Arwa Bint Ahmed – die wahre Königin von Saba

Versuch einer Klärung

Von Martin Schnakenberg

Wir treffen sie in Mythen und Legenden, aber ihr wahrer Name wird nirgends erwähnt. Selbst große Nachschlagewerke, wie die von Brockhaus, TimeLife oder vieler anderer Geschichtsverlage, und auch die Wikipedia, schlagen sich mit Unwissenheit herum. Und auch hier beim Muskelkater wird man vergebens eine vollständige Aufklärung suchen, – weil sie einfach nicht existiert. Die Frage nach vielen wunderbaren Legenden und Erzählungen lautet also:

Hat es die prunkvolle Königin von Saba je gegeben?

Zwei heilige Bücher, die christliche Bibel und der islamische Koran, erwähnen sie. Im Selbstverständnis des untergegangen Kaiserhauses von Äthiopien stand ein Kind der Königin von Saba am Anfang einer für zwei Jahrtausende währenden Dynastie. Den beiden heiligen Büchern zufolge wurde der Knabe in einer Liebesnacht zwischen der südarabischen Königin und dem Israeliten-König Salomo in Jerusalem gezeugt. Bis zu seinem Sturz 1974 konnte Kaiser Haile Selassi I. von Äthiopien sich auf eine Verfassung berufen, die ihn als den 225. Nachfolger „der Königin von Saba und des Königs Salomo von Jerusalem“ bezeichnete.

Aber die Wissenschaft bleibt hartnäckig. Sie will sich nicht mit frommen oder staatstragenden Mythen begnügen. Stattdessen sucht sie nach standfesten Beweisen. Bewiesen ist inzwischen, dass die sabäische Bewässerungskultur schon rund 1000 Jahre v.Chr. in der Oase Marib zu blühen begann. Doch ist diese Leistung einem lockeren Verband von Bauern zuzuschreiben. Die ältesten Inschriften, die einen Staat Saba bekunden, stammen aus dem 8. Jahrhundert vor der Zeitrechnung. König Salomo wird hingegen für die Jahre 965 bis 926 v.Chr. bezeugt. Folglich lehrt uns die Wissenschaft gegenwärtig noch, dass der erste sabäische Staat Jahrzehnte nach dem Tod des großen Salomo entstanden ist.

Namhafte Forscher, z.B. der Brite St. John Philby, haben sich bemüht, eine historische Brücke zu bauen. Philbys Theorie schlägt vor, dass die Königin von Saba eine Stammesfürstin gewesen sei. Ihr aus sabäischen Arabern bestehender Stamm sei aus Mesopotamien gekommen, um im Gebiet des heutigen Syriens zu nomadisieren. Damals habe jeder größere Stamm seinen Anführer König oder seine Anführerin Königin genannt. So sei die Anführerin der Sabäer schließlich als „Königin von Saba“ zu Salomo nach Jerusalem gelangt, um Tribut zu entrichten. Ein anderer Teil der Sabäer wäre von Mesopotamien nach Südwest-Arabien gewanderte. Er sei dort sesshaft geworden und hätte die Erinnerung an jene „Königin“ ausgeschmückt und Jahrhunderte lang bewahrt.

In der Erinnerung der meisten Jemeniten gibt es allerdings zwei Königinnen von Saba. Die legendäre Königin des antiken Südarabien gilt als „Malika Bilqis“ (Königin Bilqis). Ihr schreiben sie den in der Oase Marib freigelegten Tempel des Mondgottes Almaqah zu. Er ist anscheinend im 8. bis 7. Jahrhundert v.Chr. gebaut worden. Für diese Zeit – wie für die gesamte Geschichte des Sabäischen Reichs – kann die Existenz einer Königin nicht nachgewiesen werden. Leben und Herrschaft der „zweiten Bilqis“ oder der „Malika Bilqis der Jüngeren“ ist hingegen schriftlich mehrfach dokumentiert.

Die Rede ist von Arwa Bint Ahmed as-Sulayhi, von Arwa, der Tochter Ahmeds, eingeheiratet in das Geschlecht der Sulayhi. Ein Ali Ibn Muhammad as-Sulayhi hatte etwa 1047 in der Bergregion südwestlich der jemenitischen Hauptstadt San’a’ einen Aufstand angezettelt. Es gelang ihm sogar, die Hauptstadt einzunehmen. Alis Gegner war ein Imam, eigentlich ein „Vorbeter“, der als mächtiger Stammesführer und religiös legitimierter König aber erst Teile des Landes kontrollierte. Gestützt auf die schiitische Auslegung des Islam, gestützt aber auch auf die materielle Kraft der damals in Ägypten herrschenden Fatimiden, wurde Ali Ibn Muhammad Machthaber (Sultan) über große Teile des Bergjemen und die Küstenebene am Roten Meer.

Der Sohn und Nachfolger Alis, Al-Mukarram Ahmed, schloss im Jahr 1069 eine Ehe mit Arwa Bint Ahmed, einem Mädchen aus seinem Stamm. Wohl fünf Jahre später übertrug der schwer erkrankte Sultan die Staatsgeschäfte seiner Frau. 1074 trat Arwa Bint Ahmed als Malika (Königin) in Erscheinung. Königin Arwa hatte den Thron zwar geerbt, gleichwohl fühlte sie sich ihrem Volk gegenüber verantwortlich. „Viele sehen sie als die bedeutendste Herrscherin an, die es im Islam gegeben hat“, heißt es in einer jeminitischen Quelle. Zu überprüfen, wie das Verhältnis der Malika zum Volk wirklich gewesen ist, bleibt uns allerdings versagt. Wir dürfen aber mit Sicherheit annehmen, dass Arwa Bint Ahmed sehr energisch geherrscht hat. Sie musste nämlich ihren Thron immer wieder gegen Angriffe von außen und gegen Umsturzversuche im Innern verteidigen.

Blutige Kämpfe gab es vor allem zwischen den Getreuen der Malika Arwa und den Najahiden. Diese übten zeitweise über die heiße Küstenebene am Roten Meer, über die Tihama, eine Regionalherrschaft aus. Arwa Bint Ahmed konnte ihren gefährlichen Gegner, den ehemaligen Sklaven Najah, erst überwinden, als sie dem Schauplatz der Schlachten selber näher gerückt war. Sie verließ 1087 die Hauptstadt San’a’ und machte die kleine Bergstadt Jiblah zu ihrer Residenz. Von dort aus war es nur noch eine knappe Tagesreise bis zu der umkämpften Küstenebene. Außerdem war das auf einem Basaltkegel erbaute Jiblah leichter als das größere San’a’ zu verteidigen.

