Papa, Matze hat gesagt… – Heute: Der Duft, mit dem man Kasse macht

Vater und Sohn im Zwiegespräch

Von Martin Schnakenberg

So langsam geht es auf Weihnachten zu, ob freiwillig oder nicht. Wenn man in die Geschäfte schaut, dann beginnt die Weihnachtszeit schon Ende Juli. Und komischerweise wird auch alles gekauft, obwohl sich jeder darüber beschwert, dass die Nikoläuse jedes Jahr früher kommen.

Jedes Jahr im Hochsommer stehen verzweifelte Frauen (und Männer!) vor den Regalen und murmeln verständnislos „Nun schau dir das mal an: Christstollen! Im Juli! Wer soll den denn jetzt schon essen?!!“ Dann einmal umgedreht, ob keiner zuschaut und rein damit in den Einkaufwagen und mit einer Tüte Chips gut zugedeckt: „Kann ja nicht schaden, ist ja nur einer.“

Dabei ist es kein böser Wille, der die Menschen sich immer wieder selbst übertölpeln lässt. Es ist einfach die Werbung, die uns suggeriert, dass es einfach mal so sein muss und ganz selbstverständlich ist. Und dann tun wir es auch. Ob es jetzt zu Gunsten der Pharmaindustrie ist oder der Chemischen Industrie, zu Gunsten der Unterhaltungs- oder der Autoindustrie oder Bekleidung oder Lebensmittel oder … – Wir lassen uns bedudeln und meinen, damit gehörten wir zur Elite. Das davon einige ausgeschlossen sind, wie z.B. Arbeitslose und Rentner, nimmt man dabei in Kauf. Wichtig ist, und das wird uns immer wieder von allen Seiten eingetrichtert, wichtig ist, dabei zu sein und am Wohlstand des Volkes teilzunehmen. Koste es, was wolle. Und wenn wir pleite sind, beginnen wir von vorne. Hauptsache, die da oben machen Kasse und wir da unten lassen uns immer mehr von denen da oben verblöden. Und langsam kommen wir dann zu dem Zustand, in dem wir denen da oben alles glauben und sie deshalb bei jeder Wahl wiederwählen, weil sie uns so schön Märchen erzählen können.

Und manchmal reicht auch schon die von der Werbeindustrie heftig umworbene Hygiene, wo sich Vater und Sohn wieder mal so herrlich erfrischend in den Haaren liegen und sich nach Herzenslust über Gerüche streiten können – und zwar mit dem Duft, mit dem man Kasse macht.

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SOHN: „Papa, Matze hat gesagt, seine Schwester hat gesagt, ihr stinkt es, dass sie nicht so riechen soll, wie sie riecht!“

VATER: „Und mir stinkt es, dass ich nicht lesen soll, was ich gerade lese! Können wir das Gespräch über die Geruchsprobleme von Matze’s Schwester vielleicht noch etwas aufschieben …“

SOHN: „Das sind ja garnich die Probleme von Matze’s Schwester.“

VATER: „Wessen Probleme denn?“

SOHN: „Von allen. Wird doch allen dauernd eingeredet, dass sie sich von oben bis unten besprühen und beschäumen und beschmieren müssen, damit …“

VATER dazwischen: „Beschmieren vor allen Dingen!“

SOHN: „Meinetwegen auch eincremen – jedenfalls soll keiner mehr so riechen, wie er von selbst riecht. Bloß nich!“

VATER: „Mein Gott, bleibt mir denn nichts erspart? – Mit den Kosmetika kann doch wirklich jeder …“

SOHN unterbricht: „Mit den was?“

VATER: „Kosmetika. Darunter versteht man alle Mittel, die ein Mensch benutzt, um sich sauber zu erhalten.“

SOHN: „Da wird man doch nicht sauber von, wenn man sich Parfum hinters Ohr tupft …“

VATER: „Zu den Kosmetika zählt man auch Seife und Zahnpasta – unter anderem.“

SOHN: „Von Waschen und Zähneputzen red ich doch nicht. Das ist doch normal.“

VATER: „Schön, das von dir zu hören. Heute morgen war deine Zahnbürste nämlich wieder mal knochentrocken!“

SOHN: „Gar nich …“

VATER: „Lüg mir nichts vor, ich hab sie angefasst!“

SOHN: „Aber nachts ess ich doch garnichts. Da reicht es doch, wenn ich morgens den Mund spüle!“

VATER: „Das reicht eben nicht! Nachts bilden sich Bakterien an den Zähnen, und die müssen mit der Zahnbürste vernichtet werden.“

