Asse strahlt so stark wie nie zuvor – GAU auch in Deutschland möglich?

Höchster Wert seit mehr als 30 Jahren

Zusammenstellung von Martin Schnakenberg

Bei der geplanten Rückholung des Atommülls aus der Asse ist offenbar größte Eile geboten: In dem Atommülllager bei Wolfenbüttel ist die Radioaktivität vor einer Einlagerungskammer stark gestiegen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) maß in einem alten Bohrloch vor der Kammer 12 eine Aktivität von 240.000 Becquerel Cäsium 137 pro Liter, wie der Sprecher des Asse-Betreibers, Werner Nording, am Donnerstag mitteilte. Der Wert liege damit 24 Mal höher als die erlaubte Freigrenze von 10.000 Becquerel.

Gegenüber NDR.de bezeichnete Nording die Strahlung aber nicht als gravierend. Das BfS habe alle Schutzmaßnahmen ergriffen, die zur Sicherheit der Beschäftigten erforderlich seien, betonte der BfS-Sprecher. Die Herkunft der Strahlung werde derzeit noch untersucht. Man habe sich für die Veröffentlichung entschieden, um keine Informationen vorzuenthalten. „Ich warne davor, Panik oder unnütze Aufregung zu verbreiten“, sagte Nording. – Anmerkung: Was bezeichnet er als nicht gravierend? Andere Quellen besagen das Gegenteilige (s.u.), sogar von einer Kernschmelze wird gesprochen.

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Höchster Wert seit mehr als 30 Jahren

„Das ist der bislang höchste Wert von Cäsium 137 in einer Lösungsprobe, der in der Asse nach dem Ende der Einlagerung im Jahr 1978 gemessen wurde“, sagte Nording weiter. In einer geringeren Konzentration wurde in der Lösung auch das Radionuklid Kobalt 60 festgestellt.

Aus der Kammer 12 wird seit Jahren Wasser gedrückt und sammelt sich vor der Kammer. Das untersuchte Bohrloch in 750 Meter Tiefe sei vom früheren Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum eingerichtet worden, sagte Nording. Das Zentrum habe dort 2008 eine Aktivitätskonzentration von etwa 90.000 Becquerel pro Liter gemessen. Damit hätte sich die Aktivitätskonzentration an dieser Messstelle innerhalb von drei Jahren fast verdreifacht.

Sanierung geht weiter

Für die Sanierungsarbeiten, die derzeit in der Asse laufen, haben die neuen Messwerte keine Folgen. „Wir haben eine Genehmigung, die das Hundertfache der Freigrenze erlaubt“, sagte Nording. Erst bei Werten darüber, müssten die Arbeiten eingestellt werden.

„Hälfte der Informationen fehlt“

Udo Dettmann vom atomkraftkritischen Asse-II-Koordinationskreis kritisierte die Informationspolitik des BfS. „Die Hälfte der Informationen fehlt, zum Beispiel, um wie viele Liter hoch kontaminierte Flüssigkeit es sich handelt“, sagte er am Donnerstag. Klar sei, dass es in der Asse „offene Radioaktivität“ gebe. Die Vorarbeiten zur Bergung der Fässer müssten nun „umgehend beginnen“.

Der gleichen Meinung ist auch die politische Opposition. „Die Zeitbombe Asse tickt“, sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt forderte eine umfassende Aufklärung von der Bundesregierung. Schwarz-Gelb müsse klarstellen, dass sie sich bei ihrer angeblichen Neuausrichtung in der Energiepolitik vor der Endlagerfrage nicht drücke.

Was ist Cäsium 137?

Cäsium 137 fällt normalerweise in Kernkraftwerken an und war eines der wichtigsten „Fallout“-Produkte bei der Katastrophe von Tschernobyl. Es wird aber auch zur Strahlenbehandlung in der Krebstherapie, bei Materialprüfungen oder zum Betrieb von Atomuhren eingesetzt. Der Mensch nimmt Cäsium 137 vor allem mit dem Verzehr von Fleisch und Milch auf. Es zerfällt mit einer Halbwertzeit von 30 Jahren – das ist die Zeit, die vergeht, bis die Radioaktivität zur Hälfte abgebaut ist. – Anmerkung: Wikipedia Caesium hier und hier.

