Kein Auftritt für den jamaikanischen Interpreten Bounty Killer

Hassmusik ist Volksverhetzung

Ein Gastartikel von Klaus Jetz

Am 19.08.2011 soll in Berlin auf Betreiben des Calabash Clubs der jamaikanische Interpret Bounty Killer, mit bürgerlichem Namen Rodney Price, geb. 12.06.1972, auftreten.

Wir haben das Berliner Polizeipräsidium über den geplanten Auftritt informiert und gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass dem Interpreten keine Bühne geboten wird und dass menschenverachtende Hasslieder, die den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen, nicht zur Aufführung gebracht werden. Uns scheint in diesem Fall der Tatbestand der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten gem. § 111 StGB und der Tatbestand der Volksverhetzung gem. § 130 StGB gegeben zu sein. Strafbar machen sich auch die Veranstalter. Wir haben auch die Betreiber des Calabash Clubs gebeten, Bounty Killer keine Bühne zu bieten.

In seinem Lied „Another level“ ruft Bounty Killer offen dazu auf, schwule Männer zu verbrennen oder zu ertränken. Auch in anderen Songs ruft er zu Mord an Schwulen auf. Zu Recht wurden mehrere CDs des Interpreten von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

Zudem liegen uns zahlreiche Berichte vor, dass gegen den Interpreten in Jamaika Verfahren wegen Gewalttaten und Waffenbesitz anhängig sind. Auch soll er für die USA kein Einreisevisum bekommen, so dass er dort keine Auftritte mehr absolvieren kann.

Wegen des geplanten Auftritts von Capleton beim Chiemsee Reggae Summer, das vom 26. bis 28. August stattfindet, haben wir bereits im April den bayrischen Staatsminister des Innern angeschrieben. Das Innenministerium hat uns daraufhin mitgeteilt, dass im Auflagenbescheid zum Musikprogramm ein Passus eingefügt wurde, der sicherstellen soll, „dass keine gesetzeswidrigen Texte veröffentlicht werden. Der Veranstalter hat dafür Sorge zu tragen.“ Zudem stehe Capletons Auftritt unter polizeilicher Beobachtung, „alle rechtlichen Möglichkeiten zur Gefahrenabwehr (werden) konsequent ausgeschöpft“, Rechtsverstöße „konsequent verfolgt“.

Interpreten, die menschenverachtende, minderheitenfeindliche Inhalte in ihrem Repertoire führen, darf hierzulande kein Forum geboten werden. Es kann nicht angehen, dass auf hiesigen Bühnen von denselben Leuten zu Mord und Totschlag aufgerufen wird, die in Jamaika regelmäßig für eine unvorstellbare Schwulenhatz sorgen. Von Dancehall-Bühnen herab sorgen Interpreten wie Bounty Killer dafür, dass Konzertbesucher immer wieder (vermeintlich) schwule Männer durch die Straßen jagen und erschlagen.

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Klaus Jetz, Geschäftsführer LSVD Lesben- und Schwulenverband Deutschland e.V.
Postfach 10 34 14, 50474 Köln, T. (0221) 9259610, lsvd@lsvd.dewww.lsvd.de

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Sommerinterview mit Angela Merkel

Alles ist alternativlos

Von Brano Wagner

Zugegeben, ich habe mich etwas gelangweilt – okay, nagut, ich habe mich richtig gut gelangweilt. Und das solltet ihr auch tun, wenn ihr nichts besseres zu tun habt. Aber ihr erfahrt auch, wie nicht nur die Kanzlerin von Ackermanns Gnaden ihre Argumente ins Feld schmeißt, sondern auch, wie die gesamte CDU nach außen hin strahlt, innerlich aber denkt. Ihr merkt schon, ich bin kein Freund solcher Christen und Atomlobby-Kameraden. – Wenn man allerdings die Homepage der Parteizentrale aufruft, dann wird man von einigen Schlagzeilen fast gewaltsam erschlagen, wie: „Der Eurozonengipfel hat ein überzeugendes Signal gesetzt!“ oder „Deutschland geht es so gut wie lange nicht“ oder „Wir stehen an der Seite der Menschen in Norwegen“ und so weiter, und so fort. Geschwätz und Heuchelei, wenn ihr mich fragt. – Aber was Recht ist mit dem ersten Sommerinterview mit Gregor Gysi, muss auch Recht bleiben jetzt mit Angela Merkel und ihrem außerordentlich freundlichen Interviewpartner Ulrich Deppendorf, der nie und nimmer peinliche Fragen stellen würde. Zugriffe bei YouTube bis jetzt nur knappe 800 User. Da fragt man sich unwillkürlich: warum denn bloß?

