Staatsbesuch und Rede im Reichstag: der Papst

Ein unheiliger Pups für einen Papst

Von Martin Schnakenberg

Jetzt ist er also da, der Papst, der Stellvertreter Gottes auf Erden. Und wenn er wieder geht, ist Deutschland wieder eine gottverlassene Provinz, GottSeiDank. Und wer behauptet, dieser Vollpfosten wäre von irgendeinem Bundesbürger eingeladen worden, der täuscht sich. Denn er drängte sich förmlich auf:

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„Der Bundestagspräsident hat im Ältestenrat erklärt, dass der Wunsch des Papstes an ihn herangetragen worden ist. Also, es war der Wunsch des Vatikan, dass der Papst im Bundestag reden kann. Dieser Wunsch sei über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz an den Bundespräsidenten weitergegeben worden. Und das Präsidium des Bundestages hat dann entschieden, diesem Wunsch zu entsprechen und den Papst während seiner Deutschlandreise einzuladen.“

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1380445/

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Und seien wir doch ehrlich: Da müht sich eine bibeltreue Christin von der Leyenkirche monatelang ab, um im deutschen Internet Stoppschilder für Seiten mit Kinderpornographie einzurichten, damit keiner diese obszönen sexuellen Handlungen und damit die Leiden der Kinder sieht – und dann kommt der Chef der weltweit operierenden Kinderschänder-Mafia daher und hält im Bundestag im Reichstagsgebäude in Berlin eine Rede. Und an die Staatskosten, dass er, die Reisestrecken und seine Aufenthaltsorte geschützt werden müssen, bezahlt von Steuern sogar muslimischer, buddhistischer, nichtgläubiger und nichtkirchlicher Bundesbürger, mag ich nicht mal denken.

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Wer hat denn sonst noch im Bundestag gesprochen? Na, Wladimir Putin hat es getan, George W. Bush und sein Vater auch, dann Michail Gorbatschow, Jacques Chirac, Nelson Mandela und Schimon Peres (Tagesschau). Proteste gab es nur selten und Zwischenfälle waren noch seltener. Weil es einfach Staatsmänner waren, Vertreter eines Volkes, ob man sie jetzt gutheißen möchte oder nicht. – Nur der Dalai Lama durfte nicht, weil kein Religionsführer vor dem Bundestag Reden halten sollte. Sehr interessant und höchst aufschlussreich, oder?

Denn was jetzt da ist, kann höchstens noch mit dem Kriegstreiber und Terroristen George W. Bush verglichen werden, wenn überhaupt. Denn jetzt ist Gott da, zwar durch einen Stellvertreter, aber Gott ist da. Und er spricht zu einem demokratisch gewählten Parlament in einem nach außen hin sichtbaren demokratisch freiheitlichen Land. Da spricht einer, der die Schwulen und Lesben verurteilt und sie als nicht gottgewollt bezeichnet, statt sie mit allen in Gleichheit zu vereinen. Da spricht einer, der Menschen lieber durch AIDS sterben lässt, statt Kondome zu erlauben. Da spricht einer, der rechtsnationalistische Gruppierungen in seiner Kirche zulässt und sie willkommen heißt, statt solche Tendenzen von vornherein auszuschließen. Da spricht einer, der die Augen verschließt vor den Qualen der Kinder, wenn sie wieder mal von den Priestern gezüchtigt und sexuell missbraucht werden, weil Jesus gesagt hat: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht!“. Über die Vergangenheit der Kirche mit Hexenverbrennungen, Kinderkreuzzügen und Inquisition will ich gar nicht erst schreiben.

Aber „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ singen, sogar während des heiligen Stuhlganges. Ein Sprichwort sagt zwar: „Wenn immer wieder über jemanden geredet wird, fühlt er sich immer wichtiger!“

Stimmt. Aber trotzdem sollte man es nicht lassen, darauf aufmerksam zu machen. Denn schon mal ist ein großes Übel vom Reichstag ausgegangen.

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Die Kirche und der Mammon, Teil 3

Mönche als Fälschungsexperten

Um den kirchlichen Grundbesitz zu vermehren, machten Mönche und andere Kirchenleute nicht nur Ödland urbar. Sie bedienten sich dazu nicht selten auch der Urkundenfälschung und des gemeinen Betruges.

Trachtete ein Bischof oder Abt danach, seinen Grundbesitz zu vergrößern, so fand sich schon bald im Klosterarchiv eine Pergamenturkunde, ausgestellt von diesem oder jenem Fürsten aus früherer Zeit, der den betreffenden Landstrich dem Kloster vermacht hatte. „Der Mönch Gueron berichtete auf seinem Sterbelager, dass er ganz Frankreich durchzogen habe, um für Klöster und Kirchen falsche Dokumente zu machen“ (E.-H. Schmitz, Die Kirche und das liebe Geld, Münster, S. 83). Das Benediktinerkloster Reichenau galt als berüchtigte Stätte der Urkundenfälschung im süddeutschen Raum (vgl. W. Kammeier, Die Fälschung der deutschen Geschichte, Wolfenbüttel 1979, S. 23 f). Wer die größte aller Fälschungen, die angebliche Übereignung des gesamten Abendlandes durch Konstantin an den Papst (die sog. Konstantinische Schenkung) für unwahr hielt, musste dies oftmals mit dem Tod bezahlen, so z. B. Johannes Dränsdorf in Heidelberg, noch im Jahre 1425, ebenso der Waldenser-Führer Friedrich Reiser in Straßburg 1458 (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 51).

