Gregor Gysi: Haushalt ist Ausdruck von Realitätsverweigerung plus Perspektivlosigkeit

Und Dietmar Bartsch: Mehr Reiche und mehr Armut – zwei Seiten derselben Medaille

Zwei starke Redner mit einem Kommentar von Martin Schnakenberg

Gregor Gysi ist zurück. Sein Pressestatement zu Beginn der Haushaltswoche des Bundestages, zu seiner gerade beendeten USA-Reise, der Entwicklung im Nahen Osten, dem möglichen Einsatz der Bundeswehr an der türkisch-syrischen Grenze, dem Verkauf der TLG-Wohnungen durch die Bundesregierung, der anhaltenden Eurokrise sowie der Angleichung der Renten, protzt nur so mit versteckten Anprangerungen von Ungerechtigkeiten und Aufforderungen, doch endlich mal zu Gunsten des gesamten Volkes zu denken. – Hier die Aufzeichnung vom 19. November 2011:

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Söldner, Internet, Haushalt, Finanzkrise – Merkel bekommt überall Wind von vorne

… den sie wahrscheinlich hinten wieder raus lässt

Von Martin Schnakenberg

Dass das Handeln der Regierung einen Sinn ergibt, ist unbestreitbar. Denke ich mir einfach so. Denn ich gehe nach dem Motto: „Man muss alles von zwei Seiten betrachten, um objektiv urteilen zu können.“ Und so haben frühere Bundesregierungen eben was für das Volk getan, weil sie dafür gewählt wurden, und heutige Regierungen tun etwas für die anderen, weil sie dafür bezahlt werden, bzw. Spenden erhalten, mit Aussicht auf einen lukrativen Job an der Spitze eines DAX-Unternehmens.

Und da fängt die Betrachtung von beiden Seiten für mich an, kritisch zu werden. Denn diejenigen, die für Parteikassen spenden können, sind die Leute oder Unternehmen, die selber genügend in der eigenen Kasse haben. Das uralte Sprichwort „Der Teufel scheißt am liebsten auf den größten Misthaufen“ ist heute aktueller denn je zuvor. Da werden diejenigen bevorteilt, die durch Vererbung ein Vermögen erhalten, ohne jemals vorher gearbeitet zu haben. Da werden diejenigen benachteiligt, die jahrelang fleißig gearbeitet haben, aber dann entlassen werden, weil es einem reichen Erben eines Großunternehmens so in den Kram passt und er sich dadurch mehr Profit erhofft. Da werden fasst 99% der Bevölkerung in die soziale Enge getrieben, nur damit knapp 1% in totaler Freiheit Platz haben für Dinge, die sie nicht brauchen und auch nicht zum Überleben benötigen, und um auf Länder, Menschen, Lebensmittel zu wetten, weil dabei ein Kribbeln im Bauch entsteht bei der Frage „Gewinne ich oder nicht?“. Da werden Haushaltspläne für kommende Jahre aufgestellt, die genau diese Armut produzieren, die Steuerzahler bluten und die Heuschrecken wieder jubeln lassen. Da werden im Namen des Volkes Kriege angezettelt, obwohl die überwiegende Mehrheit Kriege rigoros ablehnt. Da werden im Namen der Demokratie ganze Völker „missioniert“ und im eigenen Land wird die diktatorische Oligarchie eingeführt. Da soll denen, die das Internet nutzen, um den letzten Rest der Demokratie mit Aufklärung zu verteidigen, ein Riegel vorgeschoben werden, um damit gleichzeitig seine eigenen Missetaten zu verschleiern bzw. zu verheimlichen.

