Ich bin ein Nostalgiker. – Na und?

Flucht vor der Realität – oder nur mal abschalten…

Von Martin Schnakenberg

Ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen durchstreifte ich neulich die Stadt, weil ich endlich mal was anderes tun wollte, als immer nur vor dem Monitor zu sitzen und ein leeres Notenblatt anzustarren. Ideen für neue Chor- oder Orchesterarrangements, geschweige denn neue Kompositionen, kamen mir nämlich nicht. Eher das Gegenteil, was in diesem Fall nicht Lustlosigkeit bedeutete, sondern als Folge dieses undefinierbaren Zustandes eben: was anderes tun, abschalten, faulenzen, einfach mal hängen lassen.

So kam ich auf meinem Streifzug in ein bekanntes Drogeriehaus und stieg die Treppe hoch zur Musik- und Videoabteilung. Und genau dort passierte es, was mir schon oft passiert war: Mein Blick blieb an einer DVD hängen. Der Titel war »Westlich von Santa Fe«, eine Westernserie, die ich in meiner Kinderzeit gesehen und seitdem nicht wieder vergessen hatte. Die Jüngeren werden wohl durch die späteren Wiederholungen die Serie als »The Rifleman« kennen, mit Chuck Connors und Johnny Crawford in den Hauptrollen. Jedenfalls: Ich war hin und weg. Leider gab es nur drei Boxen mit jeweils vier Folgen. Aber das war mir egal, ich musste die Serie einfach haben, denn ich bin nun mal ein Nostalgiesammler (Infos zur Serie).

Meine kleine aber feine DVD-Sammlung umfasst heute nichts modernes, keine Akte-X und auch keine Romantikschnulzen vom Bergbauernhof, keine Ärzte- und/oder Freihandelskammern mit Nackt-, Porno- und Pseudoliebesszenen und kein Krimi, den man schon nach fünf Minuten gelöst hat, kein Auto- oder Verfolgungsrennen mit Überschlagsszenen und auch kein von einem Dino angegriffenes Hochhaus in Flammen, wo man keinen Trick sieht, weil alles perfekt gemacht wurde. — So etwas habe ich nicht. Das interessiert mich auch nicht, weil alles das nur Spiele fürs Volk sind, einschließlich Olympia und Fußballweltmeisterschaften.

(mehr …)

SinterKlaas, der Weihnachtsmann und das Christkind

Wer bringt eigentlich die Geschenke?

Von Martin Schnakenberg

In keiner anderen Zeit werden so viele Geschenke verteilt als zu Weihnachten. Und das weltweit, wenn auch zu unterschiedlichen Daten. Denn Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, immer mehr ist es auch zu einem Fest des Schenkens und des Beschenkt-werdens geworden. – Doch wer bringt eigentlich die Geschenke? Nicht immer ist es der Weihnachtsmann oder das Christkind. In den verschiedenen Regionen Europas haben sich dazu sehr unterschiedliche Traditionen entwickelt.

Unser kleiner Streifzug mit ergänzenden Bemerkungen durch die Kulturgeschichte des Schenkens in der Weihnachtszeit beginnt mit dem 11. November, dem Martinstag oder »Pelzmärtel«, wie er im evangelischen Franken heißt. In Pelze gehüllt und mit Ketten umgürtet, zieht der Heilige mit seinem finsteren Knecht Krampus von Haus zu Haus und hängt, wenn die Kinder artig waren, einen mit allerlei leckeren Süßigkeiten gefüllten Strumpf an die Tür. Erinnert werden soll dabei an die Legende vom heiligen Martin, der am Stadttor auf einen nackten Bettler traf und diesem die Hälfte seines Mantels schenkte. In der folgenden Nacht erschien Martin die Christusgestalt, eingehüllt in eben diese Mantelhälfte, die er dem Bettler überlassen hatte. Daraufhin ließ Martin sich taufen und gründete in Ligugé bei Poitiers das erste gallische Mönchskloster. Im Jahre 371 wurde er zum Bischof von Tours gewählt.

Natürlich ließ sich mein damals noch 10-jähriger Sohn die Legende um den Mantel nicht entgehen, um »gefährliche Fragen« zu stellen, die in einen Dialog a la »Papa, Matze hat gesagt…« gepasst hätten. Ihm war es zumindest schleierhaft, warum der Heilige nur die Hälfte seines Mantels verschenkt hatte. Und dann die unweigerlich folgende Frage: »Der war total nackt? Und welche Hälfte hat er verschenkt, unten oder oben?« – Herausgekommen ist nach dem Gespräch, dass diese Legende zwar fromm, aber totaler Blödsinn ist. Denn sogar Jesus war ja erschienen, just in der einen Hälfte des Mantels, um diesem Gnom von heiligem Martin zu zeigen, wie bescheuert doch sein Tun gewesen war. Aber diese Erkenntnis würde wiederum die ach so schöne kirchliche Struktur vollends aus dem Gleichklang bringen.

Wie dem auch sei, eine weitere der zahlreichen Legenden berichtet auch, was es mit der Martinsgans auf sich hat. Sie erzählt, Martin habe sich aus Bescheidenheit vor seiner Wahl zum Bischof von Tours in einem Gänsestall versteckt gehalten. Doch die Gänse hätten ihn durch ihr lautes Geschnatter verraten. Zur Strafe habe Martin diese Gänse dann allesamt braten lassen. – Etwas, was einem Nichtchristen wie mir doch sehr negativ aufstößt, denn Jesus hatte (außer in den »frommen« Legenden über seine Kinderzeit) nie von irgendeiner Strafe gesprochen, wenn ihm irgendwas nicht passte. Und wenn so einer wie der oben beschriebene Martin dann auch noch heilig gesprochen wird, dann weiß man ja, was man von den Würdenträgern der Kirche halten soll, denn solche Reaktionen von Heiligen empfinde ich als barbarisch und teuflisch.

Der 11. November ist übrigens auch der Tauf- und Namenstag Martin Luthers, dem an diesem Tag in evangelischen Gemeinden gedacht wird.