126.000 Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Müll sollen demnächst in einer beispiellosen Aktion aus dem maroden Bergwerk zurückgeholt werden. Zurzeit wird untersucht, in welchem Zustand die Fässer sind, die in diversen Kammern lagern. Experten hatten zuletzt festgestellt, dass in der Asse immer mehr radioaktive Salzlösung anfällt.

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Zwischenbemerkung: Dieser und der nachfolgende Bericht stammt vom Norddeutschen Rundfunk Hamburg und wurde komplett veröffentlicht in Bezug auf den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag betreffend Depublikation eines Beitrags/Specials. Hier wird also nur Vorsorge betrieben!

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„Die Radioaktivität ist bereits im Gestein“

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Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in einem Bohrloch im Atommülllager Asse Radioaktivität von 240.000 Becquerel Cäsium 137 pro Liter gemessen. Der Wert liegt 24 Mal höher als die erlaubte Freigrenze. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative „ausgestrahlt“ im Gespräch mit NDR.de.

NDR.de: Wie schätzen Sie die Situation in der Asse ein?

Stay: Die Asse war ja schon aus den Schlagzeilen verschwunden, fast vergessen. Und jetzt merken wir, dass dort immer noch ein riesiger Umweltskandal vor sich hin schlummert. Das Atommüllproblem ist immer noch völlig ungelöst. Auch der Salzstock Gorleben ist umstritten und die Bundesregierung hält immer noch daran fest. Eigentlich ist es nötig, das Atommüllproblem ganz neu anzugehen.

NDR.de: Muss das Atommüllproblem auf die nationale Agenda?

Jochen Stay, Bürgerinitivative "Ausgestrahlt"

Jochen Stay, Bürgerinitivative "ausgestrahlt"

Stay: Es gibt ja eine von der Bundesregierung eingesetzte Ethik-Kommission, die sich mit den Problemen der Reaktorsicherheit befasst und welche Risiken die Gesellschaft bereit ist einzugehen. Da gehört das Problem des Atommülls eigentlich ebenso hin. Da muss man bei Null anfangen. Man muss endlich einsehen, Gorleben ist ungeeignet. Letztendlich müssen wir nicht nur über die Stilllegung alter Atomkraftwerke reden sondern über die Stilllegung aller AKW. Denn der gefährliche Müll entsteht in allen Werken, und es gibt keine Lösung dafür.

NDR.de: 240.000 Becquerel Cäsium 137 pro Liter ist eine enorme Zahl!

Stay: Das zeigt das Ausmaß der Probleme. Die Fässer halten längst nicht mehr dicht, und die Radioaktivität ist bereits im Gestein und in den Laugen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Fässer werden undicht. Dann besteht die Gefahr, dass die Radioaktivität ins Grundwasser gelangt und die Menschen in der Region bedroht. Deshalb muss der Müll da rausgeholt werden.

NDR.de: Die Becquerel-Konzentration in der Asse ist nun sprunghaft angestiegen, und die Betreiber wissen nicht wieso. Wie kommt das?

Stay: In den 60er und 70er-Jahren ist da ganz viel rein- und dann zugeschüttet worden. Man kommt da nicht richtig ran. Die Fässer sollen herausgeholt werden, aber das niedersächsische Umweltministerium sperrt sich dagegen. Es macht auf Verzögerungstaktik und verhindert, dass die sich zuspitzende Situation angegangen wird. Es ist an der Zeit, mit größerem Engagement Schlimmeres zu verhindern.

NDR.de: Was muss in der Asse demnächst passieren?

Die Konzepte liegen ja auf dem Tisch. Stichwort: Müll aus der Asse herausholen. Aber wie gesagt, die Landesregierung verzögert eher. Das ist eine große Gefahr. Es kostet eine Menge Geld. Da sind auch die Atomkraftwerksbetreiber in der Pflicht, das kann man nicht dem Steuerzahler überlassen. Gleichzeitig müssen wir davon Abstand nehmen, das Salz ein geeignetes Medium ist, um langfristig Atommüll zu lagern und das bedeutet auch das Ende für Gorleben.

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Quelle: Artikel wurde jetzt schon überschrieben. Neu = hier.

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Deutsche Kernkraft und deutscher Wahlkrampf

Schluss mit dem lustigen Spiel

Von Marcus Dischinger

Eigentlich findet man gar keine Buchstaben dafür, um das zu beschreiben, was in diesen Tagen unter dem Eindruck explodierender Atomkraftwerke am anderen Ende der Welt in unserem Land passiert.