Najah war Äthiopier. Er erhielt im Konflikt mit der Malika Arwa Bint Ahmed auch Hilfe vom anderen Ufer des Roten Meeres, aus dem heutigen Eritrea. Dort herrschte ein christlicher König. So sahen wohl viele der Getreuen Arwas in dem Sklaven Najah nicht nur einen aufständischen Regionalfürsten, sondern einen geheimen Agenten des christlichen Äthiopiens. Einst hatten Sabäer in dem Land jenseits des Roten Meeres ihren auf die Gestirne gerichteten Glauben verbreitet, hatten die Baukunst stark beeinflusst. Dieser Glaube war dort nun verdrängt worden, durch den Islam als auch durch das Christentum. Und eines war damals im jemenitischen Bergvolk noch nicht vergessen, dass es gerade einmal rund 500 Jahre her war, seit große Teile ihres Landes von äthiopischer Oberhoheit befreit werden mussten. Deswegen erschien Arwa Bint Ahmed ihren Zeitgenossen auch als Streiterin gegen eine mögliche Fremdherrschaft und für den  rechten Glauben, den Islam.

Dem jetzigen Stand der Forschung zufolge blieben Arwa Bint Ahmed nach dem Ortswechsel der Residenz von San’a’ nach Jiblah noch 51 Jahre. Es ist fraglich, ob sie wieder geheiratet hat; sie hätte ja die Kontrolle der Macht mit einem wahrscheinlich an rivalisierende Stammesinteressen gebundenen Mann teilen müssen. 1138 im Alter von 88 Jahren soll Arwa oder Bilqis II. in Jiblah gestorben sein. Die Malika wurde in der Hauptmoschee des Ortes beigesetzt. Ihren Tod hat die Dynastie der Sulayhiden nicht lange überlebt. Sie zerfiel schnell nach internen Machtkämpfen. Aber es gelten jedenfalls die beiden letzten Jahrzehnte der sulayhidischen Herrschaft unter Arwa Bint Ahmed als eine glanzvolle Epoche für den südlichen und westlichen Jemen und die Küstenebene, die Tihama. Damals begannen die Menschen von ihr als der „Bilqis der Jüngeren“ zu sprechen.

Ob die Königin Arwa Bint Ahmed sich selber in der Nachfolge der Königin von Saba gesehen hat, wissen wir nicht, können es nur erahnen. Den Menschen jener Zeit drängte sich ein solcher Vergleich jedenfalls auf. In der heiligen Schrift des Islam, im Koran, ist die Königin von Saba erwähnt, hat aber keinen Namen. Zu Arwa Bint Ahmeds Lebenszeit war es hingegen schon etwa 200 Jahre lang üblich, dass arabische Religionsgelehrte und auch Dichter die legendäre Königin von Saba Bilqis nannten. So kam im Gedächtnis des Volkes Bilqis die Erste zustande, der man den Bau von Tempeln in Marib zuschrieb. Der zweiten Bilqis, der Kämpferin gegen Fremdherrschaft, widmete das Volk ein Naturdenkmal: einen schroffen Vulkankegel bei Hamam Damt, den es bis heute „Thron der Bilqis“ (Arsh Bilqis) nennt.

Von der Antike zur Gegenwart

Von Schriftstellern ist Bilqis „die Ältere“ zur Titelheldin ihrer Romane erhoben, von Reiseveranstaltern zur Werbeträgerin gemacht worden. Auch im Jemen selbst wird sie als Namensgeberin für allerlei Institutionen benutzt. Insofern gibt es sie jetzt, selbst wenn es sie in der Antike nicht gegeben hat. Bilqis „die Jüngere“ erfreut sich im zunehmenden Maße einem Ansehen als Symbolfigur der Frauen-Emanzipation. Manche Schritte zur Emanzipation der Frauen im Jemen sind schon getan. Sie besitzen das passive und aktive Wahlrecht. Einige wenige Frauen sind sogar in das Parlament gelangt, andere als Funktionsträgerinnen in den Staatsapparat. Sich auf Arwa Bint Ahmed zu berufen, weißt darauf hin, dass eine Frau auch zum Höchsten berufen sein kann, und zwar nicht in der heidnischen Antike, sondern Jahrhunderte nach dem Eintreffen des Islam.

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Und wenn sich dann irgendwann einmal herausstellt, dass sie wirklich und wahrhaftig nicht gelebt bzw. existiert hat, dann ist es aber immer noch eine schöne Geschichte gewesen.

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Quellenhinweise:

„Die letzten Geheimnisse unserer Geschichte“ aus der TimeLife-Redaktion, 1980.

Bericht im Spiegel vom 08.05.2008:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,552288,00.html

Ähnlicher Artikel in welt-online vom gleichen Tag:
http://www.welt.de/wissenschaft/article1978663/Ein_Koenigspalast_zwischen_Mythos_und_Sensation.html

Hat Helmut Ziegert den Palast wirklich gefunden? Oder beginnt eine neue Legendenbildung?
http://www1.uni-hamburg.de/ethiostudies/saba.html

Pressemitteilung der Uni Hamburg:
http://www.verwaltung.uni-hamburg.de/pr/2/21/pm/2008/pm48.html

Märchengeschichten von der Königin von Saba:
http://archiv.twoday.net/stories/4917018/

Wikipedia-Eintrag dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Königin_von_Saba

Die Königin von Saba und König Salomo:
http://www.enfal.de/grund17.htm

Das Königreich von Saba und die Wahrheit des Krieges:
https://muskelkater.wordpress.com/2010/10/14/das-konigreich-von-saba-und-die-wahrheit-des-krieges/

Siehe auch in der Wikipedia: Jemenitische Architektur.

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Libyen – Lügen und Heuchelei

Flugverbotsforderung realistisch?

Ein kritischer Kommentar von Britta

Die arabische Liga hat nun auch eine Flugverbotszone in Libyen gefordert.

Sie setzt sich zusammen aus den Staaten Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Komoren, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien und den Vereinigte Arabische Emirate.