Das nächste wichtige Datum im vorweihnachtlichen Kalender ist aus Kindersicht der 6. Dezember, der Nikolaustag. Sankt Nikolaus ist zweifellos der volkstümlichste Heilige der Weihnachtszeit, um den sich die meisten Legenden ranken. In den Ostkirchen Griechenlands, Armeniens und Russlands ist er der populärste Heilige überhaupt. Doch wie ist er zu diesen Ehren gekommen? Die historischen Fakten sind spärlich. Gesichert scheint nur, dass er um 270 n. Chr. in der Hafenstadt Patara in Kleinasien geboren wurde und man ihn wegen seiner Mildtätigkeit und besonderen Frömmigkeit zum Bischof von Myra wählte. Wobei Frömmigkeit auf mehrere Arten definiert werden kann … auch die Priester, die kleine Ministranten vergewaltigen, sind fromm beim anschließenden Gebet. Aber das scheint wohl eine andere Sache zu sein. – Nun denn, Patara war damals ein wichtiges Zentrum des Apollokultes, den Nikolaus Zeit seines Lebens vergeblich auszumerzen versuchte. Die Legende besagt nun, dass Nikolaus in einem Grab aus Marmor beerdigt wurde, aus dessen »Häuptern ein Brunnen mit Öl und zu seinen Füßen ein Wasserquell« entsprang. »Und noch heutigen Tages rinnt heiliges Öl von seinen Gebeinen, das ist wider alles Siechtum…«. Naja, der Glaube soll bekanntlich Berge versetzen. – Doch nicht nur den Alten und Kranken soll Nikolaus zur Seite stehen. Der Legendenschatz, der ihn umgibt, ist so reichhaltig, dass auch die Seefahrer, die Hungernden, die Gefangenen und die Diebe Nikolaus als ihren Schutzpatron anriefen und es teilweise heute noch tun.

Besonders viele Bräuche haben sich um Nikolaus als Beschützer der Kinder entwickelt. Seit dem frühen Mittelalter finden sich zahlreiche Legenden, wie er Kinder aus größter Not befreit hat. So steht in frühen Hamburger Quellen zu lesen, dass »am St.-Nikolaus-Tag, dem Hauptfest der Hamburger Schuljugend, dieselbe nach altem Herkommen einen Bischof aus ihrer Mitte wählt«, der in der feierlichen Messe eine bischöfliche Predigt an die Erwachsenen zu halten hatte. Dabei durfte er ihnen nach dem Motiv der »verkehrten Welt« tüchtig die Leviten lesen. Begleitet von einer bunten Schar von Heiligen, Engeln, Rittern und Bürgersleuten zog er anschließend durch die Stadt und sammelte Almosen für die Armen ein. Dabei trieben sie allerlei Schabernack »zur eigenen und aller Zuschauer Ergötzung, welche in ungezählten Mengen den Zug begleiteten.« Ein Ende fand dieser Brauch, als Hamburg protestantisch wurde.

Sinterklaas und Zwarte Piet

Von dieser Tradition aus war es nur ein kleiner Schritt hin zur Rolle des Nikolaus als Gabenbringer für die braven Kinder und fleißigen Schüler. Weihnachtsmann und Christkind hielten erst weitaus später ihren Einzug in die deutschen Wohnzimmer. In Holland dagegen ist der 6. Dezember nach wie vor der große Tag, an dem »Sinterklaas« mit seinem Schimmel zum Schornstein hereinkommt und seine Gaben in die bereitgestellten Holzschuhe verteilt. Von Delfzijl aus setzt er dann mit einem Boot über den Dollart nach Emden und erfreut auch die ostfriesischen Kinder. Der Weihnachtsabend selbst aber wird beschaulich im Familienkreis gefeiert.

In Deutschland ist es heute der Heilige Abend, dem die Kinder erwartungsvoll entgegen blicken, wobei hier unterschiedliche regionale Prägungen festzustellen sind. Während im süddeutschen Raum das Christkind und der Nikolaus die traditionellen Gabenbringer sind, hat sich im mittel- und norddeutschen Raum der Weihnachtsmann als Mischung aus Nikolaus und Gottvatergestalt etabliert.

Im Zuge der Reformation hatte man mitsamt allen anderen Heiligen auch den Nikolaus »abgeschafft«. Nach Vorstellungen Martin Luthers sollte nun das »Christkind« die Geschenke bringen, wobei dieses aber nicht mit dem Jesuskind in der Krippe gleichzusetzen ist. Die Vorstellung des Christkinds als engelsgleiche Erscheinung stammt vielmehr aus weihnachtlichen Umzugsbräuchen und Krippenspielen, bei denen häufig eine Engelsschar von einem Christkind angeführt wurde. Über die Entstehung dieser Figur berichtet Alexander Tille Ende des 19. Jahrhunderts: »In Hamburg erschien im 18. Jahrhundert Kinjees (Kind Jesu) und der Klingelgeist Klinggeest. Noch um 1820 kam hie und da der Brauch vor, den Kindern abends durch ein heimliches Klingeln mit kleinen Glöckchen die bevorstehende Ankunft Christkindchens zu verkündigen.«

Im 19. Jahrhundert wurden im protestantischen Norddeutschland Christkind und Klinggeest durch den Weihnachtsmann verdrängt. Vorbild war die Figur des »Herrn Winter« aus dem »Münchner Bilderbogen« des Malers Moritz von Schwind (1804–1871). Er zeichnete eine Gestalt mit Kapuzenmantel, hohen Stiefeln, langem weißem Bart und einem Kerzenbäumchen unterm Arm. Diese Figur passte so genau zu der damaligen bürgerlichen Vorstellung eines gütigen Gabenbringers, dass sie ihren Siegeszug rund um den Globus antrat. Im Zuge der zunehmenden Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist sie zur wichtigsten Werbefigur im Weihnachtsgeschäft geworden und beginnt auch das in Süddeutschland immer noch bedeutsame Christkindl zu ersetzen.

Brennendes Sonnenrad zum Julfest

Brennendes Sonnenrad zum Julfest

Doch wer bringt in anderen Ländern die Geschenke? Skandinavische Weihnachten sind bis heute von zwei Traditionslinien geprägt: die einheimische des Julfestes, der alten bäuerlichen Ernte- und Mittwinterbräuche, und die relativ junge rund um Weihnachtsmann und Weihnachtsbaum, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Norddeutschland importiert wurde.

