Satire: Wie sich die Dinge doch so gleichen…

Mit Renaade auf’m Fischmarkt

Von Martin Schnakenberg

Nee, ich will mich heute ja rein gar nicht beschweren. Ich wollte mir nur etwas Luft machen. Denn mein Fiddie, der ja wie ihr wisst, nicht nur mein Mann ist, sondern (psst) mitunter so’n oller Suffkopp …. ja, genau der, kennt ihr ihn? – Also der hat mir erzählt, dass auf’m Fischmarkt so’n Gerücht umgeht. Jetzt weiß ich garnich mal, ob ich euch das alles so erzählen kann, dürfen, wollen, müssen, sollen … Mann, jetzt muss ich aber dringend mal ne neue Kiste Makrelen holen … kümm gliik wedder. Wartet bitte auf eure Renaade vom Hamborger Fischmarkt…..

So, bin wedder da. Muss aber, solange wir mitnander quatschen, auf meine Kundschaft… „Ne Heini, das is’n Hering. Die Makrelen liegen hier.“ – Also was ich sagen wollte, da kann immer wieder so einer kommen, der das System nicht versteht. Versteht ihr? – Und solche Leutis gibt’s ja bannig viel, nicht nur bei uns in Hamburg. – „Ja Gesine, sind hüt in Angebot. Nur’n Euro. Wieviel willste?“ – Und dass die Politiker in Berlin auf’m Kuhdamm spazieren gehn, obwohl sie grad vorher de Lüüt mit’m ESM verkauft haben, das find ich zum… – „Heini bitte… das sind Heringe, gaaanz normale Heringe… ach, dein Hörgerät funktioniert nicht? … Na, denn pack ich dir mal Makrelen ein, die sind teurer…“ – Oha, ist das ein Streß hier heute…

Und dann glaub ich ja nümmer mehr dran, dass nächstes Jahr Wahlen sind, so wie die uns verscheißern. Versteht ihr? Vielleicht dürfen wir ja auch nicht mehr. Obwohl Wahlen ja immer voll wichtig sind, wegen Weichenstellungen und so… – „Ne Heini, das sind HERINGE, keine Schollen. Schollen sind Plattfische und…“ – Der Heini ist ja so’n alter Kunde, aber totaaal tranfusselig. Der weiß nicht mal, dass der Bundespräsident nur sowas ähnliches ist wie so’n technischer Zeichner. Denn das einzige, was der tun muss, ist die Gesetze unterzeichnen. Und manchmal steht ihm gottseidank so’n Richtertisch in Karlsruhe dagegen. „Ja Heini, HERINGE !!!“ – Aber wenn da dann mal so’n Gesetz ist, was für die Wirtschaft und die Bonzen der Börse gut ist, dann genehmigt er das sofort… – „Ja natürlich min Herr, bi tein Kisten gifft dat Rabatt. Wieviel woll’n se denn?“ – …und bei Arbeitslosen oder armen Menschen… „HEINI, NEIN, das sind keine Heringe und auch keine Makrelen. Das sind ganz stinknormale Muscheln!“ – Aber das kapieren ja solche Leutze wie Heini nicht… Und ich kann euch nur sagen: da ist was in‘ Busch, joah. Dor ist wat in‘ Busch, wi verlieren wat, kann ik blot seggen.

„Moin Erna, mien Deern. Hüt wedder Schollen?“ – Erna ist ja auch eine von der Sorte, die nächstes Jahr zum ersten Mal wählen dürfen, können, müssen, wenn es denn überhaupt ’ne Wahl gibt…. „ABER HEINI, du kannst doch jetzt nicht die Muscheln aufmachen, um nachzusehn, ob da was drin ist!!!“ – Viele Parteien sind ja wie Muscheln: von außen sehen alle gut aus. Aber schaut man mal rein, dann erkennt man… „Ja Heini, jetzt haste eine gefunden mit nix drin. Und was mach ich jetzt mit de annern? Die liegen jetzt so rum und verderben mir mein Geschäft… Oh Mensch Heini, wat büste doch für’n Tranbüdel…“ – Aber das kann man solchen Leuten wie Heini ja immer wedder sagen, die kapiern nix. – „Ne Heini, kuck mal: jetzt haste mir alle Muscheln kaputt gemacht. Und dabei hatt‘ ich doch die schönste Auswahl. Und jetzt nimmste auch noch die, wo nix drin ist!“ – Heini kommt mir manchmal vor, wie einer bei der Wahl. Der tut genau das Gleiche wie Heini mit der leeren Muschel. Aber anschließend beschweren, wenn die Schale nicht schmeckt oder zu hart ist.

„Moin Trude. Du willst auch Muscheln? Welche, von den braunen? Würde ich dir heute aber nicht mehr empfehlen. Das sind ganz fürchterliche Miesmuscheln. Die hat man früher mal gehabt und die lagen dann ganz blöd im Magen. – Wieso ich die dann anbiete? Naja, solange es mir nicht verboten ist, kann ich keinem davon abhalten, sich den Magen zu verderben.“ – Ganz im Vertrauen, Leute: Trude weiß ja auch nicht, dass ich einige schwarze Miesmuscheln mal so rot angemalt habe. Aber viele fallen da ja auch immer wedder drauf rein.

Jetzt ist der Heini ja erstmal gottlob weg. Dann kann ich der Trude mal was ganz leckeres empfehlen: „Du Trude, schau mal ganz links in die Kiste. Siehste, was da drin ist? – Ja, das rote, wo die Petersilie und das andere Grünzeug drüber liegt. – Da ist geräucherter Lachs. – Ja, genau diese. – Ist sehr zart und hat viele Omega-3 Fettsäuren, die für deine Gesundheit gut sind. Die nimmste jetzt, Trude. Aber ohne dem Grünzeug. Und dann glaubst Du garnich, wie lecker das schmeckt.“

Ich will ja nicht viel sagen, Leuts. Aber ihr schaut mich so erstaunt an. Achso ja, das Gerücht. Ja, das war ja, weil: hier geht es nicht um einen Staatstreich durch ein Ermächtigungsgesetz, es geht nicht um den Verkauf unserer Demokratie, und auch nicht um den lange geplanten Hochverrat, damit wir über ESM jetzt von einer finanzkapitalistischen Diktatur regiert werden können und wir den Roman 1984 damit voll überboten haben. – Neehee. Hier ist der Fischmarkt und ich verkaufe … frrrische Fische und keine leeren Muscheln, okay? – „Frrische Fischeee, werrr hat noch nicht, werrr will nochmal……“

Eure Renaade

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Ein Kommentar

  1. Frerich

     /  3. August 2012

    Megageil.
    Ich habe mir beim Lesen im Hinterkopf die Heidi Kabel vorgestellt.
    Pruuust. 🙂
    Das ist Ohnsorgtheater allererster Güte.

    Und die ganzen Metapher !
    Fast in jedem 2. Satz.
    Voll krass.

    Mehr davon !!! 🙂

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