Sind diese Parteien, die dieses forcieren, noch Volksparteien? Wahrscheinlich schon, denn sie werden mit etwa 80% der Wahlberechtigten gewählt, nach dem Motto: „Die Schafe führen ihre Schlächter selber zur Schlachtbank!“

Die Parteien, die sich nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland neu positionierten, waren von einem guten Querschnitt der Bevölkerung durchsetzt. Wobei traditionsgemäß die CDU als rechte Partei aus Konservativen und ehemaligen Nazis bestand und Adenauer sowieso nur das tun durfte, was ihm die Alliierten gestatteten. Die SPD als linke Partei wandte sich wieder der Arbeiterbewegung zu, um unter Gerhard Schröder zu erkennen, dass die börsennotierten Unternehmen ein viel breiteres Spektrum besaßen und ab da diejenigen, die sie vertreten wollten, im Stich ließen. Einzig der FDP als sehr guter Mittelstandspartei war es in den ersten Jahren der neuen Bundesrepublik zu verdanken, dass Politik für alle gemacht und keiner bevorteilt wurde. Dafür standen solche Politiker wie Walter Scheel (FDP) und Willy Brandt (SPD), als eine der besten sozialliberalen Koalitionen entstand, die Deutschland je gehabt hat. Heute hat die FDP ihr soziales Herz verloren und pocht auf Klientelpolitik.

Diese guten Zeiten für den Großteil der Bevölkerung sind heute vorbei und es existiert nur noch eine einzige Partei, die das Wort für „den kleinen Mann“ ergreift und für ihn kämpft. Wobei Kanzlerin Merkel (CDU) den Wind, der ihr vor allem von dieser Partei und auch den unabhängigen Medien (Blogs, Foren) entgegen bläst, hinten wieder raus lässt und lieber Techtelmechtel mit Parteifreunden und Firmen-/Bankenbossen macht, statt ihrem Eid zu folgen. So wie Gregor Gysi mal erwähnte: „Frau Kanzlerin, Sie können mir jetzt getrost zuhören. Sie lesen ja nachher sowieso heimlich meine Rede!“

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Gregor Gysi: „Sie sind die Bundeskanzlerin der Lobbyisten“

Ein Kämpfer für die Gerechtigkeit spricht etwas aus, was viele Politiker nicht mehr kennen: die Wahrheit

Von Martin Schnakenberg

Das Video aus dem Deutschen Bundestag, welches anschließend folgt, ist schon etwas älter. Und zwar vom September 2010. Es war kurz nach der Sommerpause, wo wieder belebende Gespräche zwischen Regierung und Wirtschaftsbosse stattfanden, aufgenommen worden. Die Regierungserklärung der Kanzlerin gab den Anstoß zu der unten stehenden Rede.

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Was Gregor Gysi hier zu recht anprangert, hat aber Quellen, die schon viel weiter zurück reichen. Denn schon unter dem Bundeskanzler Helmut Schmidt, der von 1974 bis 1982 regierte, wurde gegen Ende seiner Kanzlerschaft ganz still und heimlich damit begonnen, die Demokratie aufzuweichen, vornehmlich auf Wirken des Koalitionspartners FDP, worauf es dann 1982 zum Bruch kam. – Schmidt’s Nachfolger Helmut Kohl war dann der Kanzler, der mit dem Sozialabbau und der Förderung des Kapitals begann. Das dieser Mann ein Mann der Kapitallobbyisten war, hätte man schon daran merken können, dass ein wichtiger Förderer von ihm der im Dritten Reich vermögend gewordene Industrielle Fritz Ries war. Die Verflechtung zwischen Regierung und Industrie wurde immer offensiver, unter anderem auch in einer Affäre um eine Spende des Flick-Konzerns, die Kohl unterschlagen hatte. Wegen seinen „blühenden Landschaften“ während der in aller Hast durchgeführten Vereinigung zwischen DDR und BRD wurde er zum umstrittensten Kanzler (der „Verkohlkanzler“) der Republik. – Sein Nachfolger Gerhard Schröder tat dann zusammen mit Bündnis90/Die Grünen das, was Helmut Kohl sich nicht getraut hatte: den totalen Sozialabbau und Einführung von Hartz IV. Das Verheerende daran war noch nicht einmal das Gesetzespaket, das abertausende in die vollständige Armut führte, sondern die Tatsache, dass hier die Arbeitgeber der Industrie zum ersten Mal ein Gesetz ausarbeiteten, welches dann von der Bundesregierung abgesegnet wurde. Es wurden hiermit Tor und Tür geöffnet und über die weiteren Regierungen, allen voran das Kohlmädchen Angela Merkel, wurde dann der Einfluß der Industrie-, Pharma-, Banken-, Krankenkassen- und Atomlobby auf die Gesetzgebung immer stärker, sodass es zu einer („gefühlten“) reinen Verschmelzung kam. – Heute existiert de facto keine Bundesregierung für das Volk mehr, sondern eine reine Wirtschaftsregierung, deren Lobbyismus Gregor Gysi zu recht rügt. Auch vom Volk wird dieses Tun der Regierung nicht nur mit Missfallen aufgenommen, sondern sogar mit Empörung und (noch) kleinen Widerständen. – Und man spricht schon gar nicht mehr von einer deutschen Demokratie, sondern sogar schon von einer Demokratur.