Erster Höhepunkt der Weihnachtszeit ist in Schweden, aber auch in Teilen Frieslands und Angelns, das Luciafest (Lucia von lat. = Lux, Licht) am 13. Dezember, an dem sich das älteste Mädchen der Familie als Luciakönigin verkleidet. Geschmückt mit einem Haarkranz aus Preiselbeerzweigen, in denen brennende Wachskerzen befestigt sind, geht es herum und serviert den anderen Familienmitgliedern Kaffee und Safranbrot. Man könnte meinen, dass es sich hier um einen alten Volksbrauch im Zusammenhang mit der Mittwinternacht handelt, doch scheint es erwiesen, dass auch diese Tradition erst im 19. Jahrhundert über die soziale Oberschicht in Schweden Fuß fasste. Es wird angenommen, dass die Lichtergestalt der Lucia ihren Ursprung im elsässischen Christkind hat, das den gleichen Lichterkranz als Kopfschmuck trägt.

Erinnert werden soll im Elsass und Teilen Italiens an diesem Tag an die heilige Lucia, eine mildtätige Jungfrau aus Syrakus in Sizilien, die bis zu ihrem Märtyrertod um 300 n. Chr. keusch geblieben war. In der christlichen Tradition des Nordens verkörpert sie dann die Lichtgestalt, die die dunklen Gestalten der Geister und Hexen, die in der längsten Nacht des Jahres zur »wilden Jagd« ansetzen, vertreibt. Am Heiligen Abend bringt dann der »Jultomte« seine Geschenke. Tatkräftig unterstützt wird er von den Heinzelmännchen, den »Tomtebisse«. In Island wiederum kennt man dreizehn koboldartige Gesellen, die an den dreizehn Tagen vor Weihnachten auftauchen und deren Aufgabe darin besteht, jedem Kind Zeugnis über sein Betragen abzulegen. War es artig, findet es jeden Tag eine kleine Überraschung in seinen Schuhen auf dem Fenstersims, wenn nicht, gibt es nur Kartoffeln.

Der heutige Weihnachtsmann und Santa Claus der Kinder

Im angelsächsischen Raum, in den USA und Australien ist es Santa Claus, der mit seinem Rentierschlitten um die Welt saust und die Geschenke durch den Kamin in die aufgehängten Strümpfe verteilt. Entstanden ist er etwa zeitgleich mit dem deutschen Weihnachtsmann, und auch sein Äußeres hat er von dort mitgebracht. Die Rentiere wiederum sind eine skandinavische Beigabe. Besonders das rotnasige Rentier Rudolph erlangte durch einen Weihnachtssong von Clement Clark Moore Berühmtheit. In den Einkaufszentren der Städte beginnt Weihnachten bereits am 1. November. Die Geschäfte werden mit allem geschmückt, was die Herzen der Kunden höher schlagen lässt. Schaufenster verwandeln sich in kitschige Märchenwelten und die ganze Stadt wird ausgiebig beleuchtet. Gigantomanie ist eben auch an Weihnachten alles in den USA. In Irland dagegen besteht die schöne Sitte, am Weihnachtsabend Kerzen ins Fenster zu stellen als Einladung für alle, die wie einst Maria und Josef obdachlos und hungrig sind.

Am längsten müssen die Kinder in Spanien und Italien auf ihre Geschenke warten. Hier kennt man traditionellerweise weder Weihnachtsmann noch Weihnachtsbaum. Der Heilige Abend wird mit einem ausgelassenen Familienfest gefeiert, im Norden Spaniens mit einer speziellen Navidad-Paella, zu dem auch die weit entfernten Verwandten anreisen. Um 24 Uhr beschließt man in Spanien den Abend mit »la Misa del Gallo«, sinngemäß die »Messe vor dem Krähen des Hahnes«. Am 6. Januar ist dann der große Tag für die Kleinen: Die Heiligen Drei Könige ziehen in die Dörfer ein und bringen Geschenke. In vielen Orten wird dieser Tag mit prachtvollen Umzügen gefeiert, bei denen Kaspar, Melchior und Balthasar auf waschechten Kamelen durch die Straßen reiten und von einem bunten Gefolge begleitet werden.

In Italien ist dagegen eine Hexe für die Gaben zuständig. Diese Befana ist aber eine gute Hexe, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf ihrem Besen von Haus zu Haus fliegt und die Kinder beschenkt. Ihr Name ist vermutlich vom Fest Epiphanias abgeleitet, das an eben diesem 6. Januar stattfindet. Der Legende nach hatte die Hexe von den Hirten die Botschaft von der Geburt Jesu gehört. Aber sie ist zu spät aufgebrochen und verpasste daher den Stern, der sie zur Krippe führen sollte. So ist sie immer noch auf der Suche nach dem Jesuskind und macht sich jedes Jahr zur gleichen Zeit auf den Weg und bringt allen Kindern Geschenke, in der Hoffnung, dass eines der Kinder der kleine Jesus ist.

So unterschiedlich in den einzelnen Ländern Weihnachten auch gefeiert werden mag, es sind doch immer wieder die gleichen Rituale, die die Christen auf der ganzen Welt verbinden. Erinnert werden soll überall auf der Welt an die Geburt Christi, der als »Geschenk Gottes« auf die Welt kam. Und darüber sollten auch die immer mehr bekannt werdenden Missetaten, Betrügereien, Schandtaten und sogar teuflische Gebaren der Kirche und ihren Oberen, aber auch die immer größer werdende Geschenkeflut in unserer entchristlichten Zeit, nicht hinwegtäuschen.

.

Siehe auch das nordeuropäische Julfest, die Wilde Jagd und den Artikel »Du lieber, heiliger Nikolaus«, woher der größte Teil dieses Artikels stammt. Interessant ist auch der Besuch des Weihnachtsmann-Dorfes.

Eine Danksagung muss unbedingt erfolgen an die Autoren der Wikipedia, die in allen Ländern Wissenswertes zusammengetragen haben und an meine Lieblingsredaktion von TimeLife Groningen, die mit ihrer Buchreihe »Spektrum der Weltgeschichte« erstaunlich vieles zum Wissen der Welt beitrugen. Ein herzliches und bewunderndes Chateau an diese Autoren.

.

Interessanter Artikel vom Blog ›Heut schon gedacht?‹: Ich wünsche allen ein glückliches neues Jahr 2012 …

.

Nachtrag vom 06.12.2011 aus der Emder Zeitung: Kinder hatten keine Angst vor den Swarten Pieten!