In vielen dieser Länder gibt es keine Demokratie und die meisten davon haben selber Probleme mit den derzeitigen Protestbewegungen. Betrachten wir mal, wer da die Flugverbotszone unterstützt:

  • In Ägypten und Tunesien hatten friedliche Proteste Erfolg.
  • In Algerien regiert noch immer das Militär und es gibt Hungeraufstände
  • In Bahrain läßt die Regierung auf Demonstranten schiessen
  • Dschibuti ist ein hochgradig unterentwickeltes Land mit 60% Arbeitslosenquote und ein Einparteienstaat
  • Im Irak gibt es ebenfalls Massenproteste und auf die Demonstranten wird geschossen
  • Im Jemen regiert ein Diktator, es gibt schon lange Massenproteste. Der jemenitische Diktator läßt die Saudis und die USA auf seine Bevölkerung schiessen.
  • In Jordanien gibt es ebenfalls Massenproteste
  • Katar ist eine absolute Monarchie ohne Parteien und Parlament
  • In den Komoren gibt es keine so richtige Demokratie
  • Kuwait ist eine konstitutionelle Erbmonarchie
  • In Libanon hat sich vor Kurzem erst die Regierung aufgelöst
  • Libyen wird wohl kaum selbst der Flugverbotszone zugestimmt haben
  • Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie
  • Mauretanien ist eine Militärdiktatur
  • Oman ist eine absolute Monarchie
  • Palästina ist nicht anerkannt
  • Saudi Arabien ist eine absolute Monarchie. Am Wochenende wurde auf Demonstranten geschossen.
  • Somalia befindet sich im Bürgerkrieg
  • Sudan hat eine Militärregierung und wurde gerade auf Wunsch des Westens in 2 Staaten geteilt, wobei die Ölquellen im eher westlich orientierten Teil liegen
  • Syrien ist eine sozialistische Volksrepublik mit Einparteiensystem
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine Föderation mit erblicher Thronfolge

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http://www.stern.de/politik/ausland/no-fly-zone-in-libyen-usa-begruessen-flugverbot-forderung-der-arabischen-laender-1663043.html

USA begrüßen Flugverbot-Forderung der arabischen Länder.

Der internationale Druck auf den libyschen Despoten Muammar al Gaddafi nimmt zu. Die Arabische Liga fordert die UN auf, eine Flugverbotszone einzurichten. Washington begrüßt diesen Vorstoß der arabischen Länder.

Die Außenminister der Arabischen Liga hatten nach einem Treffen am Samstag den UN-Sicherheitsrat aufgefordert, eine Flugverbotszone über Libyen zu verhängen. Der UN-Sicherheitsrat soll „seiner Verantwortung gerecht werden und die notwendigen Maßnahmen zur sofortigen Einrichtung einer Flugverbotszone ergreifen“, hieß es nach der Sitzung in Kairo.

Von den 22 Aussenministern der arabischen Liga haben sich also 12 für eine Flugverbotszone ausgesprochen.

http://www.fr-online.de/politik/spezials/aufruhr-in-arabien/flugverbotszone-ueber-libyen-/-/7151782/8114318/-/index.html

Die Vertreter der arabischen Staaten seien zudem dafür, Kontakte zur libyschen Opposition aufzunehmen, hieß es von Teilnehmern des Treffens in der ägyptischen Hauptstadt Kairo weiter.

An den Gesprächen nahmen zwölf Außenminister der Arabischen Liga und andere Vertreter der 22 Mitgliedsländer teil. Trotz seines vorübergehenden Ausschlusses aus der Organisation schickte auch Libyen zwei Gesandte, die aber nicht an den Beratungen teilnehmen durften. Vertreter des nationalen Übergangsrats der Gegner Gaddafi überreichten Mussa einen Brief, in dem der Nationalrat die Zustimmung zu einer Flugverbotszone forderte.

Nicht schwer zu erraten, wer die 12 Länder sind, die für eine Flugverbotszone gestimmt haben. Irak ist jedenfalls dabei. Die Regierungen dieser Länder sollten aber erstmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren.

Achja, ganz wichtig: Die Anerkennung der ‚Oppositionsregierung‘ ist Voraussetzung für militärisches Eingreifen des Westens. Das werden dieses mal die Europäer übernehmen müssen, denn die USA haben da inzwischen einen schon recht angekratzten Ruf.

Saudi Arabien, Katar, Bahrain, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait nannten Gaddafis Regierung ‚illegal‘ – was ganz schöne Heuchelei ist von Ländern, deren Regierungen ebenfalls nicht demokratisch gewählt sind und selber mit brutalster Gewalt gegen ihre Bevölkerung vorgehen, die demokratische Reformen fordert. Sie werden es nicht anders machen wie Gaddafi. In Bahrain feuerten Panzer in die Menge der Demonstranten auf dem Perlenplatz, aber Bahrain gehört zu den Ländern, die von der UN fordern, dass alles unternommen wird, um die libysche Bevölkerung zu schützen.

Es macht sich halt gut in den Medien, wenn man dem Leser sagen kann: ‚Schaut her, sogar Libyens Nachbarn fordern unser Eingreifen, die Arabische Liga, das ist doch wer, die haben ganz dolle was zu sagen, wenn sie sagen was wir wollen‘. So will man uns verkaufen, dass militärisches Eingreifen des Westens notwendig und legitim ist. Ist es aber nicht.

Wie Demokratie scheint internationales Recht eine Frage der Interessen des Westens zu sein. Man kann Gaddafis Regierung als illegitim in Frage stellen, so wie fast jede Regierung der Staaten der Arabischen Liga auch, aber von Seiten des internationalen Rechts betrachtet, ist es wieder etwas ganz anderes. Gaddafis Regime ist laut internationalem Recht die rechtmäßige Regierung Libyens und Gaddafi der rechtmäßige Repräsentant dieser Regierung. Wenn die USA und die EU nun hergehen, und die Oppositionsregierung anerkennen, verletzen sie damit internationales Recht. Die Handvoll Rebellen (es war in den Medien nie von mehr wie ein paar hundert die Rede) als Oppositionsregierung anzuerkennen, macht nur Sinn, wenn es vorrangig um militärisches Einzugreifen geht, man also Legitimation sucht.

Die Oppositionsregierung ist aber durch nichts legitimiert. Sie ist nicht vom Volk gewählt und sie ist eine Minderheit. Sie fordert eine Flugverbotszone obwohl das libysche Volk das nicht will, aus Angst vor Zuständen wie im Irak. Das Volk will keine Intervention ausländischer Mächte. Die Anerkennung dieser Oppositionsregierung ist aber Voraussetzung für die Flugverbotszone und damit für militärisches Eingreifen in Libyen. Es macht aus Libyen einen zweiten Irak.

Die Rebellen selbst sind nicht stark genug und auch viel zu wenige, um ohne militärische Hilfe des Auslandes gegen Gaddafis Truppen siegen zu können. Wenn der Westen sich militärisch einmischt, dann wäre es im westlichen Interesse, die Kämpfe solange hinauszuziehen, bis die Rebellen geschwächt sind und viele von ihnen bei den Kämpfen umkommen. Dann steht dem Einsetzen einer Marionettenregierung nichts mehr im Weg. Man will die eine Diktatur abschaffen um die nächste einzusetzen. Der Unterschied besteht dann nur darin, dass der neue Diktator ein dem Westen freundlich gesinnter Diktator sein wird. Es geht nicht um Demokratie oder um die Menschen in Libyen, soviel ist klar. Was sich in Libyen abspielen wird, sollte man militärisch eingreifen, ist eine Mischung zwischen Jugoslawien und Irak.