Übrigens: Demnächst sind auch noch SPD, Grüne und FDP dran.

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Veröffentlichung am 17.07.2011:

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Weitere Informationen im Zentralblog des Netzwerkes:

http://blognetzonline.wordpress.com/

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Sommerinterview mit Gregor Gysi

Schwerpunkte nach den Sommerferien

Von Brano Wagner

Eine Woche vor dem verhängnisvollen Tag, wo Merkel das Deutsche Volk verraten und verkauft hat (der Muskelkater berichtete), gab Gregor Gysi von der Bundestagsfraktion der Linken sein Sommerinterview. Der Fraktionsvorsitzende zog zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause eine Bilanz und skizzierte Schwerpunktaufgaben der kommenden Monate. Dabei hielt er Kritik sowohl an Regierungsparteien als auch an der Opposition nicht zurück. Schwer ging er mit den Grünen, aber auch mit seiner eigenen Partei zu Gericht, betonte aber immer wieder die demokratischen Grundsätze in unserem Land, die ohne die immer wieder erinnernden Aufrufe der Linksfraktion nicht zu bewerkstelligen wären: »Wir sind das demokratische und soziale Gewissen der Regierung. Und das bekommt sie immer wieder zu spüren!« – Und: »Nicht Frau Merkel ist die Bundeskanzlerin, sondern Herr Ackermann bestimmt den Kurs der Regierung. Das muss wieder schleunigst geändert werden.«

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Aufzeichnung vom 15.07.2011:

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Siehe dazu auch den Artikel zum EU-Rettungsschirm:

http://branowagner.wordpress.com/2011/07/26/der-eu-rettungsschirm-wie-sieht-eigentlich-die-berechnung-in-munzen-aus/

Weitere Informationen im Zentralblog des Netzwerkes:

http://blognetzonline.wordpress.com/

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Deutscher Staatsbankrott besiegelt

Am 21. Juli 2011 wurde Deutschlands Staatsbankrott beschlossen.

Die größte Katastrophe für Deutschland im 21. Jahrhundert ist jetzt auf der Agenda. Was wurde da angeblich gerettet? Etwa Griechenland? Der EURO?

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Ein Gastartikel von Wolfgang Arnold

Mit einem lauten Bäääng(!) ist Frau Merkel am Mittwoch wieder umgefallen. Sarkozy soll sich beim Abschiedsküsschen von Madame heimlich ins Fäustchen gelacht haben.
Wer immer in Schwierigkeiten ist, wird sich künftig die Kohle aus dem EFSF abholen können, noch bevor er als Pleitier in den Medien vorgestellt werden kann! Dafür, dass immer genügend Diridari im Transfer-EFSF gebunkert sein wird, dafür werden zu allererst die deutschen Steuerzahler sorgen.
Und was wurde mit dem Umfaller von Madame gerettet?

Ein kleines bisschen Zeit wurde gerettet. Zeit, in der die Schuldenorgie weitergehen darf, die den deutschen Steuerzahler voraussichtlich mehr als 1 Billion Euro kosten wird. Ein Betrag, der niemals bezahlt werden kann. Er wird fällig werden, sobald die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands endgültig besiegelt ist. Es gibt für Griechenland keinen Weg aus dem Schuldenberg heraus zu kommen – nicht solange dieses Land der EURO-Zone angehört. Der Euro ist für Griechenland zu teuer, um wieder auf die Beine zu kommen.
Geht aber Griechenland pleite, folgen zwangsläufig die anderen südlichen PIGS-Staaten. Dann sind auch Frankreich und Belgien nicht mehr zu halten. Am Ende stehen die Deutschen allein als Retter für den EFSF-Rettungsschirm da. 1,7 Billionen Euro werden für den dt. Steuerzahler dann fällig – zusätzlich zu den bisher schon 2 Billionen Staatsschulden, die wir ohnehin bereits haben.

„Bald wird der Brand erneut aufflammen und dann wird klar werden, welches schlechte Beispiel der Gipfel gesetzt hat“, sagt der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler zu den Beschlüssen des Euro-Sondertreffens in Brüssel.