.

Der Kreuzzug der Kinder

Ein Stück Kirchengeschichte und eine Schande für die Menschheit

Eine ZDF-Dokumentation aus der Reihe „SPHINX“

Es dauert nicht mehr lange, bis es wieder mal Weihnachten ist. Für viele Geschäfte beginnt Weihnachten immer früher, am liebsten gleich nach Pfingsten – zumindest nach den Sommerferien. Während ich es noch erlebt habe, dass mit dem Kommen von Sünnerklaas mit siene witte Perd zuerst die Zeit der Ruhe und des Bastelns begann und der erste Höhepunkt das Erscheinen der Lichtbringerin Lucia war (und danach erst die Schaufenster mit Spielzeugen und anderen Geschenken geschmückt wurden), erleben die Kinder heute Weihnachten als reinen Kommerzbetrieb, der entweder keine Wünsche mehr offen lässt oder genau das Gegenteil – je nach Geldbeutel der Eltern. Betrachtet man den Zustand der meisten Kinder auf diesem Planeten, dann kommt eher der leere oder überhaupt kein Geldbeutel in Frage mit Kriegen und Hungersnöten. Und das meist sogar mit dem Segen der Kirche, der, finanziell gesehen, auch nicht grade billig ist.

Deshalb ist es angebracht, mal aufzuzeigen, welche Verbrechen die Kirche, der Glauben und die religiösen Fanatiker sonst noch hervor brachten. Eine ZDF-Dokumentation aus der Reihe Sphinx über den Kinderkreuzzug im Jahre 1212, welches zu den ruchlosesten Kapiteln der Geschichte gehört.

Ein Kommentator schrieb, als ich diese YouTube-Videos (damals 5-teilig) zum ersten Mal in einem anderen Blog veröffentlichte: „Ein schönes Beispiel, wohin religiöse Verblendung und Menschenverachtung führen. Erst wurde den Kindern eine Gehirnwäsche verpasst, dann ließ man sie ins Verderben laufen, und am Ziel angekommen wurden sie dann noch von guten Christenmenschen in die Sklaverei verkauft.“

Alles schön und gut, aber Vorsicht: Damals, Heute und Morgen sind nur Worte. Was damals der wahnsinnige Klerus erdachte, kann morgen durch die gemeinsame Macht der Wirtschaft und der Finanzmärkte neu ersonnen werden. Schon heute denkt man über Privatarmeen nach...

.

ZDF-Doku aus der Reihe SPHINX: Der Kreuzzug der Kinder

.

.

.


.

Lasst so etwas nie wieder zu!

.

Von den Sklaven Roms bis heute …

… war es nur ein kurzer Weg nach Germania

Von Martin Schnakenberg

In der Erde Roms stießen die Archäologen auf kleine Bleiplaketten mit einem Halsband. Eingraviert war der Name eines Besitzers sowie Sprüche wie „Bring mich zurück“ oder „Halte mich fest, damit ich nicht fliehe!“ – Und natürlich das Versprechen auf einen ordentlichen Finderlohn. Doch es waren keine Hundemarken, die gefunden wurden, sondern Zeugnisse eines der traurigsten Kapitel der römischen Geschichte: der Sklaverei.

.

So beginnt ein Artikel über das Sklaventum, welches schon lange vor den Amerikanern in anderen Ländern gang und gäbe war, in einem bekannten großformatigem Jugendsachbuch. Was ist aber dran an den Geschichten, damals wie heute? – Begeben wir uns mal auf Spurensuche im „alten Rom“.

.

Damals

Sklaverei gab es eigentlich schon immer, nur wurde es nur selten so bezeichnet. Denken wir nur mal an das Wort aus kirchlichen Schriften, wo „das Weib des Mannes Untertan“ ist. Sklaverei, ganz klar. Auch wenn die katholische Kirche später die Ehe einführte, war es immer noch das gleiche. Nur mit dem Unterschied, dass der wohlhabende Herr nicht mehr die Frau für ihre Dienste bezahlen musste, sondern er heiratete sie einfach. Sie wurde damit sein Eigentum und er konnte mit ihr tun und lassen, was er wollte. Klingt zwar hässlich, war und ist aber so. Auch heute noch, trotz Gleichberechtigung.

Und so war es in Rom zur damaligen Zeit nicht anders. Ein ganzes Staatswesen war sogar damit verbunden. Vor den Römern waren solche mächtigen Staaten wie Ägypten, Babylon, Griechenland und Stadtstaaten wie Sparta und Athen mit der Sklaverei lädiert. Aber Rom war noch anders. Denn Rom führte in seinem Hunger nach immer mehr Land und Macht viele Kriege. Dabei landeten Kriegsgefangene und auch aufsässige Zivilisten, die sich gegen die römischen Herrscher auflehnten, auf den Sklavenmärkten des Imperiums. Aber es konnte auch sonstige römische Bürger treffen – entweder sie verloren durch Schulden ihre Freiheit oder sie wurden Opfer von Häscherbanden, die sie in die Sklaverei verkauften. Kritik an der Sklaverei sucht man in der Literatur und Philosophie jener Tage vergebens, vielleicht weil Roms Wirtschaft in der Kaiserzeit ohne Sklaven einfach undenkbar war: Auf den riesigen Latifundien und Großmühlen, die das Brot für die städtischen Massen produzierten, schuftete genauso ein Heer von Sklaven wie in den Steinbrüchen für Tempel und Termen. Gearbeitet wurde vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang. Der Aufseher, selbst meistens ein Sklave, kannte eine feinabgestufte Palette von Strafen, um Aufmüpfige oder Faule zu disziplinieren – von der Peitsche bis zum Zuchthaus. Zuweilen kam es vor, dass ein Sklave zur Strafe statt des Tiers die schwere Eselsmühle bewegen musste. Augenzeugen der damaligen Zeit berichteten einvernehmlich von nicht mehr menschlich anzusehenden Wesen: „Gute Götter, was gab es da für Kreaturen. Die ganze Haut mit blauen Striemen gezeichnet, den geprügelten Rücken mit ein paar verschlissenen Fetzen mehr betupft als bedeckt“.