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Kommen wir jetzt zum Video und der Beschreibung bei YouTube:

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15.09.2010 – Lobbyisten entscheiden inzwischen in Deutschland darüber, was sie bekommen und was sie zu leisten bereit sind. Die Kanzlerin verletzt permanent ihren Amtseid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und Gerechtigkeit gegenüber jedermann zu leisten. „Sie sind keine Kanzlerin der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Rentnerinnen und Rentner, der Hartz IV-Empfängerinnen und Hartz IV-Empfänger und auch nicht der kleinen und mittleren Unternehmerinnen und Unternehmer“, hält Gregor Gysi der Kanzlerin in seiner Antwort auf deren Regierungserklärung vor.

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Aber das hören wir uns doch lieber im Originalton an, oder?

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Arme Gemeinden, superreiche Wirtschaftsbonzen

Finanznot der Kommunen

Von Martin Schnakenberg

Zwischen Nordsee und Alpen regiert in den Rathäusern und Kreisverwaltungen (neben der Wirtschaftslobby) noch ein unsichtbarer Dritter mit: der Sparkommissar, der den Landkreisen, Städten und Gemeinden die Luft dafür abschnürt, das zu tun, wofür Kommunalpolitiker, Landräte und Bürgermeister gewählt sind – gestalten und nicht nur verwalten, Voraussetzungen für eine Zukunft schaffen, die den Kommunen in den einzelnen Regionen so große Herausforderungen wie nie zuvor stellt.

Trotzdem gibt es aus Berlin und den Landeshauptstädten nicht viel mehr als warme Worte, wenn die Kämmerer klagen – und sie klagen zu Recht. Natürlich weiß jeder, der die kommunale Haushaltsarithmetik kennt, dass eine Gemeinde nicht einfach so bankrott und pleite gehen wird. Aber de facto ist es vielfach im Prinzip genau so.

Die neue Art, den Haushalt einer Stadt oder Gemeinde so ähnlich aufzustellen, wie Kaufleute ihre Bücher führen, macht noch deutlicher, wie schlecht es um die kommunale Selbstverwaltung steht, die ein wesentliches Merkmal unserer Demokratie ist. Die wertvollsten Vermögenswerte sind längst in der Not verkauft, die Rücklagen aufgezehrt, mit Krediten wird das Geschäft der Verwaltung finanziert und Investitionen gibt es auch nur noch auf Pump – oder man wirft sich gleich in den offenen Rachen der Banken- und Wirtschaftslobby bzw. der superreichen Investoren. Und das … ist leider schon die Realität in den meisten Rathäusern der Republik.

Eine Stadt kann am Ende nicht wie ein Unternehmen geführt werden, denn die Möglichkeiten, Geld einzunehmen, sind begrenzt. Die Pflichten dagegen, Geld auszugeben, sind groß. Immer mehr hat der Bund, aber auch die Bundesländer, den Kommunen aufgebürdet. Eine Last, die auch von sparsamsten Bürgermeistern nicht mehr zu tragen ist. Dabei wird immer öfter vergessen, dass nicht die großen auf Export orientierten Industriegiganten der Grundstein sind, sondern das kleine lokale Gemeinwesen ist die Basis unserer Bürgergesellschaft. Dort leben die Menschen, die sich einbringen. Dort machen Bürger im Großen und Ganzen ehrenamtlich Politik. Ihnen muss endlich einmal angemessen geholfen werden.