Kein Testament ohne Priester

Ein Hauptfaktor für das Anwachsen des kirchlichen Grundbesitzes seit der Antike, besonders aber im Mittelalter, waren Erbschaften. Bereits im vierten Jahrhundert n. Chr. war die Erbschleicherei durch den damaligen Papst Damasus I. (366 bis 384 n. Chr.) so schlimm, dass der Kaiser eingreifen musste. Damasus „tätigte die finstersten Finanzgeschäfte, und sein Luxus war sprichwörtlich. Durch seine Vertrautheit mit den reichen Christinnen profitierte der ‚Ohrenkitzler der Damen‘ derart, dass an ihn 370 ein Kaiseredikt erging, das energisch die Erbschleicherei des Klerus verbot“ (Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. III, S. 496). Schon aus Furcht vor dem Fegefeuer oder Höllenpein vermachten im Mittelalter viele Gläubige der Kirche Teile von Haus und Hof. „Im Lehnswesen war es üblich, dass jeder Grundbesitzer oder Pächter beim Tode etwas der Kirche hinterließ – wer das unterließ, kam in den Verdacht der Ketzerei und erhielt unter Umständen keinen Begräbnisplatz in geweihter Erde. Da nur wenige Laien schreiben konnten, wurde gewöhnlich ein Pfarrer herbeigezogen, wenn ein Testament aufgestellt werden sollte. Papst Alexander III. verfügte 1170, dass kein Testament gültig sei, das nicht in Gegenwart eines Priesters gemacht worden sei; jeder weltliche Notar, der ein Testament aufstellte, ohne dieser Vorschrift zu genügen, sei mit dem Kirchenbann zu bestrafen – und die Kirche beanspruchte für sich das ausschließliche Recht, ein Testament gerichtlich zu bestätigen. Geschenke oder Legate an die Kirche galten als die verlässlichsten Hilfsmittel, um die Leidenszeit im Fegefeuer zu verkürzen“ (Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 6, S. 454).

Wie meisterhaft die Kirche es verstand, insbesondere reichen Leuten einzureden, dass ihr Seelenheil nur in der Übereignung ihres Erbes an die Kirche liege, beschreibt der Kulturhistoriker Jaque le Goff in seinem Buch Wucherzins und Höllenqualen – Ökonomie und Religion im Mittelalter wie folgt: „Die einzige Möglichkeit des Wucherers (und dazu gehörte so gut wie jeder Kaufmann) das Heil zu erlangen, ist die vollständige Rückzahlung seines Gewinns, da er seinen ganzen Gewinn unrecht erworben hat … Für den Wucherer ist es schwer, seine Sünden wieder gutzumachen, denn Gott vergibt ihm nur, wenn er zurückgibt, was er stahl.“ Dies führte in vielen Fällen dazu, dass reiche Kaufleute etwa Stiftungen machten, die dann im Rahmen der Kirche betrieben wurden und zum Teil bis heute durch ihre reiche Güterausstattung noch funktionieren.

Kinder enterben zugunsten der Kirche

Doch nicht nur das: Um an Erbschaften heranzukommen, scheute die Kirche bereits in der Antike nicht davor zurück, Druck auf Eltern auszuüben, damit diese ihre Kinder enterbten und die Hinterlassenschaft der Kirche gaben. So predigte Kirchenvater Salvian aus Marseille im 5. Jahrhundert: „Wer sein Vermögen seinen Kindern hinterlässt statt der Kirche, handelt gegen den Willen Gottes und gegen seinen eigenen Vorteil. Während er für die irdische Wohlfahrt seiner Kinder Sorge trägt, betrügt er sich um seine eigene Wohlfahrt im Himmel“ (Deschner, S. 504). Für den Hl. Basilius ist „Vorsorge für die Kinder nur ein Vorwand der Habsüchtigen“ (ebenda). All dies führte zwangsläufig zu einem wachsenden Elend ungezählter Familien, was die spätrömischen Kaiser zum Eingreifen veranlasste: „Bereits Valentinian I. (364-375) geht deshalb scharf gegen die Erbschleicher des Klerus vor. 370 verbietet er geistlichen Mönchen, die Häuser der Witwen und Waisen aufzusuchen und erklärt sämtliche Schenkungen und Vermächtnisse von ihnen sowie anderen Treuen, die unter religiösem Vorwand das Opfer erpresserischer Priester werden sollten, für ungültig.“ (Deschner, S. 505). Diese Anordnung wurde jedoch, wie auch spätere Versuche in diese Richtung, bereits zwei Jahrzehnte später wieder aufgehoben. Die Kirche war einfach mächtiger und einflussreicher als der Staat – und „schließlich saugten Staat und Kirche gemeinsam das Volk aus, zogen sie am gleichen Strang“ (Deschner, S. 506). So, wie es heute leider immer noch ist.