Vielleicht noch trostloser war das Schicksal jener Frauen, die in die Prostitution verkauft wurden. Roms Bordelle lagen vor allem im heruntergekommenen Armenviertel der Subura und waren so elend und dreckig wie ihre Umgebung. Der schnelle Sex bei einer Sklavin war preiswert: Er kostete ein, zwei Asse – der Gegenwert für einen halben Liter Wein. Roms Oberschicht – Senatoren, Ritter und Patrizier – war hier selten anzutreffen. Wer Geld hatte, kaufte sich einfach eine hübsche Sklavin fürs erotische Vergnügen – das war sauberer und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert … Hauptsache man belästigte keine ehrbaren Ehefrauen oder Töchter. Wenn man dann der weiblichen Ware überdrüssig wurde, fand man in den großen Haushalten eine andere Aufgabe oder – verkaufte die Sklavin einfach weiter.

Aber nicht nur weibliche Sklaven mussten ihren Körper zum Vergnügen der Römer verkaufen: Schöne Knaben erzielten Höchstpreise – man kann sich leicht denken, warum. Und auch die Betreiber der Gladiatorenschulen waren immer auf der Suche nach muskulösem „Frischfleisch“ für die Knochenmühle des Colosseums. Die Überlebenschancen in dieser Abteilung der frühen römischen Unterhaltungsindustrie waren allerdings sehr gering. Nur wenige Gladiatoren erhielten am Ende einer blutigen Karriere ein hölzernes Schwert als Zeichen ihrer ehrenvollen Entlassung in die Freiheit.

Aber nicht alle römische Sklaven waren menschliches Vieh, das schuftete und die Lüste der freien Bürger befriedigte. Es gab eine Elite unter den Sklaven: Männer mit Bildung und Talent, unter denen man Lehrer, Wundärzte, Dolmetscher oder auch Händler und Handwerker fand. Gut ernährt, gepflegt und korrekt gekleidet, waren sie nicht von den normalen Bürgern zu unterscheiden. Und anders als ihre verdammten und indirekt zum Tode verurteilten Standesgenossen im Steinbruch oder auf den Großgütern hatten sie etwas, was unbezahlbar war: die Hoffnung auf Freiheit. Um die Geschäfte zu beflügeln, wurden die Sklaven von ihren Besitzern sogar am Gewinn beteiligt, sodass sich die Chance zum Freikauf bot. Oder sie wurden für treue Dienste freigelassen. Als Zeichen der Ehrerbietung übernahmen sie dann den Familiennamen des ehemaligen Herren und jetzigen Patrons.

Besonders populär waren diese ehemaligen Sklaven allerdings nicht. Sie galten als neureich und habgierig. Der römische Schriftsteller Petronius skizziert in seiner bösen Satire „Das Gastmahl des Trimalchio“ einen großkotzigen Freigelassenen, der sich – obgleich ohne Manieren und Bildung – in der Rolle des aristokratischen Herrn gefiel. Mögliches Vorbild für Trimalchio war ein gewisser Caecius Isidorus, der zu einem der reichsten Grundbesitzer seiner Zeit aufgestiegen war. Als er im Jahr 8 vor Christus starb, hinterließ er ein gigantisches Vermögen von 60 Millionen Sesterzen, 250.000 Stück Vieh und 4116 Sklaven – Man sieht: auch er kannte keine Skrupel, Menschen als Besitz zu halten.

.

.

Heute

Hat sich was geändert? – Doch, die Jahreszahl vielleicht, oder die Namen, oder die Schrift, oder die Orte. Sonst noch was?

Als in den 1970er Jahren der Krieg in Vietnam tobte, machte sich eine kleine Truppe von Jungen, die Les Poppys aus Asnières, auf den Weg und sangen immer wieder ihr Lied, was von Frankreich aus in die Welt ging: „Non non rien n’a Changé“ – Nein, nichts hat sich geändert.

Die Sklaverei ist zwar überall offiziell abgeschafft und es gilt der Satz, dass alle Menschen frei sein sollen. Aber es sind neue Abhängigkeiten entstanden, die der Barbarei der früheren Sklaverei in nichts nachstehen. Moderne Sklaven stehen unter der Fuchtel des Staates, der dafür eigens Gesetze geschaffen hat (volkstümlich Hartz-4 genannt), oder der Wirtschaft, insbesondere der Finanzwirtschaft mit ihrem kapitalistischen Wertesystem. Die Zinspolitik sind die neuen Herren des Sklavenmarktes – und wer sich dem Diktat nicht beugt, hat von vornherein verloren. Ganze Länder werden versklavt um des Profits willen und wegen ihrer Abhängigkeit vom Kapitalmarkt in den Abgrund getrieben. Die vom Volk gewählten Politiker, die verpflichtet wurden, alles Schlechte und Böse vom Volk abzuwenden, haben sich dem Mammon Zinsgeld zugeneigt und können nichts anderes tun, als dem Kapitalmarkt zu dienen, statt regulierend einzugreifen, was ihre Aufgabe ist.

Auch Kinder werden nicht mehr nur ausgebeutet wie früher, sie werden vollständig in eine Abhängigkeit getrieben, versklavt. Beispiele gibt es genug aus Südamerika, Afrika, Indien, China und weiteren. Das Ziel dieser Versklaverei ist dasselbe wie bei Erwachsenen: billige Arbeitskräfte für den Profit. Diese Missstände werden in weiteren Artikeln des Muskelkaters behandelt.

Der nachfolgende Film zeigt uns eine Zusammenfassung:

.

.

Er hatte bestimmt vor, einen lustigen Artikel in der Stupidedia zu schreiben, als dem Autor des skurrilen Nachschlagewerkes die Idee kam. Allerdings ging dieses Unternehmen völlig daneben, weil er die Wahrheit schrieb: „Als Sklaven bezeichnet man die hörigen Knechte und Mägde eines reichen Mannes bzw. die abrekrutierten Sklaven, die beim Arbeitsamt durch Arbeitslosenbescheide entstehen und per Ein-Euro-Job Frondienste in Adelshäusern leisten müssen, die dazu führen, dass teures Dienerpersonal durch billige Arbeitskräfte entlassen wird und dadurch selber zu Sklaven des Arbeitsamtes werden. Des Weiteren werden den Sklaven jegliche Menschenrechte aberkannt, sie sind dem adeligen Herren bzw. dem Arbeitsamt hörig und dürfen nicht über ihr eigenes Leben bestimmen, da ihr Leben in der Hand des jeweiligen adeligen Fürsten bzw. dem Wohlwollen des Arbeitsamtes liegt.
Bei Nichterfüllung der Befehle und Dienstanweisungen schreitet das Arbeitsamt ein, indem die Stütze (Hartz 4) komplett gestrichen wird, und die Sklaven sozusagen alles verlieren und als Obdachlose die Fußgängerzonen dekorativ verzieren.“

.

