Von den Sklaven Roms bis heute …

… war es nur ein kurzer Weg nach Germania

Von Martin Schnakenberg

In der Erde Roms stießen die Archäologen auf kleine Bleiplaketten mit einem Halsband. Eingraviert war der Name eines Besitzers sowie Sprüche wie „Bring mich zurück“ oder „Halte mich fest, damit ich nicht fliehe!“ – Und natürlich das Versprechen auf einen ordentlichen Finderlohn. Doch es waren keine Hundemarken, die gefunden wurden, sondern Zeugnisse eines der traurigsten Kapitel der römischen Geschichte: der Sklaverei.

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So beginnt ein Artikel über das Sklaventum, welches schon lange vor den Amerikanern in anderen Ländern gang und gäbe war, in einem bekannten großformatigem Jugendsachbuch. Was ist aber dran an den Geschichten, damals wie heute? – Begeben wir uns mal auf Spurensuche im „alten Rom“.

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Damals

Sklaverei gab es eigentlich schon immer, nur wurde es nur selten so bezeichnet. Denken wir nur mal an das Wort aus kirchlichen Schriften, wo „das Weib des Mannes Untertan“ ist. Sklaverei, ganz klar. Auch wenn die katholische Kirche später die Ehe einführte, war es immer noch das gleiche. Nur mit dem Unterschied, dass der wohlhabende Herr nicht mehr die Frau für ihre Dienste bezahlen musste, sondern er heiratete sie einfach. Sie wurde damit sein Eigentum und er konnte mit ihr tun und lassen, was er wollte. Klingt zwar hässlich, war und ist aber so. Auch heute noch, trotz Gleichberechtigung.

Und so war es in Rom zur damaligen Zeit nicht anders. Ein ganzes Staatswesen war sogar damit verbunden. Vor den Römern waren solche mächtigen Staaten wie Ägypten, Babylon, Griechenland und Stadtstaaten wie Sparta und Athen mit der Sklaverei lädiert. Aber Rom war noch anders. Denn Rom führte in seinem Hunger nach immer mehr Land und Macht viele Kriege. Dabei landeten Kriegsgefangene und auch aufsässige Zivilisten, die sich gegen die römischen Herrscher auflehnten, auf den Sklavenmärkten des Imperiums. Aber es konnte auch sonstige römische Bürger treffen – entweder sie verloren durch Schulden ihre Freiheit oder sie wurden Opfer von Häscherbanden, die sie in die Sklaverei verkauften. Kritik an der Sklaverei sucht man in der Literatur und Philosophie jener Tage vergebens, vielleicht weil Roms Wirtschaft in der Kaiserzeit ohne Sklaven einfach undenkbar war: Auf den riesigen Latifundien und Großmühlen, die das Brot für die städtischen Massen produzierten, schuftete genauso ein Heer von Sklaven wie in den Steinbrüchen für Tempel und Termen. Gearbeitet wurde vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang. Der Aufseher, selbst meistens ein Sklave, kannte eine feinabgestufte Palette von Strafen, um Aufmüpfige oder Faule zu disziplinieren – von der Peitsche bis zum Zuchthaus. Zuweilen kam es vor, dass ein Sklave zur Strafe statt des Tiers die schwere Eselsmühle bewegen musste. Augenzeugen der damaligen Zeit berichteten einvernehmlich von nicht mehr menschlich anzusehenden Wesen: „Gute Götter, was gab es da für Kreaturen. Die ganze Haut mit blauen Striemen gezeichnet, den geprügelten Rücken mit ein paar verschlissenen Fetzen mehr betupft als bedeckt“.

Vielleicht noch trostloser war das Schicksal jener Frauen, die in die Prostitution verkauft wurden. Roms Bordelle lagen vor allem im heruntergekommenen Armenviertel der Subura und waren so elend und dreckig wie ihre Umgebung. Der schnelle Sex bei einer Sklavin war preiswert: Er kostete ein, zwei Asse – der Gegenwert für einen halben Liter Wein. Roms Oberschicht – Senatoren, Ritter und Patrizier – war hier selten anzutreffen. Wer Geld hatte, kaufte sich einfach eine hübsche Sklavin fürs erotische Vergnügen – das war sauberer und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert … Hauptsache man belästigte keine ehrbaren Ehefrauen oder Töchter. Wenn man dann der weiblichen Ware überdrüssig wurde, fand man in den großen Haushalten eine andere Aufgabe oder – verkaufte die Sklavin einfach weiter.

