Zen-Geschichten: Über das Lernen

Aufgeschrieben von Martin Schnakenberg

Ein Professor wanderte weit in die Berge, um einen berühmten Zen-Mönch zu besuchen. Als der Professor ihn gefunden hatte, stellte er sich höflich vor, nannte alle seine akademischen Titel und bat um Belehrung. Sie setzten sich und sogleich begann der Professor von seinem Leben und den Erfahrungen zu erzählen, welche er bisher gemacht hatte.

„Möchten Sie Tee?“ fragte der Mönch, nachdem er eine Weile den Lobreden seines Gastes zugehört hatte.

„Ja, gern“, sagte der Professor.

Der alte Mönch schenkte Tee ein. Die Tasse war voll, aber der Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloss und über den Tisch auf den Boden tropfte.

„Genug!“ rief der Professor. „Sehen Sie nicht, dass die Tasse schon voll ist? Es geht nichts mehr hinein.“

Der Mönch nickte und antwortete: „Sie haben vollkommen recht. Die Tasse scheint viel Ähnlichkeit mit Ihnen zu haben. Denn auch Sie sind voll von Ihrem Wissen und Ihren Vorurteilen. Wenn Sie jetzt Neues lernen wollen, werden Sie erst einmal Ihre Tasse leeren müssen.“

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