Schön war die Zeit – Nostalgie und Co.

Erinnerungen an die 1960er bis 1980er Fernsehzeit

Aufgeschrieben von Brano Wagner

Eigentlich bin ich ja noch nicht so alt, dass ich mich direkt an diese Zeit erinnern könnte. Aber über Umwegen, wie Eltern und Bekannte, aber auch durch die momentane Retro-Welle auf allen Kanälen, werden uns als sogenannte Wiederholungen immer mal wieder Sternstunden der deutschen Fernsehunterhaltung serviert.

Diese Liebe zur Nostalgie kommt nicht von ungefähr. Denn betrachtet man sich das Programm der TV-Anstalten, kommt einem das kalte Grausen und man ist gewillt, entweder den Fernseher abzuschaffen oder diesen dazu zu benutzen, um sich DVD’s mit Filmen und Serien von früher anzuschauen. Es gibt aber auch Leute, und die werden leider immer mehr, die sich von morgens bis spät in die Nacht vor der „Flimmerkiste“, so hieß die nämlich damals, hinsetzen, links und rechts Bier und Pommes, und sich dann jeden Mist anschauen, der gesendet wird. Das Ergebnis dieser selbstverordneten Volksverdummung sieht man an den aktuellen Wahlergebnissen.

Ich habe mich öfter schon mit Martin (dem Ur-Muskelkater hier) darüber unterhalten und ich konnte jedes Mal die Begeisterung spüren, wenn er über die Zeit der 1950er bis 1970er Jahre sprach. Wohlgemerkt: ich spreche hier von der Unterhaltung im Fernsehen, nicht von der Politik, die damals zwar ehrlicher als heute war, aber trotzdem genauso ihre besch…eidenen Methoden hatte, das Volk zu betrügen. Die „Intellektuellen von damals“ hatten es drauf, ihre Propaganda auch in Schlager, Shows und Filme einzubauen, denn damals herrschte ja der „kalte Krieg“ zwischen Ost und West, Warschauer Pakt gegen NATO, die damals noch sinnvoll war und, im Gegensatz zu heute, für Frieden sorgte.

Heute sehen wir darüber hinweg und freuen uns lieber, wenn wir noch einmal die vier größten Showmaster der damaligen Zeit gemeinsam auf der Bühne sehen:

Erinnerungen an die größten (leider alle schon verstorbenen) Showmaster Deutschlands

Seien wir doch mal ehrlich: Es waren damals aber auch spitzenmäßige Stars, die das Fernsehen bereicherten und den Samstagabend zum Ereignis werden ließen – oder? Wen sahen wir denn soeben? Da war natürlich unverkennbar Peter Frankenfeld, der seine Shows alle selber ausdachte, einschließlich Spiele und Texte. Er sagte mal selber, dass seine Frau das alles vorher durchspielen musste. Und wenn sie sagte: „Peter, so geht das nicht“, dann saß er die ganze Nacht am „klabüstern“, damit es vor ihren Augen Bestand erhielt. – Dann war da noch der große Kuli, Hans-Joachim Kulenkampff, der die Einigung Europas durch seine Sendung EWG „Einer wird gewinnen“ durchzog. Eine menschliche Einigung, wohlgemerkt. Keine, die von einer Diktatur der Finanzmärkte beherrscht wurde. – Rudi Carrell, der charmanteste Import aus den Niederlanden seit dem Kinderstar Heintje und der mit Sendungen wie „Am laufenden Band“ oder „Rudi’s Tagesshow“ die Menschen glücklich machte. – Und natürlich Peter der Große, er war wie Peter Frankenfeld Showmaster, Entertainer, Spielleiter und Conferencier in einem, nur das Singen hatte Peter Alexander dem Peter Frankenfeld voraus. – Erwähnt wurde auch Lou van Burg, einem ebenfalls niederländischen Showmaster, der durch seine Sendung „Der goldene Schuß“ aber schon in den 1950er Jahren ein gern gesehener Gast auf dem Bildschirm war und später von Vico Torriani abgelöst wurde.

Peter Frankenfeld – Musik ohne Instrumente

Peter Alexander singt mit den Schöneberger Sängerknaben

Und wer würde jemals einen oder sogar den besten und berühmtesten Komiker aller Zeiten vergessen, der nicht nur durch seine Filme über die Autofahrer oder als Willi Winzig berühmt wurde, sondern auch durch seine Gedichte, die auch heute noch immer wieder gerne zitiert werden:

Heinz Erhardt – „Das Gewitter“

Orchester waren immer gern gesehene „Beilagen“ zum Showprogramm. Wir erinnern uns an Max Greger, Frank Valdor, Jo Ment, James Last, Roberto Delgado, Hugo Strasser und – wie hier – Bert Kaempfert:

Bert Kaempfert Medley 1967

Schlager nannte man die deutschen Lieder damals und Schlagerparade die Charts. Und da gab es viele und vielfältige. Nicht so wie heute, wo es meist nur heißt: „Ich liebe dich“ oder „Ich kann ohne dich nicht sein“ und dabei nur Ort und Name ausgetauscht wird. Damals waren die Texte intelligenter, sogar mit Erklärungen, wie ich hier an einigen Beispielen zeige. Kurz nach Fertigstellung des Artikels habe ich mir aber überlegt, doch einige der damaligen Hits mehr zu zeigen. Und ich wurde bei YouTube fündig:

Peggy March – Memories of Heidelberg 1987

Kirsti – Ein Student aus Uppsala – leider nur Standbild.