Aber nicht nur weibliche Sklaven mussten ihren Körper zum Vergnügen der Römer verkaufen: Schöne Knaben erzielten Höchstpreise – man kann sich leicht denken, warum. Und auch die Betreiber der Gladiatorenschulen waren immer auf der Suche nach muskulösem „Frischfleisch“ für die Knochenmühle des Colosseums. Die Überlebenschancen in dieser Abteilung der frühen römischen Unterhaltungsindustrie waren allerdings sehr gering. Nur wenige Gladiatoren erhielten am Ende einer blutigen Karriere ein hölzernes Schwert als Zeichen ihrer ehrenvollen Entlassung in die Freiheit.

Aber nicht alle römische Sklaven waren menschliches Vieh, das schuftete und die Lüste der freien Bürger befriedigte. Es gab eine Elite unter den Sklaven: Männer mit Bildung und Talent, unter denen man Lehrer, Wundärzte, Dolmetscher oder auch Händler und Handwerker fand. Gut ernährt, gepflegt und korrekt gekleidet, waren sie nicht von den normalen Bürgern zu unterscheiden. Und anders als ihre verdammten und indirekt zum Tode verurteilten Standesgenossen im Steinbruch oder auf den Großgütern hatten sie etwas, was unbezahlbar war: die Hoffnung auf Freiheit. Um die Geschäfte zu beflügeln, wurden die Sklaven von ihren Besitzern sogar am Gewinn beteiligt, sodass sich die Chance zum Freikauf bot. Oder sie wurden für treue Dienste freigelassen. Als Zeichen der Ehrerbietung übernahmen sie dann den Familiennamen des ehemaligen Herren und jetzigen Patrons.

Besonders populär waren diese ehemaligen Sklaven allerdings nicht. Sie galten als neureich und habgierig. Der römische Schriftsteller Petronius skizziert in seiner bösen Satire „Das Gastmahl des Trimalchio“ einen großkotzigen Freigelassenen, der sich – obgleich ohne Manieren und Bildung – in der Rolle des aristokratischen Herrn gefiel. Mögliches Vorbild für Trimalchio war ein gewisser Caecius Isidorus, der zu einem der reichsten Grundbesitzer seiner Zeit aufgestiegen war. Als er im Jahr 8 vor Christus starb, hinterließ er ein gigantisches Vermögen von 60 Millionen Sesterzen, 250.000 Stück Vieh und 4116 Sklaven – Man sieht: auch er kannte keine Skrupel, Menschen als Besitz zu halten.

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Heute

Hat sich was geändert? – Doch, die Jahreszahl vielleicht, oder die Namen, oder die Schrift, oder die Orte. Sonst noch was?

Als in den 1970er Jahren der Krieg in Vietnam tobte, machte sich eine kleine Truppe von Jungen, die Les Poppys aus Asnières, auf den Weg und sangen immer wieder ihr Lied, was von Frankreich aus in die Welt ging: „Non non rien n’a Changé“ – Nein, nichts hat sich geändert.

Die Sklaverei ist zwar überall offiziell abgeschafft und es gilt der Satz, dass alle Menschen frei sein sollen. Aber es sind neue Abhängigkeiten entstanden, die der Barbarei der früheren Sklaverei in nichts nachstehen. Moderne Sklaven stehen unter der Fuchtel des Staates, der dafür eigens Gesetze geschaffen hat (volkstümlich Hartz-4 genannt), oder der Wirtschaft, insbesondere der Finanzwirtschaft mit ihrem kapitalistischen Wertesystem. Die Zinspolitik sind die neuen Herren des Sklavenmarktes – und wer sich dem Diktat nicht beugt, hat von vornherein verloren. Ganze Länder werden versklavt um des Profits willen und wegen ihrer Abhängigkeit vom Kapitalmarkt in den Abgrund getrieben. Die vom Volk gewählten Politiker, die verpflichtet wurden, alles Schlechte und Böse vom Volk abzuwenden, haben sich dem Mammon Zinsgeld zugeneigt und können nichts anderes tun, als dem Kapitalmarkt zu dienen, statt regulierend einzugreifen, was ihre Aufgabe ist.