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Bald geht es weiter in der Kirchengeschichte…

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Siehe auch:

1. https://muskelkater.wordpress.com/2010/04/21/die-kirche-und-der-mammon-startkapitel/

2. Woher kommt der Reichtum der Kirche: https://muskelkater.wordpress.com/2010/08/06/die-kirche-und-der-mammon-teil-1/

3. Wie die Klöster reich wurden: https://muskelkater.wordpress.com/2010/08/25/die-kirche-und-der-mammon-teil-2/

4. Informationen stammen aus der TimeLife-Buchreihe „Spektrum der Weltgeschichte“, dem Archiv der Württembergischen Landesbibliothek und aus den Büchern von Karlheinz Deschner http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner

5. Homepage KH Deschner: http://www.deschner.info/

6. KH Deschner zum Thema „Missbrauch in der Kirche“: http://hpd.de/node/9114

Oder auch die Kategorie:

https://muskelkater.wordpress.com/category/artikelreihe-verein-kirche/

mit weiteren spannenden Geschichten zum Abenteuer Kirche.

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Die Kirche und der Mammon, Teil 2

Wie die Klöster reich wurden

Kein anderes Unternehmen hat es so gut verstanden, Geld und Reichtum zusammenzuraffen wie die Kirche. Die ganze Kirchengeschichte ist geprägt von Erbschleicherei, Konfiskation, Ablasshandel, Raubzügen u.a.m. Die Verkündigung ihrer Lehre nimmt sich dagegen eher wie eine Nebentätigkeit aus. In der 1. Folge war von Bischöfen als Bankern und von klerikalen Geldgeschäften die Rede. Lest heute von den Privilegien der Mönche und der Klöster.

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Die eigentliche Grundlage für die heutige Stellung der Kirche als Wirtschaftskonzern legte Kaiser Konstantin. Mit dem Toleranzedikt von Mailand (313 n. Chr.) wurden die einzelnen Gemeinden zu vermögensfähigen Körperschaften, die Grundbesitz erwerben und bewirtschaften konnten. Sie durften Erbschaften machen, was heidnischen Tempeln vorher nur ausnahmsweise erlaubt war. Vor allem aber konnten sie sich heidnische Tempelgüter aneignen mitsamt deren Pfründe. Hinzu kamen großzügige Schenkungen von Seiten der ersten so genannten christlichen Kaiser, was sich in den nachfolgenden Jahrhunderten kaum änderte. Da Kirchenbesitz im Mittelalter generell unveräußerlich war, konnte dieser nur wachsen.

Die Klöster als Wirtschaftsfaktor

Eines der ersten christlichen Klöster war das Katharinenkloster auf dem Sinai, das 565 gegründet wurde.

Die Früchte dieser Privilegierung kam in besonderer Weise den Klöstern zugute. Die ursprünglich asketische Mönchsbewegung wandelte sich schon bald zu einem mächtigen Wirtschaftsfaktor. Bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts findet sich in den Klöstern, z. B. in denen des Pachomius, eine eher soldatisch organisierte Arbeitsplanung, bei der das Gebet gegenüber der Arbeit zurücktritt. Jedes Kloster profitierte davon, dass jeder, der eintrat, seinen gesamten Besitz abgeben musste und ihn später auch nicht an Verwandte vererben konnte. Auch Laien bereicherten die Klöster, indem sie ihnen große Spenden zukommen ließen – zum Heil ihrer Seelen.

All dieser Zugewinn hinderte die Klöster nicht daran, zusätzlich Geldgeschäfte zu tätigen und sich sogar Sklaven zu halten.

Die Klöster ließen sich – wie der Staat – von den Bauern den Zehnt bringen. Sie eigneten sich weiteres Land an, indem sie schlicht behaupteten, es sei ihnen vermacht worden. Durch solche Machenschaften trugen sie zur Ausbeutung ganzer Gegenden bei. Kein Wunder, dass ein Klostereintritt nicht selten aus blanker Existenznot geschah und weniger aus religiösen Motiven: „Kurz, nicht Sorge um die seelische, sondern um die leibliche Existenz, nackte wirtschaftliche Not zwang die Ausgebeuteten gewöhnlich ins Kloster“ (Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. III, S. 476).

Versicherungsgesellschaft und Bank in einem

Die Geschäfte der Klöster mit Geldverleih stellt die der Juden – die durch Berufsverbote in die Rolle der Geldverleiher gedrängt worden waren – weit in den Schatten. Viele Privatpersonen übergaben ihr Geld Kirchen und Klöstern zur Aufbewahrung. Aus diesem Bestand verlieh das Kloster Geld an Einzelpersonen oder an Institutionen, die Geld brauchten. Aus dem Jahre 1070 ist belegt, dass Kirchen und Klöster Geld an benachbarte Grundherren verliehen, „gegen einen Anteil an den Einkünften aus dem Grundbesitz des Herrn“. Durch diese Hypothekdarlehen wurden die Klöster zu den ersten Bankgesellschaften des Mittelalters. Die Abtei St. André in Frankreich war in ihren Bankgeschäften so erfolgreich, dass sie jüdische Geldverleiher anstellte, um ihren Finanzoperationen vorzustehen. Die Tempelritter liehen an Könige und Fürsten, Herren und Ritter, Kirchen und Prälaten Geld gegen Zins – ihr Hypothekargeschäft war im dreizehnten Jahrhundert wahrscheinlich das ausgedehnteste der Welt.