SOHN: „Wenn du mit deinen Fingern an meiner Zahnbürste rumfummelst, kommt erst recht ’n Haufen Bakterien dran!“

VATER: „Also bitte, ja?! Du putzt dir auch morgens die Zähne und basta. – Wo war ich nun stehengeblieben!“

SOHN: „Bei den Kos-me-ti-ka.“

VATER: „Richtig. Ich wollte sagen: mit denen kann das jeder halten, wie er will. Wer sich pflegen will, der pflegt sich, und wer das nicht will, der lässt es eben. Wenn seine Mitmenschen dann einen Bogen um ihn machen, wird er’s schon merken …“

SOHN lacht auf: „Na bitte! Da sieht man’s ja!“

VATER: „Was sieht man?“

SOHN: „Dass du voll auf die Werbung abgefahren bist! Aber total!“

VATER: „Auf welche Werbung?“

SOHN: „Also, das ist echt voll krass! Jetzt glaubst du auch schon, dass alle Leute einen Bogen um dich machen, wenn du nicht das Superhaartonic gekauft hast und das Spray gegen Mundgeruch und das Unterm-Arm-Spray und das Intimspray und …“

VATER: „Jetzt halt aber mal die Luft an! Bist du jetzt völlig übergeschnappt?“

SOHN: „… und vielleicht auch noch den Fußpuder?!“

VATER: „Vielleicht behauptest du auch noch, dass ich in Eselsmilch bade, was?“

SOHN: „Eselsmilch hab ich bei uns noch nicht gesehn. Aber alles andere steht in dem kleinen Schränkchen im Bad.“

VATER: „Was hast du denn überall herumzuschnüffeln! Da werden wir den Spiegelschrank mal abschließen in Zukunft!“

SOHN: „Ist das vielleicht ein Geheimnis, was ihr da drin habt?“

VATER: „Es ist kein Geheimnis, aber es geht dich auch nichts an! Schon gar nicht, wenn du dir anmaßt, uns vorzuschreiben, womit wir uns pflegen dürfen! Sei froh, dass wir es in puncto Hygiene so weit gebracht haben!“

SOHN: „Man kann aber alles übertreiben …“

VATER: „Wer übertreibt denn mal wieder?“

SOHN: „Ich finde nämlich, ihr riecht von alleine sehr gut, Mama und du.“

VATER: „Herzlichen Dank. Das beruhigt mich sehr. Aber genau das ist eben die Folge von … von einer bewußten Körperpflege.“

SOHN: „Find ich garnich. Am besten riecht ihr, wenn wir verreist sind, und ihr habt nicht soviel Zeugs mit. Und wir sind am Strand oder so …“

VATER: „Ja nun – wir können nicht gut an jedem Tag im Jahr nach Meerwasser und Sonne duften.“

SOHN: „Deswegen braucht ihr euch noch lange nicht von oben bis unten vollzusprühen.“

VATER: „Willst du das gütigst uns überlassen?!“

SOHN: „Soll ich dir mal was sagen? Mama riecht seit ihrem Geburtstag wie Frau Brenner!“

VATER: „Hast du einen Stockschnupfen, oder was ist mit dir los?! Du wirst doch deine Mutter nicht mit dieser … dieser Schreckschraube vergleichen!“

SOHN: „Mach ich ja garnich. Aber das Parfum, das du Mama zum Geburtstag geschenkt hast, ist das Parfum von Frau Brenner. Und deswegen riecht sie jetzt genauso.“

VATER: „Das halte ich für absolut ausgeschlossen, dass Frau Brenner sich ein so … so exklusives Parfum leisten kann!“

SOHN: „Was heißt denn hier exklusiv?“

VATER: „Besonders … außergewöhnlich … unüblich …“

SOHN: „Na hör mal! Dafür bringen sie doch dauernd diese Werbespots im Fernsehen! Da werden noch tausend andere Leute so riechen, nicht nur Frau Brenner!“

VATER: „Kaum. Dafür ist es zu teuer.“

SOHN: „Matze sagt, seine Schwester sagt, die meisten Leute geben ein Irrsinnsgeld aus, weil man ihnen dauernd angst macht.“

VATER: „Wovor denn Angst?“

SOHN: „Eben davor, dass sie vielleicht nicht gut riechen. Matze’s Vater sagte nämlich, dass die Firmen das extra so machen und jedes Jahr einen neuen Duft erfinden, den jeder haben sollte – und dann verdienen sie sich dumm und dämlich. Weil alle Leute verunsichert sind.“

VATER: „Ich bin nicht verunsichert, zum Donnerwetter! Es ist mein eigener Wille, mich so zu pflegen, dass ich mich wohl fühle! Außerdem: was geht das Matze’s Vater an, wie ich mich pflege?!“