Im Osten Saudi Arabiens kam es am Wochenende ebenfalls zu Protesten, obwohl Demonstrationen in Saudi Arabien per Gesetz verboten sind. Saudi Arabien gehört zu den Ländern, die sich gegen die Regierungen von Libyen und anderen Staaten, in denen Proteste stattfinden, ausgesprochen haben. Aber die Situation im eigenen Land, seit übrigens ca. 70 Jahren, wollen die Saudis unter den Teppich kehren.

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/641195/Tag-des-Zorns_Saudiarabien-erstickt-Protest-im-Keim?direct=635829&_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do&selChannel

In Riad sorgte ein massives Polizeiaufgebot dafür, dass Großdemonstrationen ausblieben. In Qatif am Persischen Golf jedoch schoss die Polizei in der Nacht auf Freitag mit scharfer Munition auf Demonstranten.

Was also ist es wert, wenn diese ‚Arabische Liga‘ eine Flugverbotszone für Libyen fordert?

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Das Königreich von Saba und die Wahrheit des Krieges

Yemen – Gestern und heute.

Ein langer, aber sehr informativer Gastartikel von Britta

Saba war einst ein Königreich im heutigen Jemen zwischen 1000 v. Chr. und 400 n. Chr. mit der Hauptstadt Marib. Über seine Geschichte ist nicht viel bekannt und einiges wissen wir nur aus der Bibel und dem Koran, wie etwa die Geschichte von König Salomon und der Königin von Saba – eine der wohl schönsten Liebesgeschichten, die aus der damaligen Zeit überliefert sind. Das Königreich handelte mit Weihrauch und hatte schon früh Kenntnis im Bau von Bewässerungsanlagen.

Die erste Erwähnung des Königreiches von Saba findet sich auf einer bei Haditha im Irak gefundenen Notiz aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. und handelt vom Überfall auf eine Karawane, die aus Saba kam. Saba betrieb auch regen Seehandel entlang der afrikanischen Ostküste und Sabäer siedelten in Eritrea und Äthiopien, wurden zu einer Mischkultur, wie auch aus der biblischen Geschichte hervorgeht. Saba kontrollierte auch lange den Seeweg durch das rote Meer nach Indien. Die Sabäer bauten den Damm von Marib, der als eines der 7 Weltwunder galt und machten dadurch die Wüste fruchtbar. Das Königreich hielt so bis 260 n.Chr und Marib war noch bis ca. 572 n.Chr. das religiöse Zentrum, doch zerfielen nach und nach die Bewässerungsanlagen und die Bevölkerung wanderte ab, der Jemen wurde zur persischen Provinz.

Heute ist der Yemen ein Land mit großer Armut, beherrscht von einem Diktator. Ali Abdullah Saleh regiert als ‚Präsident‘ von Nordyemen seit 1978 und seit 1990  als ‚Präsident‘ des vereinigten Yemen.

http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/wir-wollen-keine-diktatur/

Es heißt, Sie würden aus dem Iran unterstützt. Führen Sunniten und Schiiten einen Stellvertreterkrieg im Nordjemen?

Das ist Propaganda. Wir sind Zayditen, mit den Schiiten des Irans haben wir wenig gemein. Saleh bringt den Iran ins Spiel, um im Ausland Ängste zu schüren. Und weil er nicht will, dass die Welt sieht, welche Rolle die Saudis im Jemen spielen.

Seit Sie vor dem Bürgerkrieg in Ihrer Heimat geflohen sind, gab es fünf Waffenruhen. Warum halten die nicht?

Das Regime braucht diesen Krieg, um sich an der Macht zu halten. Saleh lenkt damit von seinem politischen und wirtschaftlichen Scheitern ab. Und er sendet seinen Widersachern eine Botschaft: Wer gegen uns ist, den rotten wir aus. Aber das wird ihm nicht gelingen. Die Zayditen haben sich 400 Jahre lang der osmanischen Belagerung widersetzt.


Yemen hat eine Grenze zu Saudi Arabien und die Saudis sind daran interessiert, dass der Yemen ein loyaler Nachbar ist. So unterstützen die Saudis den Diktator bei seinen Bemühungen, Demokratiebewegungen im Yemen zu unterdrücken, speziell die der Shiiten, wo doch die Saudis wahabitische Sunniten sind. Shiiten gibt es hauptsächlich noch im Iran und so wetteifern die Saudis mit den Iranern um den Einfluss im Yemen. Im Yemen findet so gewissermaßen ein Stellvertreterkrieg statt, bei dem die Saudis von den USA unterstützt werden. Diese Unterstützung kommt dem vom Volk ungeliebten Diktator zugute. Die USA hoffen dabei darauf, dass sich dieser Stellvertreterkrieg in einen regionalen Konflikt ausweitet, bei dem dann Saudi Arabien, Iran, Israel und Ägypten mit beteiligt werden.

Der Yemen ist für die USA strategisch wichtig. Er liegt an einer der größten Öltransportrouten der Welt,  parallel zu Somalia und dem Horn von Afrika.

Immer wieder ist von yemenitischer AlQuaida die Rede und das, was damit gemeint ist, wird von den Saudis finanziert und unterstützt:

http://edition.presstv.ir/detail/104778.html

Here follows the comments made by Yemeni MP, Yahya al-Houthi, during an interview with Press TV.

„Saudi Arabia wants the regime of Ali Abdullah Saleh to remain in power because he is meeting all the Saudi demands especially those related to terrorism. Yemen is now a main party in carrying out terrorist plots sponsored by Saudi Arabia, therefore it is important for Saudi Arabia to keep Ali Abdullah Saleh in power as the overthrow of his regime would lead to many big secrets being revealed. The regime in Saudi Arabia also supports the Wahhabi ideology and is trying to spread this ideology amongst our people in Yemen. Saudi Arabia is also suffering from internal problems which it wants to export to Yemen. Many members of al-Qaeda , Yemenis and non Yemenis, are now in Yemen. In recent months Ali Abdullah Saleh has taken many recruits of Al-Qaeda who were afraid of falling into the hands of their regimes in countries like Egypt, Somalia, Pakistan and Afghanistan. His plan was to use these fighters from al-Qaeda to battle the Houthis in Saada. A training camp was also erected for these terrorists which still exists today in the area of Waila. These members of al-Qaeda and also Baathist elements are now taking part in the fighting alongside the Yemeni army against the Houthis. The areas of Malahit and Hasana which the Houthis have taken control over were used to transfer weapons from Saudi Arabia to the terrorists. These areas are also where most of the terrorists‘ plans are made.

oder, wie dieser Artikel im Guradian beschreibt:

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/may/25/yemen-jihadi-guantanamo-saudi-arabia

Saudi Arabia has supposedly created a „model“ system for reintegrating and re-educating Guantánamo returnees but many of them relapse and escape to Yemen. Most notorious among these recidivists is Abu Sufyan al-Shihri, now „deputy leader of al-Qaida in the Arabian Peninsula“. Seven other Saudi jihadis who escaped to Yemen are also known to be active in al-Qaida there.