Die Rolle der Juden als Geldverleiher wird stark übertrieben. Sie hatten in Spanien und eine Zeit lang in England „eine große Macht, waren aber in Deutschland schwach und in Italien den christlichen Finanzleuten unterlegen“ (W. Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 6, S. 306 f). „Im Zwölften Jahrhundert betrugen die Zinssätze in Frankreich und England 33 1/3 %; manchmal erreichten die Zinssätze die Höhe von 50 %. Friedrich II. versuchte um 1240, den Zins auf 10 % zu senken, zahlte aber bald einen höheren Zins an christliche Geldverleiher“ (W. Durant, Bd. 6, S. 313). Allein durch diese Geschäfte war die Kirche nach Aussage Durants die „größte Finanzmacht des Christentums“.

Doch damit nicht genug: Die Klöster übernahmen auch die Rolle der heutigen Versicherungen. Viele Vermögende übergaben ihnen ihren Besitz als „Precarium“, als eine Art „Versicherung gegen Erwerbsunfähigkeit“. Kloster oder Kirche „zahlte ihnen ein Jahrgeld, kümmerte sich um sie im Krankheitsfalle und im Alter und erhielt dafür das Besitztum beim Tode des Schenkers frei von jedem Zurückbehaltungsrecht“ (Durant, Bd. 6, S. 355). Auf diese Weise verdiente die Kirche sogar an den Kreuzzügen, denn: „Kreuzfahrer verkauften nicht nur Ländereien zu niedrigen Preisen an die Kirche, um Bargeld zu erhalten, sondern erhielten auch Darlehen von kirchlichen Körperschaften, wobei sie ihren Grundbesitz als Sicherheit einsetzten, welcher dann in vielen Fällen wegen Zahlungsunfähigkeit des Schuldners verfiel“ (Durant, S. 455). Und natürlich auch deshalb, weil viele von den Kreuzzügen nicht zurückkehrten.

Der Papst hatte es noch einfacher. Er erließ schlicht eine Kreuzzugssteuer. So erhob z. B. Papst Gregor VIII. im Jahre 1188 n. Chr. den „Saladinzehnten“, der von allen eingefordert wurde, die den Kreuzzug nicht mitmachten.

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Bald geht es weiter in der Kirchengeschichte…

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Siehe auch:

1. https://muskelkater.wordpress.com/2010/04/21/die-kirche-und-der-mammon-startkapitel/

2. https://muskelkater.wordpress.com/2010/08/06/die-kirche-und-der-mammon-teil-1/

3. http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster

4. http://de.wikipedia.org/wiki/William_James_Durant

Oder auch die Kategorie:

https://muskelkater.wordpress.com/category/artikelreihe-verein-kirche/

mit weiteren spannenden Geschichten zum Abenteuer Kirche.

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Skandal: Die Macht der Kirche und was die uns kostet

Nur Kirchensteuern? – Erinnerungshilfen

Was seit einiger Zeit in und mit den Kirchen geschieht, passt so langsam auf keine Kuhhaut mehr, um ein kleines Sprichwort zu bemühen. Nicht nur, dass ein Spruch von Jesus missbraucht wird zum „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn ihrer ist die Lust des Herrn!“. Es wird gezockt um staatliche Gelder, dass es mit Sicherheit sogar dem Herrn des höllischen Feuers zu heiß sein könnte.

In der Muskelkater-Reihe „Der Verein Kirche“ wird aufgezeigt, wie die Kirche im Laufe der Jahrhunderte zu ihrer finanziellen Macht gekommen ist und damals von vielen Fürsten unterstützt wurde. Siehe Die Kirche und der Mammon, Start und Die Kirche und der Mammon, Teil 1. Alles nach dem Motto: Wasser predigen und selber Wein saufen. Oder: Enthaltsamkeit predigen, selber wie die Maden im Speck leben – und dabei über menschliche Leichen gehen.

Am 4. Juni 2009 sandte die ARD um 21:45 Uhr den NDR/Panorama-Beitrag „Steuermillionen für die Kirchen“ in die Wohnzimmer mit dem Untertext: „Staat und Kirche sind in Deutschland getrennt. So sollte es eigentlich sein. Vor mehr als 200 Jahren musste die Kirche Macht und Ländereien an die weltlichen Herrscher abgeben. Doch immerhin wurde die Kirche entschädigt, und zwar in Form einer regelmäßigen Zahlung – bis in alle Ewigkeit?“

Hier zur Erinnerung der Beitrag von Panorama:

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Das ZDF-Magazin „Frontal21“ rollte angesichts der Staatsverschuldung und des sozial nicht annehmbaren Sparpaketes der Bundesregierung dieses Thema nochmal auf und stellte noch weitere Ungerechtigkeiten fest, die darauf hindeuten, dass in den Kirchen der Missbrauch an der Tagesordnung ist. Nicht nur Kinder werden hier sexuell missbraucht, sondern auch der Steuerzahler finanziell. Denn auch, wer nicht in der Kirche ist, Atheist, Moslem oder Buddhist: Wer deutscher Staatsbürger ist, wird über seine Steuerzahlungen zur Kasse gebeten für Gehalt und Renten der Bischöfe und Priester.

Wer dieses nicht als eine der größten Sauereien des Jahrtausends bezeichnet, kann nur ein auf Kosten der Allgemeinheit und zu Lasten der Armen lebender katholischer Bischof sein!!!

Die Sendung war erst vor kurzem am 3. August 2010.

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Die Kirche und der Mammon, Teil 1

Woher kommt der Reichtum der Kirche?