SOHN: „Garnichts. Aber Matze’s Schwester sagt, das man bloß denkt, dass man das selber will, in Wirklichkeit wird einem das eingeredet.“

VATER: „Der einzige, der sich wieder mal was einreden lässt, bist du! Vielleicht wirst du mal Matze’s Schwester und seinem Vater gegenüber etwas kritischer!“

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Kleine Pause

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SOHN: „Heute früh bin ich fast erstickt, als ich ins Badezimmer rein wollte. Hast du mich nicht husten hören?“

VATER: „Nein.“

SOHN: „Ich hab garkeine Luft gekriegt – weil du wieder wie verrückt mit diesem Fichtennadelduft rumgesprüht hast!“

VATER: „Stell dich nicht so an – du wirst es überleben.“

SOHN: „Ich schon. Ich nehm ja auch sonst nichts von dem ganzen Zeugs. Das Haarwasser nehm ich auch nicht mehr.“

VATER: „Das ist aber sehr gut für den Haarboden.“

SOHN: „Meine Kopfhaut ist doch okay. Und ich will nicht nach irgendwas Künstlichem riechen.“

VATER: „Dann steck dir doch am besten eine Knoblauchzehe zwischen die Zähne oder ein Stück Harzer Käse. Dann riechst du nach was Natürlichem.“

SOHN: „Ich hab nicht gesagt, dass ich stinken will! Ich will nur einfach nach mir selber riechen.“

VATER: „Ach, mach doch, was du willst …“

SOHN: „Mach ich ja. Weil das ja auch schädlich ist.“

VATER: „Was ist schädlich?! Mein Rasierwasser vielleicht?“

SOHN: „Das vielleicht nicht.“

VATER: „Was dann?“

SOHN vorsichtig: „Ich weiß ja nicht, ob es da unten für Männer auch was gibt … aber was die Frauen so nehmen … also der Arzt von Matze’s Schwester hat gesagt, wenn sie nochmal so’n Spray nimmt, dann schmeißt er sie raus! Er hat keine Lust, Leute zu behandeln, die sich mit Absicht krank machen!“

VATER sauer: „Jetzt ist aber endgültig Schluß! Du wirst dich bitte nicht mehr darum kümmern, womit und wohin irgendwer was sprayt. Hast du mich verstanden!“

SOHN: „Ja doch, ich will ja bloß …“

VATER: „Ja, du schon, aber ich will jetzt nicht mehr!“

SOHN: „Ich will dir bloß noch was sagen … damit du nachher nicht enttäuscht bist …“

VATER: „Worüber sollte ich enttäuscht sein?“

SOHN: „Dass Mama sich nicht freut. Ich hab nämlich gehört, wie sie zu Tante Jutta gesagt hat, sie will kein Parfum oder sowas mehr geschenkt kriegen.“

VATER: „Ist gut, danke. Wahrscheinlich hat sie noch genug Vorräte für die nächste Zeit.“

SOHN: „Vielleicht will sie auch mal garnichts nehmen …“

VATER: „Ach was …“

SOHN: „Vielleicht will sie ja mal rauskriegen, ob du sie überhaupt noch riechen kannst?“

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Die Weihrauchstraße und seine Bedeutung

Handel für den Wohlgeruch

Von Martin Schnakenberg

Einen langen Weg hatten sie hinter sich, als sie endlich den Stall erreichten. Der helle Stern hatte ihnen die Richtung gewiesen. Ehrfürchtig knieten sie nun vor der Krippe mit dem Neugeborenen nieder und übergaben den Eltern ihre Geschenke für das Kind: Weihrauch, Gold und Myrrhe. So überliefert das Matthäusevangelium die Weihnachtsgeschichte. Warum brachten die drei „Könige“ aus dem Osten ausgerechnet diese Geschenke?

Gold galt als das angemessene Geschenk für einen König. Weihrauch hingegen, der in religiösen Riten verbrannt wurde, war für einen Priester bestimmt. Das Jesuskind wurde so als der neugeborene König und der nächste Hohepriester Israels geehrt. Myrrhe war neben seinem Duft vor allem auch als Heilpflanze bekannt – dieses Geschenk erhob Jesus zudem zum von Gott gesandten „Heiland“.

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Wie aber konnten Weihrauch und Myrrhe solch hohe Bedeutung erlangen?