Thus the two largest countries on the Arabian peninsula – Saudi Arabia, the biggest in terms of landmass and oil wealth, and Yemen in terms of population, are now locked in life-and-death struggles with internal enemies. The paradox is that, though the threat to both countries is the same, each is worsening the outlook for the other by the policies it is pursuing.

For example, in the 1980s, millions of Yemeni men worked in the Kingdom. Remittance income formed a big part of Yemen’s budget. But in 1991, 800,000 Yemenis (pdf) were expelled because they were seen as a domestic security threat in the run-up to the first Gulf war. Since then, Yemeni labour has been banned from Saudi Arabia.

Embittered and unemployed, young Yemeni men often become subject to another Saudi policy gone awry – its propagation for export of the Sunni Wahhabi form of Islam. With new Wahhabi madrasas popping up everywhere in Yemen because of Saudi financial support, it is small wonder that the number of Yemeni jihadis has grown exponentially.


Um den derzeitigen Konflikt im Yemen zu verstehen, muß man sich die Geschichte ansehen. Es ist kein Krieg gegen AlQuaida, so wie in den Medien erzählt wird. Die Geschichte des Yemen ist tief mit arabischer Politik  im mittleren Osten verbunden – und mit imperialistischen Interessen.

In der neueren Zeit befand sich der Yemen unter wechselndem Einfluß durch die Holländer, die Portugiesen und die Ottomanen, die sich mit den Briten das Land teilten. Die Ottomanen verliessen den Yemen 1918, nach dem 1. Weltkrieg. Der Nordjemen wurde danach durch Zeidi Imam kontrolliert, während die Briten den Süden kontrollierten. Die Briten hatten seit dem späten 18. Jh. den dominierenden Einfluß auf der arabischen Halbinsel und suchten ihre imperialen Interessen durch Verträge mit den Scheichs von Kuwait, Bahrain, Qatar and Oman zu sichern. Viele Familien konkurrierten um die Macht in Arabien, so wie auch die Familie Abd al-Aziz Ibn Sa’du, die 1924 den von den Briten unterstützen und eingesetzen Sharif Husayn ins Exil schickten. Da schlossen dann die Briten 1927 schnell einen Vertrag mit Ibn Sa’ud, genannt der Vertrag von Jeddah, mit dem sie Ibn Sa’ud als den soveränen König von Hijaz und Sultan von Najd anerkannten. Er wiederum sicherte den Briten zu, ihren Einflußbereich auf der arabischen Halbinsel zu respektieren. 1932 wurde der Einflusbereich Ibn Sa’uds dann zum Königreich Saudi Arabien.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden dann die USA zur größten Supermacht und übernahmen die Besitztümer des alten, europäischen Imperiums im mittleren Osten. Nach 1945 entstanden neue soziale und politische Kräfte und verlangten nach Reformen. Es gab da die Kommunisten und, noch wichtiger: radikale nationalistische Bewegungen und unabhängige Gruppen von jungen Armeeoffizieren, die ihre Länder von der Fremdherrschaft befreien wollten und mehr soziale Gerechtigkeit forderten.

Die Imame im Norden wollten nun ganz Yemen und forderten damit die Briten heraus. Seit ca. 1940 gab es die Entwicklung einer politischen Opposition in beiden Teilen des Yemen. Die Bewegung ‚Freies Yemen‘  im Norden z.B. versuchte 1948 den Norden von den Imamen zu befreien.

In Ägypten gab es 1952 die größten Umwälzungen, als eine Gruppe junger Offiziere die ägyptische Monarchie stürzte und Abd al-Nasser die Macht übernahm. Nasser galt damals als Anführer der pan-arabischen Bewegung für die Einheit.

Nasser schloß 1955 einen Waffendeal mit den Sowiets ab, wo Ägypten Baumwolle gegen Waffen und militärisches Gerät tauschte. Das hatte einen großen Propaganda-Effekt und Nasser wurde als der Mann gesehen, der den Anglo-Amerikanischen Griff nach Ägypten zurückschlug.

Allerdings wollte Nasser den Assuan-Staudamm bauen, wozu er Kredit benötigte, der wiederum mit gewissen Konditionen verbunden war. Noch bevor er diese akzeptierte, zogen die USA ihr Angebot zurück. 1956 gab Nasser daraufhin die Nationalisierung des Suezkanals bekannt, was ihm wiederum die Sympathien der arabischen Welt einbrachte. Der Suezkanal wurde mit ägyptischen Arbeitern gebaut, aber von einer französischen Firma betrieben, und war die Lebensader des britischen Imperiums – ein Symbol für westliche Ausbeutung. Am 29. Juli 1956 griffen Israel, Großbritanien and Frankreich Ägypten an. Am 06. November wurde dann ein UN-Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Das war die sogenannte Suez-Krise.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sueskrise

Konsequenzen
Das Engagement am Kanal, obwohl militärisch erfolgreich, entwickelte sich so gerade für Großbritannien zu einer Demütigung ersten Ranges. Zudem war nur das Ziel einer Besetzung der Kanalzone vorübergehend erreicht worden. Der Sturz Nassers durch die Intervention misslang. In der Folge musste Premierminister Anthony Eden zurücktreten, die britische Wirtschaft und Währung kamen unter Druck. Zugleich verfestigte sich Großbritanniens Verlust seiner Weltmachtstellung – es war der letzte Versuch der alten Weltmacht, ohne Zusammenarbeit mit der neuen Weltmacht USA, ihre Interessen durchzusetzen. Zudem wuchs der Widerstand der Staaten der Dritten Welt: Die Niederlage der Briten beschleunigte die Entwicklung, mit der in den nächsten Jahren auch die restlichen britischen und französischen Kolonien auf dem Weg über die Dekolonisation ihre Unabhängigkeit anstrebten.

Die UdSSR schaltete sich in der Folge in den Nahostkonflikt ein und unterstützte Ägypten militärisch und wirtschaftlich. Zudem konnte sie den Ungarn-Aufstand ungehindert niederschlagen, da Washington für die „Uniting-for-peace“-Resolution auf die Unterstützung der UdSSR angewiesen war.

Auf ägyptischer Seite stärkte die Krise trotz militärischer Niederlage massiv die Position Nassers in der arabischen Welt und seinen Panarabismus.


Im Yemen kämpfte der Norden gegen beide – gegen die Imame im Norden und die Briten im Süden. 1962 siegten sie gegen die Imame und gründeten die Arabische Republik Yemen. Im Süden wurde die Opposition stärker und eine Guerilla-Bewegung entwickelte sich. Zwischen 1963-67 teilte sich diese Bewegung in eine von Nasser beeinflusste Gruppe und eine radikalere marxistische Gruppe die „Nationale Befreiungs Front“. Nasser selbst griff 1962 in den Bürgerkrieg im Yemen ein.

