitere Partei heißt „Die Grünen“. Sagen Sie zu der letztgenannten Partei auch die Grünpartei?

Vorgegeben war bei diesem Interview die Bemerkung von Ursula von der Leyen, besser bekannt als Zensursula oder „Die Lady im Zement“:

Wir müssen berechnen, was ein Mensch zum Leben braucht, das Existenzminimum. Das hat das Verfassungsgericht so vorgegeben. ??? finden zurzeit statt, die Daten werden im Herbst vorliegen, aber im Augenblick gibt es noch keinerlei Hinweise, dass die Hartz-IV-Regelsätze in irgendeine Höhe ansteigen werden.

Daraus entwickelte sich dann das Gespräch, was hier nachzulesen ist.

Audio on Demand – Sendezeit: 04.08.2010 06:49

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