Kein anderes Unternehmen der überlieferten Weltgeschichte hat es so gut verstanden, Geld und Reichtum anzuhäufen wie die abendländische Kirche. Wenn ich hier in dieser Artikelreihe mehrmals Bücher von KH-Deschner zitiere, dann sind sie leider nicht optimal im Internet zu finden, sondern nur in der Bücherei. Wer ist denn nun dieser Karlheinz Deschner? – Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner

Wikipediamäßig beziehe ich mich also auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalgeschichte_des_Christentums und: http://de.wikipedia.org/wiki/Abermals_krähte_der_Hahn

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Von Beginn an ist die Kirchengeschichte voll von Ausbeutung jeglicher Art: Erbschleicherei, Enteignung, Konfiskation, Schmarotzertum, Ablasshandel, Raubzüge usw. Die Arbeit für Theologie und Philosophie nehmen sich demgegenüber wie eine Nebentätigkeit aus.

Wer das nicht glauben kann, der sollte unbedingt weiter lesen. Denn derjenige ist dann vermutlich dem frömmsten Märchen der Kirche aufgesessen, welches lautet: Der Hauptzweck der Kirche sei, Almosen zu sammeln und Werke der Barmherzigkeit zu tun, z.B. an Witwen, Waisen und Kindern. Die Kirche trage zur Mäßigung der menschlichen Habgier bei und zu einer sozialen Gesinnung der Reichen. Diese rührende Mär wird seit Generationen in unzähligen Abhandlungen und Traktaten ständig wiederholt. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die fromme Lüge

Es soll keineswegs in Abrede gestellt werden, dass es Kirchenchristen gibt, die sich ernsthaft bemühen, das Gebot des Jesus von Nazareth zu befolgen: „Ihr sollt euch keine Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen.“ Oder: „Niemand kann zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon.“ Ungezählte Christen opfern sich tatsächlich auf für ihren Nächsten, stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Doch betrachtet man die Kirche als Institution über die Jahrhunderte, dann erscheinen die wirklichen Christen eher als willkommenes Alibi für ein Gebaren ganz anderer Art.

Wer glaubt, dass es hier lediglich um die Verschwendungssucht einiger Renaissance-Päpste oder um den schwunghaften Ablasshandel im Mittelalter geht, der täuscht sich. Ein profunder Kenner der Kirchengeschichte schreibt dazu: „Dass es in der alten Kirche eine Armenfürsorge, dass es Wohltätigkeit gab, ist nie geleugnet worden. Ungezählte Theologen haben dies abgehandelt – während es bis heute keinem einzigen einfiel, eine Wirtschaftsgeschichte der alten Kirche zu schreiben, einer Institution, die doch immerhin ein Jahrtausend die wirtschaftliche Entwicklung beaufsichtigt hat.“ (Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. II, S. 471)

Bischöfe wurden zu Bankern

Die Geschichte der Kirche als eines geldgierigen und skrupellosen Wirtschaftsunternehmens beginnt bereits in der Antike, unmittelbar nachdem das Urchristentum in eine hierarchische Institution übergegangen war. Den Wendepunkt markiert hier die Einsetzung des Christentum als Staatsreligion durch Konstantin im 4. Jahrhundert n.Chr. Dabei begannen viele unheilvolle Entwicklungen schon vorher. So wuchs bereits im 2. Jahrhundert den Bischöfen eine große Machtfülle zu, insofern als sie Empfänger aller kirchlichen Einnahmen waren. So verkündet Bischof Ignatius von Antiochien: „Ohne den Bischof sollt ihr überhaupt nichts tun … Wer den Bischof ehrt, der wird von Gott geehrt. Wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel“ (Deschner, a.a.O., S. 468). Das Geld nutzten die Bischöfe in der Regel zum Ausbau ihrer persönlichen Macht, und vermehrten es dabei kräftig. Bereits im 3. Jahrhundert verteilte man die Einkünfte der Bistümer nach folgendem Schema: ein Viertel aller Einkünfte war für den Bischof, ein weiteres Viertel für den Klerus. Ein Viertel diente der Instandhaltung der Kirchengebäude, und ein Viertel war für die Armen. „Der Bischof bekam also allein soviel wie sein ganzer Klerus oder seine sämtlichen Armen zusammen“ (Deschner, a.a.O., S. 73). Der Theologe Horst Herrmann meint zu diesem Verteilungsschema: „Dieses Prinzip hat sich in der Geschichte wacker bewährt: 75 Prozent für Kircheneigenes, 25 Prozent für andere. Noch heute ist es nicht überwunden“ (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 78). Über die Bischöfe sagt Herrmann: „Die Zeit arbeitet von Anfang für die Bischöfe, für die Aufseher [Bischof kommt von episkopus = Aufseher, d. Red.] über das Geld aller – und später auch für die Aufpasser über die wahren Worte.“