Durch die Regulierung der Finanzmärkte und Besteuerungen der Reichen würden wir dem Weg zu einem Neuanfang unserer Solidaritätsgesellschaft einen Schritt näher kommen. Denn durch die soziale und gegenseitige Hilfe ist Deutschland groß geworden, wo bisher immer die Kleinen den Großen beim Aufbau geholfen haben. Es wird jetzt dringend Zeit, dass es mal umgekehrt wird.

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Bundesregierung verhöhnt das Bundesverfassungsgericht und die Kinder in Hartz-IV-Familien

Pressekonferenz Die Linke

Statement von Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei DIE LINKE, auf der Pressekonferenz im Berliner Karl-Liebknecht-Haus nach der Klausur des Parteivorstandes:

Audio zum Anhören: Statement von Gesine Lötzsch

Ich möchte mich zu vier Punkten äußern. Zum ersten, die Bundesregierung wird am Mittwoch die mittelfristige Finanzplanung beschließen und den Haushalt im Bundeskabinett behandeln. Der zweite Punkt ist die Frage der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Der dritte Punkt – ist die Frage, wie Kurt Beck mit der Bundesregierung auf dem steuerpolitischen Gebiet zusammenarbeiten will. Und Punkt vierbeschäftigt sich mit der Klausur des Parteivorstandes am Wochenende.

Am Mittwoch wird die Bundesregierung die mittelfristige Finanzplanung und den Haushalt beschließen. Für uns ist natürlich besonders interessant, inwieweit die Bundesregierung die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts berücksichtigen wird, hinsichtlich der Regelsätze für Kinder von Hartz-IV-Empfängern. Ich kann hier nur zu dem Fazit kommen: Die Bundesregierung verhöhnt sowohl das Bundesverfassungsgericht als auch die Familien, deren Kinder vom Hartz-IV-Bezug leben müssen. Wenn wir uns anschauen, was geplant ist: Das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger wurde gestrichen. Familien, die von Hartz-IV-Bezug leben müssen und ihre Kinder sollen insgesamt 480 Millionen Euro mehr bekommen.

Das heißt, auf der einen Seite werden 400 Millionen Euro gestrichen, auf der anderen Seite werden 480 Millionen Euro dazugegeben. Zudem ist es noch völlig unklar, wie das Geld direkt bei den Kindern ankommen soll. Frau von der Leyen sprach ja weiterhin von Gutscheinen. Ich kann nur feststellen, dass in dieser Gesellschaft, in unserem Land, augenscheinlich ganz unterschiedliche Regeln gelten. Diejenigen, die wenig haben, werden härter bestraft und diejenigen, die die Krise verursacht haben, werden völlig unberücksichtigt, nicht zur Kasse gebeten. Ich darf daran erinnern, dass es immer noch keine Beschlüsse zur Bankenabgabe, keine Beschlüsse zur Finanztransaktionssteuer gibt. Wir haben also eine Ungleichbehandlung.

Einen Punkt, der mir insbesondere bei der mittelfristigen Finanzplanung und der Haushaltsplanung aufgefallen ist, möchte ich hier besonders hervorheben. Im Bereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales soll besonders viel gespart, das heißt gestrichen werden im Vergleich zu den anderen Ministerien. Die Botschaft der Bundesregierung ist klar. Sie kann augenscheinlich mit einer Sockelarbeitsarbeitslosigkeit von 3 Millionen Menschen, die arbeitslos sind, gut leben. Wir als LINKE können das nicht. Wir fordern die Bundesregierung auf, für die Arbeitsmarktpolitik mehr Geld bereitzustellen, als sie es bisher plant und endlich dafür zu sorgen, dass Menschen auch wieder in Arbeit kommen.