Ich hoffe, dass dieser Artikel nicht nur zur Geschichte der Sklaverei etwas beigetragen hat, sondern auch die Aufmerksamkeit auf die heutigen Zustände in aller Welt, aber auch vor unserer eigenen Haustür gelenkt hat. Denn es ist nach wie vor noch immer so und wird sich auch nicht ändern, wenn wir nicht bereit sind, dagegen etwas zu unternehmen, damit wir irgendwann aufhören können, immer wieder zu sagen:

.

»Non non rien n’a Change« – Nein, nichts hat sich geändert.

.

.

Weiterführungen und Hinweise:

Erklärung, was Sklaverei ist und bedeutet

Wikipedia-Artikel über die Sklaverei im antiken Rom (zwar nicht so gut wie hier, aber schön ausführlich erklärt)

Alle weiteren Daten und Informationen sind der TimeLife-Buchreihe „Spektrum der Weltgeschichte“ entnommen.

Eine Erklärung, was ein Sklave ist, gibt es auch in der Stupidedia.

Außerdem ein sehr interessanter Artikel bei AlterKnacker über moderne Sklaverei.

Und die Les Poppys findet man hier: http://boysingers.wordpress.com/category/pcaif-les-poppys/

.

Die großen Rätsel – Die Sintflut

Eine Videodokumentation

… aus der ZDF-Reihe „Sphinx“

„Die großen Rätsel – Die Sintflut“ ist eine interessante Dokumentation über verschiedene Rätsel in der Geschichte. Die Geschichte der Sintflut, von der Vernichtung eines vorzeitlichen Menschengeschlechts, ist die weltweit meist verbreitete Überlieferung einer gewaltigen Naturkatastrophe. An ihrem Ende steht das Überleben eines Paares oder die völlige Neuschaffung des Menschen – zumindest in der biblischen Version.

.

Wissenschaftler, die diese Darstellung der Arche Noah als reine Legende abtun, sehen sich dennoch mit über 250 Berichten überlieferter Flutgeschichten konfrontiert. Die bekannteste stammt von dem griechischen Philosophen Platon, der den Mythos um die legendäre Insel Atlantis erfand (?). – Gab es eine Sintflut, gab es eine Zivilisation vor Adam und Eva? – Ist Atlantis nur Fiktion oder versunkene Wirklichkeit?

Der britische Bestseller-Autor Colin Wilson verfolgte Spuren, die Wissenschaftler nicht weiter interessierten, da sie in keinen Zusammenhang passten: Alte Karten, die die Küste der Antarktis lange vor ihrer Entdeckung im 18. Jahrhundert abbilden (Piri Reis) und Olmeken-Statuen in Mexiko mit europäischen und afrikanischen Gesichtszügen aus einer Zeit, ehe Kolumbus Amerika entdeckte. Und die Sphinx von Gizeh zeigt Verwitterungsspuren, die ihre wahre Entstehung um tausende Jahre zurückdatiert. Diese und andere geheimnisvolle Rätsel addieren sich zu einem spannenden Mosaik auf der Suche nach Atlantis und dem Geheimnis der Sintflut.

Und: Es ist eine aufregende Reise in die Zeit vor unserer Menschheitsgeschichte mit aufwendigen Rekonstruktionen in modernster 3-D Computertechnologie.

.

.

.

.

.

.

Arwa Bint Ahmed – die wahre Königin von Saba

Versuch einer Klärung

Von Martin Schnakenberg

Wir treffen sie in Mythen und Legenden, aber ihr wahrer Name wird nirgends erwähnt. Selbst große Nachschlagewerke, wie die von Brockhaus, TimeLife oder vieler anderer Geschichtsverlage, und auch die Wikipedia, schlagen sich mit Unwissenheit herum. Und auch hier beim Muskelkater wird man vergebens eine vollständige Aufklärung suchen, – weil sie einfach nicht existiert. Die Frage nach vielen wunderbaren Legenden und Erzählungen lautet also:

Hat es die prunkvolle Königin von Saba je gegeben?

Zwei heilige Bücher, die christliche Bibel und der islamische Koran, erwähnen sie. Im Selbstverständnis des untergegangen Kaiserhauses von Äthiopien stand ein Kind der Königin von Saba am Anfang einer für zwei Jahrtausende währenden Dynastie. Den beiden heiligen Büchern zufolge wurde der Knabe in einer Liebesnacht zwischen der südarabischen Königin und dem Israeliten-König Salomo in Jerusalem gezeugt. Bis zu seinem Sturz 1974 konnte Kaiser Haile Selassi I. von Äthiopien sich auf eine Verfassung berufen, die ihn als den 225. Nachfolger „der Königin von Saba und des Königs Salomo von Jerusalem“ bezeichnete.

Aber die Wissenschaft bleibt hartnäckig. Sie will sich nicht mit frommen oder staatstragenden Mythen begnügen. Stattdessen sucht sie nach standfesten Beweisen. Bewiesen ist inzwischen, dass die sabäische Bewässerungskultur schon rund 1000 Jahre v.Chr. in der Oase Marib zu blühen begann. Doch ist diese Leistung einem lockeren Verband von Bauern zuzuschreiben. Die ältesten Inschriften, die einen Staat Saba bekunden, stammen aus dem 8. Jahrhundert vor der Zeitrechnung. König Salomo wird hingegen für die Jahre 965 bis 926 v.Chr. bezeugt. Folglich lehrt uns die Wissenschaft gegenwärtig noch, dass der erste sabäische Staat Jahrzehnte nach dem Tod des großen Salomo entstanden ist.