Klerikale Geldgeschäfte

Zu Wuchergeschäften und Unterschlagungen durch Priester, Bischöfe und Päpste kommt es schon vor Konstantin. Der spätere Papst Kallist (217-222) gründet „vor seiner großen Karriere eine christliche Bank in Rom, unterschlägt ein Depositum … und ist auch nach seinem Konkurs wieder als Bankier tätig. Und: „Viele Kleriker sind so geschäftstüchtig, dass ihnen die Synoden seit dem 2. Jahrhundert immer häufiger Geldverleih und Zinsnehmen ausdrücklich untersagen müssen“ (Deschner, a.a.O., S. 483). Im 4. Jahrhundert nahmen die Missstände weiter zu: „Viele Priester und Bischöfe dachten nur noch an sich, trieben einen schwungvollen Handel, liebten üppige Zins- und Wuchergeschäfte, obwohl dies alle Kirchenväter strikt verbieten“ (Deschner, a.a.O., S. 485). Bis zum Mittelalter stellen Priester einen bedeutenden Teil der Geldverleiher. Sogar der katholische Theologe Kobert sagt über den mittelalterlichen Klerus, dass dort „alle Arten und Formen des Wuchers … aufs Schwunghafteste betrieben“ wurden (Deschner, a.a.O., S. 486). „Bischof Janiarius von Salona versucht einen Ölhändler um den Ölpreis für das ewige Licht zu prellen.“ Oder: „Der Metropolit von Ephesus, der Kirchengrund für die eigene Tasche verhökerte und allerlei Kostbares aus Gotteshäusern einschmelzen ließ, um sein Bad zu verschönern, verkaufte um 400 regelmäßig die Bischofssitze an den Meistbietenden“ (S. 496).

Kirchenobere missbrauchten ihre hierarchische Stellung und die Gelder ihrer Gläubigen auch zu anderen weltlichen Geschäften. So treibt das Patriarchat von Alexandrien im 6. Jahrhundert „mit Hilfe einer eigenen Flotte Handel mit Palästina, Sizilien, im Adriatischen Meer und mit dem Bistum Rom. Und dabei hatten Kirche und fast alle Kirchenväter längst Priestern den Handel strikt verboten, Ambrosius etwa oder Hieronymus, der schrieb, man müsse einen handeltreibenden Kleriker wie die Pest fliehen! Ende des 6. Jahrhunderts besitzt die alexandrinische Kirche bereits 13 hochseetüchtige Schiffe, wovon zumindest das größte Schiff (vielleicht aber auch jedes) bis England fährt. Das Patriarchat, dem damals 8.000 Pfund Gold gehörten, hatte diese Schiffe in eigener Reederei hergestellt und das Holz von italienischen Kirchengütern bezogen“ (Deschner, a.a.O., S. 48)

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Bald geht es weiter in der Kirchengeschichte…

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Siehe auch den Beginn dieser Reihe:

https://muskelkater.wordpress.com/2010/04/21/die-kirche-und-der-mammon-startkapitel/

Oder auch die Kategorie:

https://muskelkater.wordpress.com/category/artikelreihe-verein-kirche/
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Die Kirche und der Mammon (Startkapitel)

Eine neue Artikelserie

Nachdem endlich durch Medien, Gesellschaft und Zeugenaussagen ans Tageslicht befördert wird, was jahrzehntelang hinter den heiligen Mauern der Kirche geschah und sich der heutige Papst noch nicht mal dafür entschuldigen kann, wird es auch mal Zeit nachzufragen, wie dieser klerikale Verein seit tausenden von Jahren zum Thema Geld steht.

Schon der Philosoph Friedrich Nietzsche sagte: „Die Kirche ist die höchste aller denkbaren Korruptionen“. Bischof Hieronimus bekannte im 12. Jahrhundert öffentlich: „Wir brennen wahrhaftig vor Geldgier, und indem wir gegen das Geld wettern, füllen wir unsere Krüge mit Gold, und nichts ist uns genug.“

Die Frage ist also: Wie kam die Kirche zu so immensen Reichtum, wo sie doch eigentlich immer sagt, dass den Armen das Reich Gottes ist. Wie konnte sie im Laufe der Zeit zu solcher Machtfülle gelangen, wie wir das heute jeden Tag erleben.

Der Vatikan hortet den zweitgrößten Goldschatz auf Erden

In der italienischen Zeitschrift Oggi wurde 1952 schon der Goldschatz des Vatikans aufgrund »außerordentlicher Informationen« hinter demjenigen der USA als der zweitgrößte der Welt beziffert: 7000 Milliarden Lire = 3.500.000.000 Euro. Im Vergleich dagegen beträgt der Wert des Goldschatzes des Staates Italien »nur« 400 Milliarden Lire. Wie gesagt, das war 1952! – Wie groß mag der Goldschatz des Vatikans heute sein? Rechnen wir die Wert-Steigerung dazu, so wäre der Wert des Goldes heute 63 % höher. Bei Verkauf könnte der Goldschatz des Vatikans, je nach Zeitpunkt eines eventuellen Abstoßes, bis 650 % Gewinn gebracht haben. Da fragt man sich doch tatsächlich: Wie ist der Vatikan zu diesem immensen Gold-Besitz gekommen?

Der Vatikan pokert mit enormen Finanzreserven an der Wallstreet

Die auswärtigen Finanzreserven des Vatikans sind vornehmlich an der Wallstreet konzentriert. Insgesamt dürfte sich der Gesamtbesitz der Kirchenzentrale an Aktien und anderen Kapitalbeteiligungen bereits im Jahr 1958 auf etwa 50 Milliarden DM belaufen haben. Diese Zahl dürfte inzwischen vermutlich auf weit über Hundert Milliarden Euro angewachsen sein. Aber wie ist der Vatikan zu diesem immensen Aktien-Besitz gekommen?