Der zweite Punkt: Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Die Zeit der Sprüche, mehr Netto vom Brutto, sind endgültig vorbei. Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge bedeutet, dass diejenigen, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, mehr zahlen müssen – also weniger Netto vom Brutto haben. Das ist eine deutliche Belastung der Mittelschicht. Diejenigen, die weit über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, werden von dieser Belastung nicht betroffen.

Der dritte Punkt, den ich kurz ansprechen möchte, ist die Diskussion um die Veränderung der Mehrwertsteuersätze. Sie wissen, dass es für bestimmte Waren und Leistungen einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz gibt. In der letzten Zeit wird intensiv darüber diskutiert, wie denn die Mövenpick-Steuer zustande gekommen ist – also die 7 Prozent für Hotelübernachtungen. Nun hat Kurt Beck der Großen Koalition angeboten, in der Diskussion auf dem Gebiet der Mehrwertsteuersätze zusammenzuarbeiten. Das ist für mich so ein Zeichen, dass sich die SPD eigentlich nach der Großen Koalition zurücksehnt. Auch der Parteivorsitzende der SPD hat vor kurzem Schwarz-Gelb ein Bündnis der Vernunft, was die Kürzungspolitik betrifft, angeboten. Also die Sehnsucht nach der Großen Koalition wird spürbar. Die Erfahrung bei der Diskussion über die Mehrwertsteuersätze besagt aber, dass man darüber endlos diskutieren kann – über Schnittblumen usw. Die eigentliche Frage ist jedoch: Wir brauchen ein gerechtes Steuersystem. Die Schere zwischen Arm und Reich muss wieder geschlossen werden. Dazu brauchen wir die Vermögenssteuer, die Erbschaftssteuer und die Millionärsabgabe.

Der vierte Punkt, den ich angekündigt habe, ist die Klausur des Parteivorstandes. Der Parteivorstand, der im Mai gewählt wurde, hat sich am Wochenende in der Nähe des Berliner Wannsees in einem Gewerkschaftsheim von ver.di zu seiner ersten Klausurtagung getroffen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns ausführlich über die aktuelle Situation auszutauschen. Ein Schwerpunkt war die finanzpolitische und wirtschaftspolitische Situation. Wir hatten als Gast den Ökonomen Heiner Flassbeck eingeladen. Wir werden auch in Zukunft zu den Sitzungen des Parteivorstandes möglichst auswärtige Gäste einladen, um hier Anregungen für neue Gedanken und Ideen zu bekommen. Wir haben Beschlüsse gefasst zur Fortsetzung der Programmdebatte. Die Programmkommission, die unter Leitung der beiden ehemaligen Vorsitzenden stand, hat ihre Arbeit beendet. Wir haben ihr dafür gedankt und eine kleinere Gruppe eingesetzt, die den Prozess voranbringen soll. Wir haben uns zu der Frage verständigt, wie wir uns gemeinsam mit anderen Parteien, Organisationen und mit Gewerkschaften gegen das Kürzungspaket der Bundesregierung engagieren wollen. Und wir haben außerdem auf der Sitzung des Parteivorstandes neben anderen Beschlüssen eine Internationale Kommission berufen, an deren Spitze der ehemalige Vorsitzende unserer Partei, Oskar Lafontaine, stehen soll.

(Quelle: Die Linke)

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Papa, Matze hat gesagt… – Heute: Männerhaushalt oder: Der geistige Abstand

Vater und Sohn im Zwiegespräch

Ich habe mir heute mal so meine Gedanken gemacht, was passieren würde, wenn wir mal das machen müssten, was wir sonst nie vorher gemacht und auch keine Ahnung davon haben. Und so kam ich auf dieses Thema, was man getrost auf andere Bereiche übertragen kann.