Auch Kinder werden nicht mehr nur ausgebeutet wie früher, sie werden vollständig in eine Abhängigkeit getrieben, versklavt. Beispiele gibt es genug aus Südamerika, Afrika, Indien, China und weiteren. Das Ziel dieser Versklaverei ist dasselbe wie bei Erwachsenen: billige Arbeitskräfte für den Profit. Diese Missstände werden in weiteren Artikeln des Muskelkaters behandelt.

Der nachfolgende Film zeigt uns eine Zusammenfassung:

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Er hatte bestimmt vor, einen lustigen Artikel in der Stupidedia zu schreiben, als dem Autor des skurrilen Nachschlagewerkes die Idee kam. Allerdings ging dieses Unternehmen völlig daneben, weil er die Wahrheit schrieb: „Als Sklaven bezeichnet man die hörigen Knechte und Mägde eines reichen Mannes bzw. die abrekrutierten Sklaven, die beim Arbeitsamt durch Arbeitslosenbescheide entstehen und per Ein-Euro-Job Frondienste in Adelshäusern leisten müssen, die dazu führen, dass teures Dienerpersonal durch billige Arbeitskräfte entlassen wird und dadurch selber zu Sklaven des Arbeitsamtes werden. Des Weiteren werden den Sklaven jegliche Menschenrechte aberkannt, sie sind dem adeligen Herren bzw. dem Arbeitsamt hörig und dürfen nicht über ihr eigenes Leben bestimmen, da ihr Leben in der Hand des jeweiligen adeligen Fürsten bzw. dem Wohlwollen des Arbeitsamtes liegt.
Bei Nichterfüllung der Befehle und Dienstanweisungen schreitet das Arbeitsamt ein, indem die Stütze (Hartz 4) komplett gestrichen wird, und die Sklaven sozusagen alles verlieren und als Obdachlose die Fußgängerzonen dekorativ verzieren.“

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Ich hoffe, dass dieser Artikel nicht nur zur Geschichte der Sklaverei etwas beigetragen hat, sondern auch die Aufmerksamkeit auf die heutigen Zustände in aller Welt, aber auch vor unserer eigenen Haustür gelenkt hat. Denn es ist nach wie vor noch immer so und wird sich auch nicht ändern, wenn wir nicht bereit sind, dagegen etwas zu unternehmen, damit wir irgendwann aufhören können, immer wieder zu sagen:

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»Non non rien n’a Change« – Nein, nichts hat sich geändert.

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Weiterführungen und Hinweise:

Erklärung, was Sklaverei ist und bedeutet

Wikipedia-Artikel über die Sklaverei im antiken Rom (zwar nicht so gut wie hier, aber schön ausführlich erklärt)

Alle weiteren Daten und Informationen sind der TimeLife-Buchreihe „Spektrum der Weltgeschichte“ entnommen.

Eine Erklärung, was ein Sklave ist, gibt es auch in der Stupidedia.

Außerdem ein sehr interessanter Artikel bei AlterKnacker über moderne Sklaverei.

Und die Les Poppys findet man hier: http://boysingers.wordpress.com/category/pcaif-les-poppys/

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9 Kommentare

  1. Das ist der beste Beitrag zu diesem Thema, was ich bisher gelesen habe.

    Hochachtung und Kompliment an den Verfasser.

  2. Steffen

     /  21. Juli 2011

    Ein typischer Muskelkater-Artikel.