Bethlehem lag um die Zeitenwende an der Weihrauchstraße, die neben der Seidenstraße, die Rom mit China verband, die zweite große kulturelle Brücke zwischen Orient und Okzident darstellte. Über 3000 km war der Handelsweg, auf dem die Düfte des Orients transportiert wurden. Die Hauptroute begann im heutigen Oman und führte zunächst nach Westen in den Jemen, von dort aus etwa küstenparallel zum Roten Meer weiter in Richtung Jordanien, Palästina und Syrien, und dann zur See an den Küsten Kleinasiens, der Peloponnes und Italiens entlang bis nach Rom. Von etwa 600 v.Chr. bis 500 n.Chr. profitierte der gesamte Mittelmeerraum, aber auch Ägypten und Mesopotamien und Indien von einem weiträumigen Kulturaustausch.

Die wichtigsten Güter, die hier gehandelt wurden, waren Weihrauch und Myrrhe, zwei Harze, die beim Verbrennen den so charakteristischen Duft freisetzen. Heimisch sind die Bäume mit mehreren Arten hauptsächlich in Südarabien und Ostafrika. Beide Harze wurden und werden bis heute nicht nur wegen ihres Aromas geschätzt, sondern aufgrund ihrer desinfizierenden Wirkung auch als Heilmittel genutzt. „Typisch arabischen“ Duftölen und Parfums verleihen sie noch heute ihren Charakter. Ein weiteres Handelsgut war arabischer Balsam, der ebenfalls aus einem Pflanzensekret gewonnen wurde. Im Alten Testament (Jeremias) wird er „Salbe von Gilead“ genannt; die Königin von Saba soll der Legende nach Salomo Balsam geschenkt haben, und medizinisch wurde er von den Römern und Griechen gegen Schlangenbisse und Vergiftungen verwendet. Daneben fanden durch die Weihrauchstraße Safran, Zimt und andere Gewürze und Edelsteine aus Indien und Südostasien ihren Weg zum Mittelmeer.

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Weihrauch: Vorkommen und Handelsstraßen

Schätzungen zufolge soll allein das Römische Reich um die Zeitenwende einen Jahresbedarf von etwa 1500 Tonnen Weihrauch gehabt haben – knapp die Hälfte der Gesamtproduktion!

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Wie aber konnte sich die Nachfrage in der römischen Hauptstadt so stark entwickeln, dass dafür ganze Karawanen mehrere Monate lang reisen mussten?

Ganz einfach: Rom stank!

Wenn es regnete, watete man auf den ungepflasterten Straßen knöcheltief im Kot. Mehrere Flüsse trugen das Abwasser und die Abfälle der Stadt in den Tiber. Die „Cloaca Maxima“, eine der ältesten Abwasserkanäle der Welt, begann als offener Kanal – der einen beißenden Geruch verbreitete. Das änderte sich nicht, als er mit Steinplatten abgedeckt wurde. Wenn dann auch noch der Tiber über seine Ufer trat, staute sich die unangenehme Brühe in die Kanäle zurück. Und da Rom für damalige Verhältnisse rasend schnell wuchs, wurden neue Stadtteile erst Jahrzehnte später an die Kloake angeschlossen. Müll, Abwasser und Gestank waren ein Dauerproblem im alten Rom.

So entwickelten sich die Badekultur Roms sowie eine große Nachfrage nach den Wohlgerüchen des Orients. Heimische Düfte galten als „plebejisch“, als billig – umso teuer wurden die orientalischen Düfte gehandelt: Für ein Pfund Balsam (etwa 327 Gramm) musste ein Landarbeiter vier, für Weihrauch 20 Tage lang arbeiten. Für ein Pfund Safran hätte er gar den Lohn von 80 Tagen hinblättern müssen.

Bald wurden in allen Stadtteilen Roms öffentliche Bäder eingerichtet. Hier flüchteten sich alle Bevölkerungsschichten vor dem allgegenwärtigen Mief, um sich mit Ölen und Balsams einreiben und massieren zu lassen – Seife kannte man damals noch nicht. Wer sich den Luxus leisten konnte, verbrachte den ganzen Tag im duftenden Bad und legte sich eine private Duftsammlung an. Gingen Seuchen in der Stadt um, bekämpfte man sie ebenfalls mit Düften, da man glaubte, dass diese die Poren daran hinderten, „den in der Luft befindlichen Peststoff anzunehmen“, wie Herodion im 2./3. Jahrhundert n.Chr. schreibt.

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Bereits bei den alten Ägyptern waren solche Waren beliebt: Ihre Toten mumifizierten sie mit duftenden Ölen und Balsams; und unter der Königin Hatschepsut (15. Jahrhundert v.Chr.) hatte man wohl vergebens versucht, Weihrauchbäume im Nildelta heimisch zu machen: Ihren Göttern huldigten die Ägypter mit Räucherwerk – eine Tradition, die über den Römischen und Griechischen Götterglauben bis ins Christentum Eingang fand: Auch die Kirche benötigte den Weihrauch aus dem Morgenland (die katholische sogar heute noch).