Denn so ergüsslich und genüsslich, wie die Gespräche zwischen Vater und Sohn im Arbeitszimmer des Vaters auch immer sind, so sind sie es auch, wenn Vater und Sohn ausnahmsweise gemeinsam auch mal im Haushalt mit anpacken müssen. Denn die Mutter war nur eine Woche weg und wird bald zurück erwartet. Also werden sich Vater und Sohn wohl etwas bemühen müssen, um Ordnung in den offensichtlich verschlampten Haushalt zu bringen. Das es hier wieder einmal um etwas geht, was der Vater von Matze gesagt hatte, war ja wohl vorauszusehen.

Im Moment ist der Sohn gerade am Teppich saugen.

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SOHN laut: „Papa?! Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, es ist ’ne Affenschande, dass die Leute immer über…“

VATER: „Stell doch erst mal den Sauger ab, wenn du mit mir reden willst. Man versteht ja kein Wort!“

SOHN: „Ich denke, ich soll saugen??“

VATER: „Das sollst du – aber dann musst du auch deinen Mund halten! Eins geht nur.“

SOHN: „Dann mach ich lieber den Sauger aus.“ – Der Sauger wird abgestellt. – „Das wird sowieso nicht sauber.“

VATER: „Was soll das heißen? Wieso wird das nicht sauber??“

SOHN: „Weil dein Besuch gestern die ganze nasse Erde aus dem Garten in den Teppich reingetrampelt hat!“

VATER: „Erstens haben die Herren nicht getrampelt, sondern sind schlicht und einfach ins Zimmer zurück gekommen. Und zweitens kann kein Mensch etwas dafür, wenn plötzlich ein derartiger Wolkenbruch losgeht…!“

SOHN: „Ich sag ja garnichts. Aber so wird das nicht sauber. Da müssen wir den Schaumklopfer ranmachen.“

VATER: „Ach, nun gib dir mal ein bißchen Mühe, dann brauchen wir nicht extra umzumontieren. Das hält ja so auf.“

SOHN: „Das hat Mama auch gleich gesagt, dass ihr das zu lästig ist mit diesem Ding und dass sie das garnich benutzen wird. Und da hast du sie gefragt, ob das die Grenzen der Emanzipation sind…“

VATER: „Was hab ich gefragt??“

SOHN: „Na das. Grenzen der Emanzipation. Weil Frauen eben keinen technischen Verstand haben, hast du gesagt.“

VATER ablenkend: „Nun red nicht schon wieder so schlau daher, sondern beeil dich ein bißchen! Wir müssen auch noch abwaschen.“

SOHN: „Du musst abwaschen – ich sauge ja!“

Er stellt den Staubsauger wieder an.

SOHN laut: „Matze’s Vater hat gesagt, es ist eine Affenschande, dass die Leute immer über Dinge reden, von denen sie nichts verstehn!“

VATER: „Das sagt Matze’s Vater? Das zeugt ja von geradezu überwältigender Selbsterkenntnis!“

SOHN: „Was hast du gesagt?“

VATER: „Herrgott, stell das Ding ab, wenn du mit mir redest!“

SOHN sachlich: „So werden wir nie fertig.“

VATER: „Wie sieht denn die Tischdecke aus?!“

SOHN: „Na, dreckig. Das ist auch von gestern Abend. Können wir ja noch waschen. Die Küchenhandtücher müssen auch in die Wäsche, die stinken wie die Pest. Da hast du das umgekippte Bier mit aufgewischt!“

VATER: „Danke, ich weiß, was ich gemacht habe. Dann schmeiß das alles schnell in die Waschmaschine.“

SOHN: „Da ist die aber noch nicht voll.“

VATER: „Dann sieh zu, ob du sonst noch was findest.“

SOHN: „Nee, da ist nichts, was dazu passt.“

VATER: „Dann sind eben mal ein paar Stücke weniger drin.“

SOHN: „Können wir doch auch mit der Hand waschen – ich denke, wir müssen Energie sparen.“

VATER: „Müssen wir auch, aber heute müssen wir vor allem Zeit sparen. Tu, was ich dir sage!“