    Diese Geschichts-Reihe sollte Pflicht in den Schulen werden!!!

    lg,
    Steffen

  3. Vom Untergang der Römer bis zum Untergang unserer „modernen Zivilisation“ ist es auch nur ein kurzer Weg:

    http://www.deweles.de/files/untergang.pdf

    Warum die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das „liebe Geld“, von einer Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, bis heute nicht verstanden wurde, ist nur zu verstehen, wenn man tatsächlich bei Adam und Eva anfängt:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  4. Florian

     /  16. August 2012

    der Beitrag fängt ja rührend an, man wird so richtig schön vorbereitet, auf die eigentliche Message, die dann da lautet, !!!! Achtung!! das böse Hartz4 !!! in Wahrheit aber,!!! und achtung,ist ein System wie das Hartz4 Gesetz es repräsentiert, der absolute Schlüssel herraus aus jeder Abhängigkeit zu Privatmenschen, und damit herraus aus jeglicher Notwendigkeit zur Sklaverei!!!!
    gäbe es nämlich kein Hartz4, gesonnener Beitragsschreiber,
    dann gäbe es Abhängigkeiten wie die Leibeigenschaft noch immer.
    Aber leider begreift das nicht jeder, und so machen sich dann Neunmalkluge auf den Weg, schreiben solch einen Mist, wo Menschen, die das Recht haben sich zu entscheiden, nicht arbeiten zu gehen, und dennoch vom Staat mit Hartz4 unterstützt werden, verglichen werden, mit den Sklaven aus Zeiten vor Jesus…..

    also Zusammengefasst

    Sklaverei gibt es in unserer Welt noch, es gibt auch tatsächlich noch Abhängigkeitsverhältnisse, die in anlehnung an ihr errinnern

    HARTZ4 Empfänger aber in diese Schublade zu schieben ist verfahren und FALSCH

    HARTZ4 gibt in Gegenteil sogar jeden Menschen in unseren Land, das Recht NEIN zu sagen, ohne Angst haben zu müssen, in Anschluss zu verhungern… sehe dich dazu in Ausland um, wo es keine Sozialsysteme gibt, die nicht Arbeitende (viel zu oft auch solche die sich vor Arbeit drücken) dem Hungertot verschrieben sind, wenn sie sich nicht versklaven lassen, … oder Mütter, die ihre Kinder verkaufen müssen, weil sie sonst verhungern müssten, weil es dort nämlich KEIN HARTZ 4 gibt

    du bist einfach nur ein HEUSCHLER

    Ich bin mir sicher, werter Blogschreiber, das du diesen Kommentar von mir nicht veröffentlichen wirst,

    mache dir daran Bewusst, wie sehr dein Geist verarmt ist,

    einen angenehmen Gruss sendet dir jemand
    der auf dein Geschriebenes natürlich nicht hereingefalllen ist

    • Warum sollte ich Deinen Beitrag nicht veröffentlichen? Nur, weil er mir vielleicht eventuell nicht passt oder unangenehm ist? – Okay, früher war es mal so, gebe ich zu. Und dieser Dein Kommentar passt mir persönlich tatsächlich nicht, weil er am Thema vorbeigeschrieben und dazu nur einseitig formuliert wurde.

      Trotzdem. Egal, was Du schreibst: Es ist Deine Meinung. Und ich werde (auch wenn Du meinst, mich mit Worten wie „Heuchler“ u.ä. denunzieren zu müssen) immer weiter darum kämpfen, dass Du Deine Meinung noch sehr lange in diesem Staat sagen darfst!

    • chiara schäfer

       /  27. Mai 2013

      etwas unpassend vielleicht geschrieben aber generell geb ich dir da recht. Sklaverei liegt wenn nicht bei den hartz 4 empfängern vor sondern die die ganz oben in der Gesellschaft stehen. Frau Merkel ist doch auch nur ein Sklave der Befehlen und Anordnungen unterliegt. und alle anderen schauen doch nur weg und wollen nichts damit zu tun haben.

      generell ist dein Artikel aber gut und informativ 😉

      Liebe Grüße, chiara

      • Angela Merkel??? – Ups!!!
        Die Wikipedia schreibt: „Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden.“ Wo ist diese Frau Eigentum anderer? Sie ist Befehlsempfängerin der Lobbyisten, aber das macht sie gerne. Schau Dir mal ihren Gesichtsausdruck an, wenn negativ über die Banker gesprochen wird.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaven

  1. Menschenrechte: Nr. 4 – Keine Sklaverei « Muskelkater
  2. Menschenrechte: Nr. 4 – Keine Sklaverei » brainac.de
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