Aber gut. Manchmal muss man auch das Unmögliche schreiben. Manchmal passieren ja auch Dinge, die bislang für unmöglich gehalten wurden.

Rückwärtsgang und das bei vollem Tempo

Noch vor wenigen Monaten haben fünf Menschen, eine Frau und vier Männer, den Ausstieg aus dem Ausstieg unter sich ausgemauschelt. Jetzt hat die Kanzlerin angeblich ohne die vier mächtigen Chefs der Atomkonzerne in einer einsamen Entscheidung den Rückwärtsgang eingelegt und das bei vollem Tempo. Für drei Monate sollen die sieben ältesten Atommeiler vom Netz, um sie zu überprüfen – unter anderem auch Philippsburg I in der Nähe von Karlsruhe. Jetzt auf einmal? Und vor einer Woche war noch alles sicher? Man muss das nicht verstehen, denn es gibt hier nichts zu verstehen. Es ist die Arroganz einer Politik, die sich selbst ins Abseits stellt mit einer solchen Attitüde.

Atomforum: Verlängerter Arm ins Kanzleramt

Es hätte kein Erdbeben und kein Tsunami gebraucht und erst recht den daraus resultierenden Atom-Super-GAU hätte es nicht gebraucht, um zu wissen: Atomkraftwerke und ihre Technik ist eben doch nicht bis zum Ende beherrschbar. Das auslösende Ereignis ist dabei erst einmal egal. Der Verweis des Deutschen Atomsforums – das ist der verlängerte Arm der Stromkonzerne ins Kanzleramt – in Deutschland sei alles in Ordnung, weil in Deutschland Tsunamis und Erdbeben nicht vorkommen könnten, ist mehr als lächerlich. Nein, eigentlich ist er beängstigend. Genau so unerwartet wie ein Erdbeben in dieser Dimension in Japan ist ja bisher auch die Annahme eines (gezielten) Flugzeugabsturzes (durch Terroristen).

Mit welchem Restrisiko leben wir?

Angeblich halten ja die meisten Atomkraftwerke einem solchen Ereignis stand. Aber eben nur auf dem Papier und auch nicht alle. So und nun? Sollen (Müssen) wir mit diesem „Restrisiko“ leben? Eine Gesellschaft, die ansonsten versucht, alle möglichen Risiken auszuschließen? Mit einem „Restrisiko“, das „nur“ darin besteht, einen Radius von mehreren hundert Kilometern radioaktiv zu verseuchen, wenn so ein Ding in die Luft fliegt?

Super-Gau = Chance zur Emanzipation

Die peinliche Mitteilung des Atomforums ist auch Statement einer ignoranten Strommanager-Kaste, die nichts, aber auch so gar nichts begriffen hat und die Politik fest im Griff hat. Der Super-GAU, so schlimm er ist, besitzt die Chance einer Emanzipation. Die Befreiung aus dem Würgegriff dieser Kaste nämlich. Der einzige Weg, der jetzt eingeschlagen werden kann, lautet: Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg. Und zwar nicht irgendwann, sondern mit aller Kraft so schnell wie möglich. Ein dreimonatiges Moratorium hat leicht bis mittelschwere Züge opiathafter Art, der das Volk beruhigen soll. Ein Volk, in dem zwar viele die Atomkraft ablehnen, in dem aber eine Mehrheit mehr Angst davor hat, dass kein Strom mehr aus dem Steckdose kommen könnte, als sie Angst vor einem Super-GAU hat. So ist die Energiewende aber nicht zu schaffen. Und wenn Hans-Peter Villis, Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg, sagt, nach drei Monaten wird das Spiel neu gespielt, dann glaubt man an die Energiewende erst recht nicht.

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Quelle: Dischinger bloggt. – Bitte dort kommentieren…

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(Übrigens: Mal bei Robin Wood reinschauen. Da gibt es schon drei Anbieter, die ihren Strom aus den norwegischen Wasserkraftwerken beziehen. Umsteigen lohnt sich.)

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Artikel zur NRW-Landesregierung von unserem Netzwerkpartner Marty Ludischbo:

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Nachtragshaushalt in NRW verfassungswidrig

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Hauptartikel bitte kommentieren bei: Dischinger bloggt

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