SOHN zuckt mit den Schultern: „Bitteschön – Meinetwegen…“

Waschmaschine wird angestellt

VATER: „Wie spät ist das eigentlich schon?“

SOHN: „Elf.“

VATER: „Du liebe Zeit – und um zwölf kann Mama schon hier sein.“

SOHN: „Ich wollte ja früher anfangen. Ich hab dich um sieben geweckt!“

VATER: „Ja, das ist mir nicht entgangen! Rücksichtslos war das! Wo ich gerade erst richtig eingeschlafen war.“

SOHN: „Ich hab aber gewusst, dass das nicht so schnell geht mit dem Saubermachen und allem… – Du mit deinem ‚Ärmelaufkrempeln und ran, dann sind wir in ’ner halben Stunde durch’…“

VATER: „Ich hab mich eben etwas verkalkuliert.“

SOHN: „Weil du nicht weißt, was Sache ist mit solchem Haushalt.“

Sohn stellt den Staubsauger wieder an

VATER: „Aber du weißt das, wie? Bist du nicht bald fertig? So genau kommt’s jetzt nicht drauf an!“

SOHN: „Sonst regst du dich doch über jeden Krümel auf! – Aber bitte! Mach ich eben Schluß. – Wir wollten doch auch noch ’n Kuchen backen, oder? Macht Mama doch auch immer, wenn du verreist warst.“

VATER: „Räum erst mal den Sauger aus dem Weg … paß auf, die Schnur!!!“

Ein Stuhl fällt um

SOHN: „Versteh ich nicht, wie die sich zweimal um das Stuhlbein gewickelt hat… – Na, ist ja nichts passiert.“

VATER: „Und jetzt hilf mir mal beim Abwaschen … ist ja fürchterlich, was hier alles rumsteht.“

SOHN: „Dabei haben wir garnich richtig gekocht. Die ganzen Tage immer bloß das Vorgekochte aufgewärmt. – Soll ich denn nun noch eine Backmischung anrühren? Braucht man bloß ’n Ei und Milch ranzumachen.“

VATER: „Hör bloß auf! Hier ist doch wohl gerade genug Schweinerei! Da brauchen wir nicht auch noch mit Eiern und Milch herum zu kleckern! Gib mir mal die Abwaschbürste rüber…

SOHN: „Soll lieber ich machen? Du kannst abtrocknen.“

VATER: „Nein, jetzt bin ich schon dabei … Au! Verdammt nochmal! Kommt das immer so kochendheiß hier raus?? Brennt ja wie Feuer, die Hand…“

SOHN: „Lass kaltes Wasser drüber laufen, dann ist ’s gleich gut. – Du hast das auch zu heiß eingestellt, warte mal…“

VATER: „Ist da ein Spülmittel?“

SOHN: „Klar doch, hier…“

VATER: „Danke … nun paß auf, der Teller rutscht da gleich runter…!

SOHN: „Wenn du ihn auch so an die Ecke stellst. Hier! Da muss der hin, dann kann er auch besser ablaufen…“

Mürrisches Geräusch vom Vater. Der Sohn fängt an, die Melodie zu „Ein bißchen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“ zu pfeifen.

VATER: „Hör auf mit diesem blöden Ohrwurm…“

SOHN: „Sagst du doch auch immer, dass man so ’nen Haushalt mit der linken Hand machen kann.“

VATER: „Ja, aber nicht mit zwei linken Händen … paß auf, die Tasse!!!“

Die Tasse fällt runter und zerbricht.

VATER: „Es ist doch nicht zu glauben!“

SOHN: „Du hast sie doch so auf die Kippe gestellt! – Aber ist nicht so schlimm, die ist noch von dem alten Kaffeegeschirr, da sind sowieso nur noch drei Tassen dagewesen.“

VATER: „Wieso waren da nur noch drei Tassen da? Wieso ist alles andere schon kaputt? Wird denn hier mit dem Geschirr herum geworfen?“

SOHN: „Nee, aber es wird tausendmal in die Hand genommen. Hat dir Mama doch auch schon erklärt: wenn man nie was anfasst, kann man auch nichts kaputt machen. – Matze’s Vater hat ganz recht!“