Namhafte Forscher, z.B. der Brite St. John Philby, haben sich bemüht, eine historische Brücke zu bauen. Philbys Theorie schlägt vor, dass die Königin von Saba eine Stammesfürstin gewesen sei. Ihr aus sabäischen Arabern bestehender Stamm sei aus Mesopotamien gekommen, um im Gebiet des heutigen Syriens zu nomadisieren. Damals habe jeder größere Stamm seinen Anführer König oder seine Anführerin Königin genannt. So sei die Anführerin der Sabäer schließlich als „Königin von Saba“ zu Salomo nach Jerusalem gelangt, um Tribut zu entrichten. Ein anderer Teil der Sabäer wäre von Mesopotamien nach Südwest-Arabien gewanderte. Er sei dort sesshaft geworden und hätte die Erinnerung an jene „Königin“ ausgeschmückt und Jahrhunderte lang bewahrt.

In der Erinnerung der meisten Jemeniten gibt es allerdings zwei Königinnen von Saba. Die legendäre Königin des antiken Südarabien gilt als „Malika Bilqis“ (Königin Bilqis). Ihr schreiben sie den in der Oase Marib freigelegten Tempel des Mondgottes Almaqah zu. Er ist anscheinend im 8. bis 7. Jahrhundert v.Chr. gebaut worden. Für diese Zeit – wie für die gesamte Geschichte des Sabäischen Reichs – kann die Existenz einer Königin nicht nachgewiesen werden. Leben und Herrschaft der „zweiten Bilqis“ oder der „Malika Bilqis der Jüngeren“ ist hingegen schriftlich mehrfach dokumentiert.

Die Rede ist von Arwa Bint Ahmed as-Sulayhi, von Arwa, der Tochter Ahmeds, eingeheiratet in das Geschlecht der Sulayhi. Ein Ali Ibn Muhammad as-Sulayhi hatte etwa 1047 in der Bergregion südwestlich der jemenitischen Hauptstadt San’a’ einen Aufstand angezettelt. Es gelang ihm sogar, die Hauptstadt einzunehmen. Alis Gegner war ein Imam, eigentlich ein „Vorbeter“, der als mächtiger Stammesführer und religiös legitimierter König aber erst Teile des Landes kontrollierte. Gestützt auf die schiitische Auslegung des Islam, gestützt aber auch auf die materielle Kraft der damals in Ägypten herrschenden Fatimiden, wurde Ali Ibn Muhammad Machthaber (Sultan) über große Teile des Bergjemen und die Küstenebene am Roten Meer.

Der Sohn und Nachfolger Alis, Al-Mukarram Ahmed, schloss im Jahr 1069 eine Ehe mit Arwa Bint Ahmed, einem Mädchen aus seinem Stamm. Wohl fünf Jahre später übertrug der schwer erkrankte Sultan die Staatsgeschäfte seiner Frau. 1074 trat Arwa Bint Ahmed als Malika (Königin) in Erscheinung. Königin Arwa hatte den Thron zwar geerbt, gleichwohl fühlte sie sich ihrem Volk gegenüber verantwortlich. „Viele sehen sie als die bedeutendste Herrscherin an, die es im Islam gegeben hat“, heißt es in einer jeminitischen Quelle. Zu überprüfen, wie das Verhältnis der Malika zum Volk wirklich gewesen ist, bleibt uns allerdings versagt. Wir dürfen aber mit Sicherheit annehmen, dass Arwa Bint Ahmed sehr energisch geherrscht hat. Sie musste nämlich ihren Thron immer wieder gegen Angriffe von außen und gegen Umsturzversuche im Innern verteidigen.

Blutige Kämpfe gab es vor allem zwischen den Getreuen der Malika Arwa und den Najahiden. Diese übten zeitweise über die heiße Küstenebene am Roten Meer, über die Tihama, eine Regionalherrschaft aus. Arwa Bint Ahmed konnte ihren gefährlichen Gegner, den ehemaligen Sklaven Najah, erst überwinden, als sie dem Schauplatz der Schlachten selber näher gerückt war. Sie verließ 1087 die Hauptstadt San’a’ und machte die kleine Bergstadt Jiblah zu ihrer Residenz. Von dort aus war es nur noch eine knappe Tagesreise bis zu der umkämpften Küstenebene. Außerdem war das auf einem Basaltkegel erbaute Jiblah leichter als das größere San’a’ zu verteidigen.

Najah war Äthiopier. Er erhielt im Konflikt mit der Malika Arwa Bint Ahmed auch Hilfe vom anderen Ufer des Roten Meeres, aus dem heutigen Eritrea. Dort herrschte ein christlicher König. So sahen wohl viele der Getreuen Arwas in dem Sklaven Najah nicht nur einen aufständischen Regionalfürsten, sondern einen geheimen Agenten des christlichen Äthiopiens. Einst hatten Sabäer in dem Land jenseits des Roten Meeres ihren auf die Gestirne gerichteten Glauben verbreitet, hatten die Baukunst stark beeinflusst. Dieser Glaube war dort nun verdrängt worden, durch den Islam als auch durch das Christentum. Und eines war damals im jemenitischen Bergvolk noch nicht vergessen, dass es gerade einmal rund 500 Jahre her war, seit große Teile ihres Landes von äthiopischer Oberhoheit befreit werden mussten. Deswegen erschien Arwa Bint Ahmed ihren Zeitgenossen auch als Streiterin gegen eine mögliche Fremdherrschaft und für den  rechten Glauben, den Islam.

Dem jetzigen Stand der Forschung zufolge blieben Arwa Bint Ahmed nach dem Ortswechsel der Residenz von San’a’ nach Jiblah noch 51 Jahre. Es ist fraglich, ob sie wieder geheiratet hat; sie hätte ja die Kontrolle der Macht mit einem wahrscheinlich an rivalisierende Stammesinteressen gebundenen Mann teilen müssen. 1138 im Alter von 88 Jahren soll Arwa oder Bilqis II. in Jiblah gestorben sein. Die Malika wurde in der Hauptmoschee des Ortes beigesetzt. Ihren Tod hat die Dynastie der Sulayhiden nicht lange überlebt. Sie zerfiel schnell nach internen Machtkämpfen. Aber es gelten jedenfalls die beiden letzten Jahrzehnte der sulayhidischen Herrschaft unter Arwa Bint Ahmed als eine glanzvolle Epoche für den südlichen und westlichen Jemen und die Küstenebene, die Tihama. Damals begannen die Menschen von ihr als der „Bilqis der Jüngeren“ zu sprechen.