Merkel – die Retterin, die Verräterin, so schreibt das Handelsblatt am Tag nach dem Rettungsgipfel. Was bloß hat die Frau da gerettet?
„Was wir für den Euro aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück“ – so schwärmt die Kanzlerin für ihren Einsatz auf der „Rettungs-Sitzung“. Solange man Schulden mit neuen Schulden bekämpft, werden wir alles um ein Vielfaches zurück bekommen! (Siehe NACHTRAG unten).

Weiß eigentlich diese Dauer-Rettungsschirm-Befürworterin, welche Risiken für Deutschland mit diesem Konstrukt übernommen werden?
Was die Kanzlerin so lobt, ist nicht mehr als ein zusammengeschustertes „Rettungspaket“, das mit perverser Logik eine noch größere öffentliche Verschuldung erfordert. Bald wird die finstere Wahrheit ans Licht kommen, dass die Politiker keine wirkliche Lösung wissen. Die globale Wirtschaftskrise, die nach dem Zusammenbruch von 2008 durch gigantische monetäre Stimulanzien eine kurzfristige Scheinerholung erlebt hat, läuft deshalb jetzt in ihre zweite, gefährlichere Phase. Die Staatsverschuldung erreicht ein unhaltbares Niveau mit Aussicht auf lähmende Insolvenz. Vermutlich wird gerade die Zukunft einer ganzen Generation zerstört.

Die Kritik kommt leider 24 Stunden zu spät: Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann (bis vor kurzem noch engster Berater der Kanzlerin) kritisiert die neuen Rettungsbeschlüsse heftig, aber verspätet: „Indem umfangreiche zusätzliche Risiken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert werden, hat der Euro-Raum aber einen großen Schritt hin zu einer Vergemeinschaftung von Risiken im Falle unsolider Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftlicher Fehlentwicklungen gemacht“ (Wirtschaftsblatt)

Das Kind liegt bereits im Brunnen. Wenn die Steuerzahler erst begreifen, wofür ihre Sparvermögen auf den europäischen Marktplatz geworfen wurden, werden sie sehr schnell die Systemfrage stellen (hoffentlich noch auf demokratische Weise!).
Schneller als unsere heutigen Politiker denken, werden der EURO und die EU dann in Frage gestellt.
Warum nicht heute schon?

Leider sind die Wähler noch viel zu sehr mit ihrem Wohlstand beschäftigt, und die Presse lenkt sie auf vergnügliche Weise von den eigentlichen Problemen ab. Liebe Bürginnen und Bürger: Mit mehr als 100.000 Euro ist jeder steuerzahlende Haushalt Deutschlands an den Rettungsbürgschaften in der Pflicht. Murksel sagt, Deutschland geht gestärkt aus der Krise hervor. Die wenigsten glauben ihr. Nach einer Umfrage der GfK sorgen sich mehr als 80 % der Deutschen um den EURO. Bürgschaften ohne Vertrauen der Bürgen sind wertlos!
Wann sagen die Journalisten den Deutschen endlich, dass deren Wohlstand  längst verschenkt ist?

Jim Sinclair zur Situation: „Wir befinden uns nun am Ende des Weges. Das Ergebnis fehlender Finanzdisziplin in allen westlichen Ländern spielt sich nun vor unser aller Augen ab. Der Schaden ist bereits angerichtet. Die Schulden der gesamten westlichen Welt sind bereits außer Kontrolle geraten.“

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Bitte in der Quelle lesen. Dort auch die einfache Rechnung für Deutschland und die Schulden der Steuerzahler …

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Medienmacht: Endlich unübersehbare Warnschilder aufstellen!

Der Medienskandal in Großbritannien sollte alle wachrütteln. Auch in Deutschland

Von Marty Ludischbo [Quelle]

Rubert Murdoch, mächtiger und einflussreicher Medienmogul aus Großbritannien hat jetzt seinen Skandal. Mitarbeiter seines jetzt eingestellten Revolverblattes „News of the World“ glänzten dadurch, dass sie Menschen bespitzelten. Inzwischen trat Murdoch Vertraute Brooks zurück und wurde zwischenzeitlich verhaftet.( H1) Auch der Chef von Scotland-Yard trat zurück. Ganz England schreit auf. Heuchelei?

„Scheinheilig“ bewerteten viele Kommentatoren Ruhr rein, Rhein raus die Empörung auf der Insel. In der Tat. Dominic Johnsen stellte in seinem  Artikel in der vergangenen Woche nüchtern fest:

„Nicht die Journalisten betteln bei der Politik, sondern die Politiker bei den Journalisten

Das bringt das Problem auf dem Punkt. Allerdings, so glaube ich, sind es die gegenseitigen Interessen, die dieses Netzwerk aus Politik und Presse aufblühen ließen und weiter blühen lassen.