VATER: „Womit?“

SOHN: „Er sagt, die falschen Entscheidungen und der Streit und alles, das kommt bloß daher, dass die Leute immer über was reden, was sie selbst noch nicht ausprobiert haben…“

VATER auflachend: „Wenn man nur über das reden dürfte, was man selbst ausprobiert hat, dann würde sich wohl ein lähmendes Schweigen über diese Welt senken! Und die Journalisten könnten ihren Beruf gleich an den Nagel hängen!“

SOHN: „Die Politiker aber auch…“

VATER: „Die Politiker stehen in der Verantwortung und können sich unqualifizierte Beurteilungen gar nicht leisten…“

SOHN: „Trotzdem haben sie keine Ahnung. Matze sagt, sein Vater hat gesagt, wenn jeder Politiker schon mal am Fließband gestanden hätte, oder er hätte mal ’ne Weile parterre in ’ner Hauptstraße gewohnt, oder wär mal selber im Knast gewesen, oder wär mal selber auf Hartz4…“

VATER unterbricht energisch: „Was denn noch alles?!! Vielleicht soll er auch noch tot gewesen sein, damit er sich über … über … Bestattungsauflagen äußern darf, wie??“

SOHN: „Papa, das war nicht lustig! – Jedenfalls sollten die Politiker wissen, wovon sie reden, sagt Matze’s Vater, dann würde alles anders aussehen!“

VATER: „Ja, chaotisch würde dann alles aussehen! Jeder würde ständig seine Nase überall reinstecken, und niemand würde die klare Übersicht behalten. Nein, mein Lieber. Es muss auch Menschen geben, die Theorien entwickeln. Und verantwortliches Handeln erfordert grundsätzlich einen gewissen geistigen Abstand.“

Der altmodische Pfeifkessel auf dem Gasherd ertönt.

VATER: „Was ist denn das schon wieder?!“

SOHN: „Na, das Kaffeewasser kocht.“

VATER nervös: „Weißt du denn, wo der Kaffee ist?“

SOHN: „Ja, aber der muss erst noch gemahlen werden.“

VATER: „Mein Gott, dieser Umstand…“

SOHN: „Das hast du doch gesagt! Dass der Kaffee immer erst kurz vor ‚m Aufgießen gemahlen werden soll.“

VATER: „Und wo ist die Mühle?“

SOHN: „Dahinten im Schrank, aber da muss ich erst den Eimer und den Wäschekorb wegräumen … Au weia, Papa! Hier ist ja ’ne Riesenpfütze! Mann, du hast den Waschmaschinenschlauch aus dem Becken raus gemacht. Der muss hier wieder ran… Mama wollte immer eine moderne Maschine haben, aber du…“

VATER sauer: „Ja, ist schon gut. Aber warum hast du das nicht gleich gesagt, wo dieser blöde Schlauch hin muss?!!! Gib her! Vorsicht!! Du machst mich ja ganz nass! – Und nun … schnell aufwischen, das läuft ja schon alles unter den Kühlschrank! Und mach den Kessel aus – und wir nehmen Pulverkaffee!“

Der Wasserkessel wird abgestellt. Der Sohn wischt auf.

SOHN: „Ii, das ist ganz glitschiges Seifenwasser!“

VATER: „Wird die Küche wenigstens gleich sauber … Geh mit dem nassen Lappen von meinen Füßen weg!! …. und stell die Marmelade in den Kühlschrank … ich weiß ja gar nicht, wo ich die Messer hinlegen soll …“

SOHN: „Ja doch! – Also, weißte, Papa…“

VATER: „Was ist??“

SOHN: „Wenn ich mir das hier so ansehe…“

VATER: „Halt dich nicht mit Ansehen auf, beeil dich lieber, sonst stehen wir morgen früh noch hier!“

SOHN: „Jedenfalls siehst du ’s jetzt ja selber…“

VATER: „Was sehe ich selber?!“

SOHN: „Was dabei raus kommt … bei so ‚m geistigen Abstand, den die Politiker vom Volk haben!“

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