Der entmachtete Imam vom Yemen war entkommen und hatte einige Stammesfürsten auf seiner Seite, sowie saudi-arabische und jordanische Freunde. Deswegen wandte sich die neue yemenitische Regierung mit Hilfsgesuchen an Nasser – 1965 waren dann annähernd 70.000 ägyptische Soldaten im Yemen um das Militärregieme an die Macht zu bringen. Die Ägypter zogen sich dann 1968 zurück.

Während des Bürgerkrieges hielten die Briten an ihrem Protektorat im Süden weiter fest und waren wegen der Suezkrise nicht gut auf Nasser zu sprechen. Sie hatten ein heimliches Abkommen mit dem Mossad geschlossen, die Anti-Nasser Kräfte im Yemen durch Waffenlieferungen und finanzielle Hilfe zu unterstützen. Dabei halfen ihnen die CIA, der saudische Geheimdienst und der iranische SAVAK. Durch die 60er Jahre hindurch gaben die USA den Saudis Waffenhilfe und Ausrüstung im Wert von 500 Millionen US-Dollar, es wurden Militärbasen errichtet und Infrastruktur geschaffen. Das Ziel war die Entmachtung Nassers durch den Bürgerkrieg im Yemen.

1967, als die Briten den Yemen verliessen, kam dann die National Liberation Front (NLF) im nun unabhängigen Südyemen an die Macht. Der Norden und der Süden unterstützen die Oppositionsbewegungen im jeweils anderen Teil des Yemen. 1972 bekriegten sich die beiden Seiten, nachdem der Norden versucht hatte, den Süden mit saudischer und lybischer Unterstützung zu erobern. Die NLF als marxistische Regierung, unterstützte die Idee, alle traditionellen Monarchien auf der arabischen Halbinsel zu stürzen. Die saudische Regierung hatte nun 2 feindliche Yemen, beide mit radikalen Regierungen, beide von der Sowjetunion unterstützt und beide mit republikanischer Regierungsform. Der saudische König Faysal beantwortete diese Gefahr mit dem Aufstellen von Zäunen an der Grenze zum Nordyemen und mit einer beschleunigten Aufrüstung seiner Armee. Das Verteidigungsbudget wuchs 1970 – 1976 von 2 Milliarden auf 36 Milliarden Dollar.

Im Yemen gab es weitere Bürgerkriege, die erst mit dem Untergang der Sowjetunion 1989-1990 ihr Ende fanden. Seit Mai 1990 gibt es nun das vereinigte Yemen. 1993 waren dann wieder Wahlen im Yemen und 1994 gab es wieder Bürgerkrieg, unterstützt von wahabitischen Sunni Rebellen. Der Norden war in diesem Krieg erfolgreich und garantierte den Wahabiten ein größeres Mitspracherecht bei der Regierung.

Aber der Yemen kommt nicht zur Ruhe. 2004 versuchte die Regierung Hussein al-Houthi, den religiösen Führer der Zaydi-Rebellen zu fangen. Die Kämpfe eskallierten und Houthi wurde bei einem Luftangriff getötet. Seitdem führt sein Bruder die Rebellen an. 2004 wurden ca. 500-1000 Menschen während der Kämpfe getötet. Diese setzten sich auch 2005 fort, mit 1.500 Toten. Bei neuen Kämpfen in 2007 zwischen Regierung und Rebellen wurden hunderte von Menschen getötet und so war es auch 2008.

Im Juni 2009, wurden 9 Ausländer während eines Ausfluges in Saada entführt.  Die Leichen von 3 von ihnen, ein südkoreanischer Lehrer und zwei deutsche Krankenschwestern, wurden gefunden. 5 Deutsche werden noch vermisst, darunter 3 Kinder, und auch ein Brite werden noch vermisst. Bis heute sind die Verantwortlichen nicht bekannt. Die Regierung macht die Houthi-Rebellen dafür verantwortlich und die Rebellen beschuldigen Drogenkartelle die Täter zu sein. Die USA reden von AlQuiada und im Juli 2009 stattete General David Petraeus als CENTCOM Commander dem Präsidenten Saleh einen Besuch ab. Bei dem Gespräch ging es darum, wie man Terrorismus im Yemen besser bekämpfen könne. Im August gab es dann eine erste Militäroffensive gegen die Houthi-Rebellen im Norden, was zu einer Flüchtlingskrise führte, bei der 55.000 Menschen fliehen mußten. Im November kämpften die Rebellen dann an der Grenze zu Saudi-Arabien und töteten einen saudischen Offizier. Saudische Kampfflugzeuge und Artillerie bombardierte die Rebellenstützpunkte und die saudische Armee wurde dabei von marokkanischen Special Forces unerstützt. Marokko brach die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, der beschuldigt wurde, die Houthi-Rebellen mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Auch Jordanien sandte 2000 Soldaten einer Spezialeinheit zur Unterstützung von Saudi-Arabien.

Für die USA ist Yemen strategisch wichtig. Der Golf von Aden verbindet das rote Meer mit der arabischen See und Yemen liegt direkt gegenüber von Somalia, Dschibuti und Eritrea. Er ist eine wichtige Transportroute für Schiffe aus dem Persischen Golf und eine lebenswichtige Oltransportroute für Öl nach Europa. Eine US-freundliche Regierung im Yemen ist eine saudi-freundliche Regierung…

Afrika wird immer wichtiger für die USA, wegen Öl, Gas und seltenen Mineralien. Diese Exporte werden sich in den nächsten Jahren verdoppeln. In den nächsten 10 Jahren könnte Afrika für die USA in Punkto Energie genauso wichtig werden, wie der Mittlere Osten. Wobei China und Indien als Hauptkonkurrenten gelten. Besonders China ist da die größte Herausforderung für die US-Interessen. Da bekommt das Wort ‚Entwicklungshilfe‘ doch gleich eine ganz andere Bedeutung für Afrika.

Konzerne aller Länder konkurrieren um die Bodenschätze Afrikas und unterstützen oftmals chaotische und korrupte Regierungen. In Somalia zum Beispiel, unterstützen die USA die Warlords, die wiederum islamische Gruppen bekämpfen. 1991 wurde die Regierung von Somalia gestürzt. Die Bevölkerung – ca. 9 Millionen – leidet ständig an Hunger. Die übelsten Kräfte der westlichen Welt sahen im führerlosen Somalia eine günstige Gelegenheit, die Nahrungsmittelversorgung des Landes zu stehlen, indem sie ihren nuklearen Abfall vor der Küste Somalias entsorgten und nebenbei noch in somalischen Gewässern auf Fischfang gingen. Mysteriöse europäische Schiffe wurden an der Küste gesichtet, die Fässer voller Abfall ins Meer warfen. Nach dem Tsunami Ende 2004 wurden hunderte dieser Fässer an der Küste angespült. Die Küstenbewohner wurden krank, immer mehr missgebildete Kinder wurden geboren. Der Wert des von den Fischereiflotten fremder Länder dort gestohlenen Thunfischs, Shrimps und Hummers wird auf 300 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt. Die lokalen Fischer müssen hungern.