Auch der Verkauf von Segensbriefen, Titeln, Audienzen usw. vergrößert heute noch den Reichtum der Kirche

Preisliste des Vatikans (Stand 1990)

  • DM 5.000,- für einen vom Papst persönlich unterzeichneten Segen mit Urkunde
  • DM 30.000,- für eine Privataudienz mit dem Papst, inkl. Video
  • DM 50.000,- Spende für einen Ehrendoktortitel
  • DM 120.000,- Spende für einen Orden (Ordensstern zum Großkreuz des St.-Gregor-Ordens)
  • DM 300.000,- für einen Barontitel
  • DM 2.500.000,- für eine Erhebung in den Fürstenstand
  • DM 50.000,- für die Nebenkosten einer solchen Prozedur, etwa anlässlich der Ostermesse
  • Ab ca. 100.000,- Euro (im Durchschnitt ca. 250.000,-) kosten auch Heiligenprozesse. Nur wohlhabende Familien oder Ordensgemeinschaften können sich einen derart teuren Prozess leisten. Allein durch die 464 Heiligsprechungen (mehr als in den 400 Jahren davor) von Johannes Paul II. dürften ca. 116.000.000,- Euro in die Kassen des Vatikans gerollt sein.

Das waren nur drei Punkte zum Reichwerden.

Aber es sind noch viele weitere Punkte, die ich in den nächsten Kapiteln aufzeigen werde. Zum Beispiel, dass der Vatikan der größte religiöse Wirtschaftskonzern ist, – dass die Kirche der größte Grundbesitzer der westlichen Welt ist, – dass der Vatikan als Immobilienbesitzer ganze Städte besitzt, – dass der Menschenhandel und die Sklaverei den Reichtum der Kirche bis weit ins 19. Jahrhundert hinein erheblich vergrößert hat, – dass die Kirche Leibeigene hatte, sogar Kinder für die Prostitution, – dass der Ablasshandel im Mittelalter noch heute ein großer Teil des Kirchenvermögens ist, – dass unzählige Menschen bei der Eroberung Amerikas wegen des Goldes umgebracht wurden und dieses Gold ein Teil der römisch-katholischen Kirche ist, – dass das Blutgeld durch Inquisition und Hexenverbrennung die schändlichste Art der Kirche war, um Reichtum zu scheffeln, ein Raubmord an Andersgläubige, – dass durch Fälschungen und Erbschleicherei der kirchliche Grundbesitz immer weiter anwuchs, weil der Bauer des Lesens unkundig war…

Es gibt noch mehr Punkte, die die Schande des Vereins Kirche belegen. Aber immer ist hier der Verein, die Institution, gemeint und damit die Oberen, die Päpste, die Kardinäle, die Bischöfe, die Pfarrer, die Nonnen und Mönche in den Klostern. Das gemeine Volk verstand von alldem nichts und ließ sich von dem Prunk und den Worten blenden. Und muckte mal jemand auf, dann machte man ihn schon mundtot mit dem Versprechen, dass er nicht in den Himmel kommen würde, wenn er nicht seine Steuerschuld begleichen würde.

Und deshalb nochmal in aller Deutlichkeit: Es geht hier nicht um den Glauben eines Menschen. Dieser Glaube soll gerne weiter geführt werden. – Es geht um den Verein, der den Glauben vertreten und vorleben sollte und genau das Gegenteil tut.

Im ersten Teil dieser Reihe, die sich an die vorige Reihe „Der Verein Kirche“ anschließt, werden diese Punkte nochmal angesprochen unter dem Titel „Woher kommt der Reichtum der Kirche?“

Artikel-Reihe: Der Verein Kirche – Teil 5

Hat die Stadtbildung etwas mit dem Glauben zu tun?

Zuerst etwas Persönliches: Denn eigentlich wollte ich überhaupt nicht mehr diesen Blog weiter führen. Die Gründe liegen, wie schon im vorigen Artikel erwähnt, im Tode meines Freundes und Blogger-Kollegen Toby Tyler. Aber aufgrund seiner Bitte und weiterhin fast unzähliger Bitten und Anfragen per Mail habe ich mich dazu entschlossen, nicht nur diese Reihe, sondern auch den Muskelkater konsequent im Sinne Toby’s weiter zu führen.

Um also die Frage gleich zu Anfang („Hat die Stadtbildung etwas mit dem Glauben zu tun?“) zu beantworten, die ganz kurze Antwort: Ja! – Denn immer und in jeder Zeitepoche hat es den Faktor Macht gegeben. Macht über andere Menschen zu haben ist so alt wie das Leben. Macht kann erlangt werden durch Geld und damit Reichtum … das merken wir heute mehr denn je. Macht erlangt man durch Wissen, auch über seine Mitmenschen … Beispiel Datenklau. – Macht erreicht man auch und ganz besonders über eine Religion, wo wir wieder beim Thema sind.

Nochmal die Frage anders herum gestellt: Hat das Aufkeimen mächtiger Religionen etwas mit der Entwicklung der Städte zu tun?