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Die nabatäische Felsensstadt Petra im heutigen Jordanien war ein wichtiger Kreuzungspunkt der Weihrauchstraße (Bild: Stefan Volk aus de.wikipedia.org)

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Die Weihrauchstraße wurde wahrscheinlich im 10. Jahrhundert v.Chr. erstmals genutzt. Einen Aufschwung erlebte der Weihrauchhandel erst nach der Entstehung der Königreiche Saba, Hadramaut, Qataban und Ma‘in in Südarabien sowie des Königreichs der Nabatäer im Ostjordanland – etwa ab dem 8. Jahrhundert v.Chr. Durch den Handelsweg begannen sich diese Reiche kulturell zu entfalten. Antike Autoren berichten, dass Kamelkarawanen für die rund 3400 km zwischen Dhofar und Gaza 100 Tage unterwegs waren. Um eine so lange Strecke durch Wüsten- und Hochgebirgslandschaften bewältigen zu können, sind zwei Voraussetzungen zu gewährleisten: Transport und Ernährung – und genau darin liegt die kulturelle Leistung der antiken Völker Südarabiens.

Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. wurde das Kamel domestiziert. Erst durch den Einsatz dieses Lasttieres wurde es den Karawanen möglich, in der Wüste die langen Strecken von Oase zu Oase zu bewältigen. Zudem schufen die Araber ein für damalige Verhältnisse hochmodernes Bewässerungssystem, sodass sich eine Vielzahl von Staudämmen und Bewässerungskanälen entlang der Weihrauchstraße hinzog. Erst die landwirtschaftliche Erschließung des Lands ermöglichte das Wachstum der Städte und damit die kulturelle und wirtschaftliche Blüte der Weihrauchstraße. Der berühmteste antike Staudamm ist wohl der Damm von Marib, dessen Bruch 572 n.Chr. das Ende des Königreichs von Saba besiegelte.

Der Grund für den Niedergang der Weihrauchstraße war aber ein anderer – der Wandel der Transportwege. Im 1. Jahrhundert v.Chr. hatten die ptolemäischen Herrscher Ägyptens den Seeweg durch das Rote Meer erschlossen und waren in den Weihrauchhandel eingestiegen. Kamelkarawanen wurden so nach und nach von Schiffen abgelöst, die alten Handelswege verloren ihre Bedeutung und die südarabischen Reiche ihre wirtschaftliche Grundlage. Zu den neuen Herren des Jemen schwangen sich die Himjariten auf, die sich, abseits der Weihrauchstraße, ebenfalls auf den Seehandel sowie die Landwirtschaft im Gebirge konzentrierten. Zudem verringerte sich die Nachfrage nach Weihrauch, desto erfolgreicher sich der Islam ausbreitete: Für rituelle Handlungen wurde das Harz nicht mehr benötigt. Die Erschließung des Seewegs um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert bedeutete das endgültige Aus für den antiken Handelsweg.

Die Römer nannten das Herkunftsgebiet des Weihrauchs Arabia felix – das glückliche Arabien.

Heute sind die einst so begehrten Rohstoffe Südarabiens kaum mehr gefragt – andere Rohstoffe dominieren den Welthandel, an denen der Jemen kaum einen Anteil hat. Obgleich er aber zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, kann er sich noch immer glücklich schätzen: Das kulturelle Erbe der Weihrauchstraße beeindruckt mit Ruinenstätten wie Marib und Sirwah, den Hauptstädten des sabäischen Reiches, und kann in der Altstadt von Sanaa nachempfunden werden, die aus westlicher Sicht wie keine andere das pulsierende Lebensgefühl einer alten arabischen Stadt vermittelt. Auch im Ostjordanland hinterließ die Weihrauchstraße ihre Spuren – die nabatäische Felsenstadt Petra mit ihren atemberaubenden Monumentalfassaden. Sanaa, Petra und zahlreiche andere Stätten entlang der Weihrauchstraße gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und kurbeln abermals die Wirtschaft an – die Fremdenverkehrs-Wirtschaft.

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Weiterführungen und Hinweise:

Erklärung, was Weihrauch ist

Wikipedia-Artikel über die Weihrauchstraße (fast so gut, wie dieser hier)

Alle weiteren Daten und Informationen sind der TimeLife-Buchreihe „Spektrum der Weltgeschichte“ entnommen.

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