Im Dezember 2006 marschierten Äthiopische Truppen, unterstützt von den USA, in Somalia ein und besetzten das Land, entmachteten die Regierung. Der Grund für die US-Unterstützung war, dass Somalia eine Brutstätte des Terrorismus sei und natürlich Al-Quaida. Seit Jahren schon führten die USA einen verdeckten Krieg in Somalia, mit Kriegsschiffen, Drohnen und Spezialeinheiten. Die äthiopischen Truppen besetzen Somalia für einige Jahre, bis die UN dort eine ‚Friedensmission‘ genehmigte. 2007 landete dann das Ugandische Militär in Somalia und beendete die äthiopische Besetzung durch das UN-Mandat.

Seit 2007 gibt es nun somalische Piraten in den Gewässern vor Somalia und dem Golf von Aden. 2009 haben nun viele Lander ihre Kriegsmarine dahin geschickt, um die Piraten zu bekämpfen. Die Piraten sind ehemalige somalische Fischer, die vom Fischfang in den leergefischten Gewässern nicht mehr leben können und nun mit Schnellbooten die Ausländer zur Kasse bitten, indem sie ihre Schiffe kidnappen. Sie nennen sich selbst die Volunteer Coastguard von Somalia und die Bevölkerung sieht das auch so. 70% der Bevölkerung steht hinter den ‚Piraten‘ und sieht darin eine Art der nationalen Verteidigung.

2009 meinte ein US-Navy Commander, dass die somalischen Piraten von Leuten aus dem Yemen unterstützt werden würden, während die yemenitische Regierung den Kampf gegen die Piraten unterstützt. Privatleute im Yemen würden den Piraten Waffen und Treibstoff verkaufen und ihnen Verstecke bieten.

http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=103904390

In Anti-Piracy Fight, Yemen May Be Part Of Problem
by Kelly McEvers

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Und dann ist da natürlich wieder das Al-Qaida Problem im Yemen…

Die US-Untestützung des derzeitigen Krieges im Yemen wird damit begründet, man würde dem Yemen dabei helfen, Al-Quaida zu bekämpfen. Said Ali al-Shihri wurde 2001 von den Amerikanern in Afghanistan gefangen genommen und nach Guantanamo verbracht. Die Amerikaner übergaben ihn 2007 an die Saudis und er durchlief ein saudisches ‚Rehabilitationsprogramm‘ für Jihadisten, bevor er im Yemen bei AlQuaida wieder auftauchte. Er wurde die Nummer 2 in der Kommandostruktur der AlQuaida im Yemen. Wie er in den Yemen kam, bleibt unklar. Ein saudischer Sicherheitsoffiziert hat erklärt, dass Shihri aus seinem Haus in Saudi-Arabien 2008 verschwand, nachdem er das Rehabilitierungsprogram abgeschlossen hatte.

http://www.nytimes.com/2009/01/23/world/middleeast/23yemen.html?_r=1

They’re one and the same guy,“ said the official, who insisted on anonymity because he was discussing an intelligence analysis. „He returned to Saudi Arabia in 2007, but his movements to Yemen remain unclear.“

Im Juni 2009 berichten offizielle US-Stellen, das AlQuaida-Kämpfer Pakistan verlassen um in Somalia und Yemen zu kämpfen. Die CIA, das Pentagon und das Weisse Haus berichteten, dass AlQuaida Gruppen in Pakistan, Yemen und Somalia versuchen, ihre Aktionen miteinander zu koordinieren. Leon Panetta, CIA-Direktor, sagte, die USA müssen AlQuaida daran hindern eine neue Basis in Yemen oder Somalia aufzubauen. Nun hat also das amerikanische Nationale Sicherheitsestablishment seinen Fokus auf Yemen gelegt. Krieg scheint unvermeidlich. Gemäß dem oben verlinkten TAZ-Interview ist die Aussage von al-Houthi, dass die yemenitische Regierung zusammen mit Saudi-Arabien die Al-Quaida im Yemen direkt unterstützt und dort Chaos veranstaltet, welches dann wiederum den Weg für militärisches Eingreifen der USA ebnet. Wie macht man sich seinen Kriegsgrund selbst…

Das berichtet auch die Los Angeles Times:

http://articles.latimes.com/2008/apr/02/nation/na-terror2

Saudis faulted for funding terror
Treasury official shows frustration at U.S. efforts to force action. An audit is ordered.
April 02, 2008|Josh Meyer | Times Staff Writer
WASHINGTON – Saudi Arabia remains the world’s leading source of money for Al Qaeda and other extremist networks and has failed to take key steps requested by U.S. officials to stem the flow, the Bush administration’s top financial counter-terrorism official said Tuesday.

Stuart A. Levey, a Treasury undersecretary, told a Senate committee that the Saudi government had not taken important steps to go after those who finance terrorist organizations or to prevent wealthy donors from bankrolling extremism through charitable contributions, sometimes unwittingly.


2009 wurde enthüllt, dass Mitglieder der saudischen Königsfamilie direkt massive finanzielle Hilfe für die Unterstützung von Al-Quaida und anderen Extremistengruppen bereitstellen. Die Dokumente wurden vor Gericht bei einem Schadensersatzprozess von Familien, deren Angehörige Opfer der Attacken am 11. September wurde, als Beweismittel vor Gericht vorgebracht. Allerdings schritt das US-Justizministerium ein und vernichtete die Kopien der Anwälte und möchte nun verhindern, dass ein Richter sich das Material ansieht. Jedenfalls ist AlQuaida keine Organisation, die autonom von saudischen Finanzmitteln ist.

Die AlQuaida-Führung im Yemen hat erklärt die Rebellen zu unterstützen aber die Rebellen-Führung hat das dementiert. Der ehemalige Präsident des Südjemen erklärte in einem Interview mit France24:

http://www.france24.com/en/20100308-southern-movemen-al-qaeda-yemen-southern-mobility-movement-secession

„We have nothing to do with al Qaeda, we have never been in contact with this organization. Our movement rejects terrorism, which in contrast thrives in the north of the country. President Ali Abdallah Saleh uses al Qaeda to scare westerners and the United States.“

Im Südyemen wächst die Protestbewegung gegen die Regierung im Norden. Bisher waren die Proteste friedlich, aber die Situation verschlechtert sich weiter. Während die Menschen friedlich demonstrieren, geht die Regierung mit brutaler Gewalt gegen die Protestbewegungen vor und behauptet, sie würden von der AlQuaida unterstützt.