Ob die Königin Arwa Bint Ahmed sich selber in der Nachfolge der Königin von Saba gesehen hat, wissen wir nicht, können es nur erahnen. Den Menschen jener Zeit drängte sich ein solcher Vergleich jedenfalls auf. In der heiligen Schrift des Islam, im Koran, ist die Königin von Saba erwähnt, hat aber keinen Namen. Zu Arwa Bint Ahmeds Lebenszeit war es hingegen schon etwa 200 Jahre lang üblich, dass arabische Religionsgelehrte und auch Dichter die legendäre Königin von Saba Bilqis nannten. So kam im Gedächtnis des Volkes Bilqis die Erste zustande, der man den Bau von Tempeln in Marib zuschrieb. Der zweiten Bilqis, der Kämpferin gegen Fremdherrschaft, widmete das Volk ein Naturdenkmal: einen schroffen Vulkankegel bei Hamam Damt, den es bis heute „Thron der Bilqis“ (Arsh Bilqis) nennt.

Von der Antike zur Gegenwart

Von Schriftstellern ist Bilqis „die Ältere“ zur Titelheldin ihrer Romane erhoben, von Reiseveranstaltern zur Werbeträgerin gemacht worden. Auch im Jemen selbst wird sie als Namensgeberin für allerlei Institutionen benutzt. Insofern gibt es sie jetzt, selbst wenn es sie in der Antike nicht gegeben hat. Bilqis „die Jüngere“ erfreut sich im zunehmenden Maße einem Ansehen als Symbolfigur der Frauen-Emanzipation. Manche Schritte zur Emanzipation der Frauen im Jemen sind schon getan. Sie besitzen das passive und aktive Wahlrecht. Einige wenige Frauen sind sogar in das Parlament gelangt, andere als Funktionsträgerinnen in den Staatsapparat. Sich auf Arwa Bint Ahmed zu berufen, weißt darauf hin, dass eine Frau auch zum Höchsten berufen sein kann, und zwar nicht in der heidnischen Antike, sondern Jahrhunderte nach dem Eintreffen des Islam.

.

Und wenn sich dann irgendwann einmal herausstellt, dass sie wirklich und wahrhaftig nicht gelebt bzw. existiert hat, dann ist es aber immer noch eine schöne Geschichte gewesen.

.

.

Quellenhinweise:

„Die letzten Geheimnisse unserer Geschichte“ aus der TimeLife-Redaktion, 1980.

Bericht im Spiegel vom 08.05.2008:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,552288,00.html

Ähnlicher Artikel in welt-online vom gleichen Tag:
http://www.welt.de/wissenschaft/article1978663/Ein_Koenigspalast_zwischen_Mythos_und_Sensation.html

Hat Helmut Ziegert den Palast wirklich gefunden? Oder beginnt eine neue Legendenbildung?
http://www1.uni-hamburg.de/ethiostudies/saba.html

Pressemitteilung der Uni Hamburg:
http://www.verwaltung.uni-hamburg.de/pr/2/21/pm/2008/pm48.html

Märchengeschichten von der Königin von Saba:
http://archiv.twoday.net/stories/4917018/

Wikipedia-Eintrag dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Königin_von_Saba

Die Königin von Saba und König Salomo:
http://www.enfal.de/grund17.htm

Das Königreich von Saba und die Wahrheit des Krieges:
https://muskelkater.wordpress.com/2010/10/14/das-konigreich-von-saba-und-die-wahrheit-des-krieges/

Siehe auch in der Wikipedia: Jemenitische Architektur.

.

Die großen Rätsel – Die Sintflut

Eine Reise in die Vergangenheit

„Die großen Rätsel – Die Sintflut“ ist eine interessante Dokumentation über verschiedene Rätsel in der Geschichte. Die Geschichte der Sintflut, von der Vernichtung eines vorzeitlichen Menschengeschlechts, ist die weltweit meist verbreitete Überlieferung einer gewaltigen Naturkatastrophe. An ihrem Ende steht das Überleben eines Paares oder die völlige Neuschaffung des Menschen – zumindest in der biblischen Version.

Wissenschaftler, die diese Darstellung der Arche Noah als reine Legende abtun, sehen sich dennoch mit ueber 250 Berichten ueberlieferter Flutgeschichten konfrontiert. Die bekannteste stammt von dem griechischen Philosophen Platon, der den Mythos um die legendaere Insel Atlantis erfand. Gab es eine Sintflut, gab es eine Zivilisation vor Adam und Eva? Ist Atlantis nur Fiktion oder versunkene Wirklichkeit?

.

Hier bitte weiterlesen…

.

  • Norwegen, Perle des Nordens

  • Administration

  • Leser-Empfehlungen

  • Bitte eMail-Adresse eingeben...

    Schließe dich 151 anderen Followern an

  • Jetzt Stromwechsel

  • Finger weg ! ! !

  • Monatsarchive

  • Kategorie bitte wählen

  • Artikel-Erstellung

    September 2020
    M D M D F S S
     123456
    78910111213
    14151617181920
    21222324252627
    282930  
  • Kinderrechte ins Grundgesetz

  • Die neusten Leser-Meinungen

  • ~~~ Die Partei der Vernunft ~~~

  • ~~~ Aktiv für die Umwelt ~~~

    Die Umwelt-Organisation ROBIN WOOD ist dem Verfasser des Muskelkater's schon seit seiner Gründung bekannt und er empfiehlt diesen internationalen Verein aus Bremen ausdrücklich, weil dieser in Sachen Umwelt- und Naturschutz, Erhaltung der für den Menschen natürlichen Ressourcen und Schutz der Natur vor der Gier der Konzerne und menschlicher Einzel-Individuen wie Spekulanten und Börsenzocker, vorbildlich agiert und deshalb aus seiner Sicht eine der sinnvollsten Gruppierungen des Planeten Erde sind, den es in seiner Form und Vielfalt zu erhalten gilt. - Klick mit rechter Maustaste auf Logo führt zur Homepage von ROBIN WOOD ...

  • ~~~ Demokratie in Aktion ~~~

  • ~~~ Lesben- und Schwulenverband

  • United for Peace

  • ~ Blog-Empfehlung ~

  • + Blog-Empfehlung +

  • Am Besten bewertet

  • Schlagworte/Tags

  • Top-Klicks

    • Keine