Aber dafür hier die Adresse mit dem Text: http://www.youtube.com/watch?v=PtPPirkYjAk&feature=related

Nina Lizell – Ein kleiner Teufel steckt in Dir (1970)

Renate Kern – Alle Blumen brauchen Sonne (live) – YouTube

Heintje – „Klein sein, das ist schön“ aus dem Film „Hurra, die Schule brennt“

Rita Pavone – Bene bene bene

France Gall -Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte

Manuela – Guantanamera 1969

Dorthe – Wärst du doch in Düsseldorf geblieben

Howard Carpendale Das schöne Mädchen von Seite 1

Potpourrie Schlager 50er, 60er und 80er Jahre – mit: 1. Gerhard Wendland – Die Beine von Dolores (1951), 2. Fred Bertelmann – Arrivederci Roma (1955), 3. Willy Hagara – Casetta in Kanada (1958), 4. Heidi Brühl – Wir wollen niemals auseinander geh’n (1960), 5. Peter Alexander – Ich zähle täglich meine Sorgen (1960), 6. Connie Francis – Die Liebe ist ein seltsames Spiel (1960), 7. Trio – Da da da, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht (1981), 8. Nena – 99 Luftballons (1982), 9. Herbert Grönemeyer – Männer (1984), 10. Modern Talking – You’re my heart, you’re my soul (1984), 11. Boney M. – Rivers of Babylon (1978)

.

Wer heute vor dem TiVi sitzt, schaltet verständlicherweise bei jeder Werbung weg oder geht solange aufs Clo. Weil ganz einfach die Werbung nervt, sie ist aufdringlich, schrill, bunt und laut. Ganz anders damals. Die Werbung war länger, fast ein kleiner kunstvoller Kurzfilm und man sah, dass die Macher sich sichtlich Mühe gegeben hatten, ihre Produkte an den Mann bzw. die Haufrau zu bringen:

Reklame Reklame – Werbespots der 50er und 60er Jahre

Es war auch die Zeit für große oder auch nur kleine Spielshows, wie sie Peter Frankenfeld bei seiner Show „Vergissmeinnicht“ zugunsten der Aktion Sorgenkind schon vorgemacht hatte. Wer erinnert sich nicht gerne an Hänschen Rosenthal und seinem „Das war Spitze“-Sprung bei „Dalli-Dalli“. Oder an die „Montagsmaler“, die immer Dienstags gesendet wurden. Hier habe ich mal eine Dalli-Dalli-Zusammenfassung für eine DVD-Werbung, und dann einen kleinen Ausschnitt aus den „Montagsmalern“ mit Frank Elstner und seinem kleinen Gast Oliver Rohrbeck, der mit seiner damaligen jungen Synchronstimme vor allem durch die „Fünf Freunde“ auch heute noch bekannt und beliebt ist.

Das Beste aus Dalli Dalli

‪Montagsmaler – Oliver Rohrbeck & Jens Wawrczeck (Drei ???)‏

Dingsda – Kinder erklären Erwachsenen Begriffe

Und damit sind wir automatisch bei den Jugendserien angelangt. Die berühmten sechs Serien aus der Alfred Greven-Produktion werde ich später ausführlich behandeln. Aber es gab noch andere Serien, wie die berühmten ZDF-Weihnachts-Vierteiler oder die Weihnachts-Jugendserien, ebenfalls vom ZDF, wie „Nesthäkchen“, „Mino“, „Nonni & Manni“, „Anna“ usw.

‪Jack Holborn (mit Patrick Bach) Trailer und Vorspann‏

‪Oliver Maass – (Josef Gröbmayr) – Trailer – ZDF-Weihnachtsserie

‪Patrik Pacard – (Hendrik Martz) – Trailer – ZDF-Weihnachtsserie

‪Das Haus der Krokodile (mit Thomas Ohrner) Folge 1 Teil 1 ARD 1975-1976 Krimi für Kinder von Helmut Ballot

Und wieder mal ‪Werbung aus der Flimmerkiste (Trailer)‏

Noch einmal Peter Alexander: „Wie Böhmen noch bei Österreich war“ aus dem Film „Hurra, die Schule brennt“, was ein Teil der „Lümmel von der ersten Bank“-Serie war.

Und ein kurzer Bummel mit einem Schlagermedley „Schön war die Zeit der 50er Jahre“

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Das war’s für diesen Moment. Wenn es euch Spaß gemacht hat, dann wiederhole ich es gerne mit anderen Inhalten. Es wird ja sowieso noch ein Artikel kommen mit den Jugendserien aus der Alfred Greven-Produktion.

Aber halt, einen hab ich ja noch. Ein sehr beliebter Moderator und Schauspieler der 1960er bis 1980er Jahre war Joachim Fuchsberger. Seine Sendung „Auf los geht’s los“ war ebenfalls beliebt. Es war nicht die Erfindung von „Wetten dass…“, dass internationale Künstler nach Deutschland kamen, heute tun sie’s nur, weil sie Film, Buch oder CD vorstellen wollen. Aber damals kamen sie gerne, weil sie deutsches Publikum hatten, welches sie liebte. Und so kam es, dass Joachim Fuchsberger zur Premiere des Films von Wolfgang Petersen „Die unendliche Geschichte“ zwei der drei Hauptakteure einlud, und zwar Barrett Oliver (Bastian Balthasar Bux) und Tami Stronach (die kindliche Kaiserin). Es entstand ein wunderbares Interview. Und auch ein wunderbarer Abschluss einer Show.

Auf Los Geht’s Los – Barret Oliver, Tami Stronach, Wolfgang Petersen and Bernd Eichinger

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