Am 25. Dezember 2009 bestieg ein aus Nigeria stammender Attentäter den Nordwest Airlines Flug 253 von Amsterdam nach Detroit und versuchte angeblich, das Flugzeug mit Plastiksprengstoff, den er in seiner Unterwäsche versteckt hatte, in die Luft zu sprengen. Dieser Vorfall gab den Vorwand für die USA, sich in den Konflikt im Yemen einzumischen, denn man behauptete, der Attentäter wäre von AlQuaida im Yemen ausgebildet worden.

Wie der Attentäter überhaupt an Bord des Flugzeuges kommen konnte, ist eine wichtige Frage. Die US-Geheimdienste wußten von ihm bereits 2 Jahre vor dem Vorfall und hatten ihn auf der Liste der verdächtigen Personen mit Kontakten zu Terroristen oder Terrororganisationen. Auch dem MI5 war er seit 3 Jahren bekannt, denn er hatte auch Kontakte zu islamischen Extremisten in England. Sein Vater, Angehöriger der nigerianischen Regierung und erfolgreicher Banker, warnte die US-Botschaft in Nigeria vor seinem Sohn.

Trotzdem wurde dem Attentäter ein US-Visum nicht verweigert, ja sogar ausdrücklich auf Wunsch des US-State Departments erteilt, mit der Begründung, er wäre hilfreich für Informationen über eine Bedrohungen durch AlQuaida gegen die USA. Man wollte ihn also in den USA haben. Da bleibt aber immer noch die Frage, wie er es denn mit Sprengstoff in der Unterwäsche an Bord des Flugzeuges schaffte – noch dazu ohne Pass. Dafür wurde dann ein Versagen der Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich gemacht, die man dann natürlich gleich wieder verschärfen muß. Die Folgen davon kennen wir, durch die Nacktscanner-Diskussion. Dabei gab es keinen Fehler in den Sicherheitsbestimmungen – es war Absicht den Attentäter an Bord zu lassen. Einige Fluggäste haben beobachtet, dass der Attentäter von einem gut gekleideten Mann begleitet wurde und das er keinen Pass hatte. Der Begleiter, der auch das Flugticket des Attentäters in der Hand hatte, soll zu den Airline-Angestellten gesagt haben:

http://www.ticklethewire.com/2009/12/29/atty-says-he-saw-man-try-to-help-nigerian-on-flight-without-a-passport/

„We need to get this man on the plane,“ and that, „He doesn’t have a passport.“ The ticket agent responded that no one was allowed to board the plane without a passport, to which the Indian man replied, „We do this all the time; he’s from Sudan.“

Bisher war über den mysteriösen Begleiter nichts weiter in Erfahrung zu bringen.

Der Vorfall jedenfalls war die Vorgeschichte, um dem amerikanischen Volk den militärischen Einsatz im Yemen näherzubringen. So als wäre das die direkte Folge. Tatsächlich sind die USA aber schon lange im Yemen militärisch aktiv. Hat nur keiner so richtig mitbekommen. Auch die Briten mischen weiter mit. 2002, sechs Monate nach 911 sandte Präsident Bush schon 100 Mann in den Yemen um das yemenitische Militär für den Kampf gegen Terroristen zu trainieren. Die 100 Mann bestanden aus Spezialeinheiten, Geheimdienstexperten und ‚anderen Spezialisten‘. 800 Mann wurden damals auch nach Dschibuti geschickt. Im November 2002 gab es einen Drohnenangriff auf den Yemen, der 6 Al-Quaida Verdächtige tötete, darunter einen US-Staatsbürger.

http://www.nytimes.com/2002/03/02/world/nation-challenged-military-us-broadens-terror-fight-readying-troops-for-yemen.html

http://tech.mit.edu/V122/N54/long4-54.54w.html

Vor dem Unterwäsche-Bomber wurde der Konflikt im Yemen von der amerikanischen Öffentlichkeit als Bürgerkrieg gesehen und durch die Beteiligung von Saudi-Arabien dann als regionaler, arabischer Konflikt. Nun ist Yemen Teil des ‚Krieges gegen den Terror‘ geworden. Es sieht so aus, als wäre der Unterwäschebomber zur rechten Zeit aufgetaucht, damit die USA eine Ausrede für die Expansion des Krieges in dieser Region haben. Mit den derzeitigen Kriegen in Afghanistan und Irak, würde die amerikanische Bevölkerung keinen weiteren Krieg akzeptieren. So sehen die US-Bürger den Krieg im Yemen als Krieg gegen AlQuaida und somit als notwendig an.

Es stellt sich die Frage, warum nun dieser weitere Krieg? Warum unterstützt die US-Regierung einen Diktator dabei, sein eigenes Volk zu unterdrücken und Demokratiebewegungen im Yemen, die auf ihre Chance warten, zu bekämpfen?

Gleichzeitig mit AlQuiada wird der Iran mit dem Yemen immer wieder in Verbindung gebracht. Man versucht, den Iran in diesen Konflikt mit hinein zu ziehen und einen regionalen Krieg daraus entstehen zu lassen. Regierungssprecher im Yemen erklären immer wieder, dass die größte Bedrohung für den Yemen nicht AlQuaida ist, sondern Iran. Angeblich gäbe es da Anzeichen für iranische Aktivitäten – Beweise konnte die Regierung aber nicht liefern.

Der Erzfeind des sunnitischen Saudi-Arabien ist angeblich der shiitische Iran. Würde Iran die Houthi-Rebellen unterstützen, würde das Saudi-Arabien mächtig unter Druck setzen. – Behaupten die Medien für die Leute, die keine Ahnung haben:

http://www.nytimes.com/2009/11/13/world/middleeast/13saudi.html

Worst of all, some say, the border skirmish could lead to the realization of Saudi Arabia’s worst fear: a proxy conflict with its archrival, Iran, on its doorstep.
The rebels, known as Houthis, after their leader’s clan, have long been accused of receiving support from Iran for their struggle against the Yemeni government, though little evidence has been produced.

Now, a confluence of religious and political factors, including the rebels‘ Shiite faith and their underdog role, could prod Iran to turn myth into reality, if it has not already done so, analysts say.

Die Houthis sollen also dem Iran in Sachen Religion näher stehen wie den Saudis. Das liefert auch gleich für dumme Leute die Erklärung, warum der Iran die Houthis unterstützen muß. Tatsache ist aber, dass die Houthi Zayditen sind, was näher an den Sunniten ist, wie an den Shiiten. So entlarvt sich Kriegspropaganda selbst.

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Anmerkung: Der volle Name der Autorin ist der Redaktion bekannt.

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