Zur Beantwortung müssen wir von den bisherigen vier Teilen dieser Reihe einen gewaltigen Schritt nach vorne machen. Denn wir wissen ja jetzt, dass der damalige Mensch Dinge wahrnahm, wie es ein Tier nicht konnte. Sein Gehirn hatte ein Bewusstsein entwickelt. Ein Bewusstsein, wo er nicht nur sich selber erkannte, sondern auch die Natur rings um ihn herum. Und er stellte sich Fragen, wer denn den Blitz vom Himmel schleuderte. Und er erklärte es sich auch gleich selber, dass es nur ein Blitz- oder Donnergott sein konnte und er sich durch diese Erklärungen selber Wissen und Glauben gleichzeitig schuf. Ein großer Fehler, wie wir heute wissen, denn Wissen und Glauben sind zweierlei. Aber der Mensch damals schuf sich sein Wissen und seinen Götterglauben, welches er für sich selber weiter aufbaute aus seiner Umgebung heraus, mit anderen zusammen, in seinem Stamm, in seinem Dorf. Einem Dorf, welches langsam immer größer wurde.

Die ersten Ursprünge einer Stadt, welches man schon als solches bezeichnen kann, finden wir auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Erklärung in der Wikipedia:

Die Jungsteinzeit, auch Neolithikum (vom altgriech. νέος neos „neu, jung“ und λίθος lithos „Stein“), ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Beginn mit dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist.

Der Übergang zum Neolithikum wird als Neolithische Revolution bezeichnet, die Verbreitung wird Neolithisierung genannt und vollzog sich weltweit unterschiedlich. Nomadische Lebensweise wurde im Zuge von Ackerbau und Viehhaltung gegen Sesshaftigkeit in Dorfgemeinschaften eingetauscht. Der Ackerbau schuf die Grundlage zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nahrungsproduktion und Vorratshaltung führten zu einer größeren Unabhängigkeit von der natürlichen Umwelt und bilden die Basis für Bevölkerungswachstum. Dieser Prozess vollzog sich vor etwa 12.000 Jahren erstmals im Gebiet des „Fruchtbaren Halbmonds“, vor allem an den Südrändern von Taurus- und Zagrosgebirge. Noch bevor der dörfliche Hausbau aus Holz oder Stein archäologisch belegt ist, gab es in dieser Region bereits monumentale Tempelanlagen, wie auf dem Göbekli Tepe oder in Nevalı Çori (Südosttürkei). – Soweit der Text aus der Wikipedia.

Da wird also schon von „monumentalen Tempelanlagen“ gesprochen. Was bedeutet, dass hier schon eine Religion vorhanden gewesen sein muss. Und das vor der Bildung der Dörfer und Städte. In den allermeisten Fällen handelt es sich tatsächlich um die vielleicht älteste Kulturform überhaupt, dem Fruchtbarkeitskult. Erkennbar immer wieder durch die Darstellungen erigierter männlicher Geschlechtsorgane oder einer weiblichen Figur mit überbetont ausladender Hüftregion. Diesen Fruchtbarkeitskult kann man getrost zu den ersten großen Religionen der Menschheitsgeschichte zählen, denn wir treffen ihn in allen Gegenden der Welt an. Auch heute noch in unserer modernen Zeit wird dieser Kult durch die großen Kirchen in Form der Ehe und der Vollziehung der Ehe (Geschlechtverkehr zwischen Mann und Frau) aufrecht gehalten und dabei reinste Diskriminierung begangen, indem der Geschlechtsakt ausschließlich auf das Zeugen von neuem Leben beschränkt wird.

Diese ersten Tempelanlagen wurden also die Wiege der ersten Dörfer und Städte. Und auch… den Vorläufern der Kirchen und ihrer gewaltigen Macht über die Menschen. Der Grund, warum sich die nunmehr sesshaften Menschen zu Gemeinschaften zusammen schlossen, liegt auch auf der Hand: Gemeinsam konnten sie mehr erreichen und durch einen eigenen Kult, einer eigenen Religion, sich von anderen Menschen absetzen bzw. sich besonders auszeichnen. Das bedeutete Macht! Macht über andere Völker. Ihre Religion wurde immer mächtiger, die Priester wurden immer mächtiger, die Städte wurden immer mächtiger.

Heute weiß man, dass ohne diese Kultreligionen und ihren wortgewaltigen Priestern nie so schnell ein solches Stadtgefüge entstanden wäre. Weil ganz einfach die Faktoren „Macht“ und „Gottheit“ gefehlt hätten. Die Menschen brauchten Führer, die ihnen sagten, wo es lang ging. Sie brauchten Götter, zu denen sie aufschauen konnten. – Eine Stadt, eine Kultur, kam und verging, je nachdem wie stark ihre Götter waren. Götter, die sie sich selber schufen. Götterglauben, die von ihren Priestern in Messen zelebriert wurden, die das Volk begeisterten. Aus nah und fern kamen weitere Menschen dazu, die gläubig den Reden der Priester zuhören wollten. Sie blieben, weil sie hier in der Religion und der neuen Stadt Sicherheit und Geborgenheit vermuteten und wahrscheinlich auch fanden. – Und so wurden die Städte immer größer und größer und die Priesterschaft immer mächtiger und mächtiger. – Und es kam ein weiterer Machtfaktor dazu: Geld…

Aber das soll unser nächstes Thema in dieser Artikelreihe sein: „Glaube und Geld. – Zwei Diktaturen?“ – Seid gespannt darauf, wie es weiter gehen wird auf unserer Zeitreise.

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