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Keine neuen Erkenntnisse

Wer die Medien beherrscht, lenkt die Meinung und die politische Stimmung.
Und natürlich die Medienunternehmen, die mit der Politikklasse Netzwerke hegen und pflegen,  haben den größten Einfluss auf die Mediengesetze (was ja für die Medienkonzerne nicht ganz unwichtig sind).

Diese Erkenntnisse sind so alt, wie es Zeitungen gibt. Der Fall Murdoch verdeutlicht es nur noch mal mehr als deutlich.

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Parteien proftieren von britisch-medialen Gefälligkeitsnetzwerken

Die Politiker/Innen , die sich heute mit erzürnen, hinterlassen in der Tat den Eindruck der Scheinheiligkeit. Ob Labour oder die Tories: Alle Systemtragenden Parteien  bedienen sich gefälligen Journalisten (nicht nur aus dem Murdoch-Konzern) und profitieren von Skandalen der anderen. (1)

Die britische Opposition fordert unterdessen eine Zerschlagung des Murdoch- Imperium (2).

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Scotland-Yard mitten im Medien-Sumpf

Staatliche Stellen paktierten wohl offensichtlich mit dem Murdoch-Imperium. Der Chef von Scotland Yard Stephenson trat ebenfalls zurück. Ihm werden Vorteilsnahme und Untätigkeit bei Ermittlungen rund um den neuesten Medienskandal vorgeworfen. (3)

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Haben Medienkonsumenten eine Mitschuld?

Und die Bevölkerung und Leserschaft, nicht nur auf der Insel,  sollte sich ebenfalls hinterfragen:
Sind es nicht die aufgesetzten Skandale und die einfachen Botschaften des Boulevard, die von vielen Konsumenten/Innen nachgefragt werden?
Wenn nach jeder Schmuddel-Berichterstattung und Skandalträchtigen Überschrift die Auflage gesteigert wird bzw. nicht noch weiter sinkt, scheint das Konzept doch aufzugehen?

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Unübersehbares Warnschild aufstellen!

Auf jeden Fall sollten Politik und Gesellschaft, auch in Deutschland, den Fall Murdoch neben Berlusconis Medienmacht in Italien  nutzen und endlich folgendes öffentliches unübersehbares Warnschild aufstellen. „Vorsicht. Zu viel Medienmacht in wenigen Händen ist schädlich für unsere Demokratie“. Diese fast schon veraltete Erkenntnis ist leider noch nicht überall angekommen.

Und außerdem. Wartet nicht immer bis ein Skandal das abgründige Treiben zum Vorschein bringt.  Handelt vorher und bagatellisiert nicht immer rechtzeitige Warnungen aus der kritischen Berichtserstattung.

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Quellen

(H1)
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/383262_Murdoch-Vertraute-Brooks-wieder-auf-freiem-Fuss.html
(1) Eigeninterpretation auf Grundlage folgender Quelle:
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/die-wortmaechtigen/
(2)
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/unternehmen/britische-opposition-fordert-zerschlagung-von-murdoch-konzern-480819/index.do?_vl_pos=r.4.MOST
(3)
http://www.n-tv.de/politik/Scotland-Yard-Chef-tritt-zurueck-article3830781.html
und
http://www.austria.com/abhoerskandal-scotland-yard-chef-tritt-zurueck/news-20110718-10423520
und
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Abhoerskandal-Londons-Polizeichef-tritt-zurueck-id4882444.html

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blognetz-online

Artikel aus dem Netzwerk zum Thema Presse und Medien

von Martha Brauch: Wie wir von Politik, Medien und Wirtschaft an der Nase herumgeführt werden

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Harald Lesch über das perfekte Verbrechen

Kurz, knackig und auf den Punkt gebracht

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Von den Sklaven Roms bis heute …

… war es nur ein kurzer Weg nach Germania

Von Martin Schnakenberg

In der Erde Roms stießen die Archäologen auf kleine Bleiplaketten mit einem Halsband. Eingraviert war der Name eines Besitzers sowie Sprüche wie „Bring mich zurück“ oder „Halte mich fest, damit ich nicht fliehe!“ – Und natürlich das Versprechen auf einen ordentlichen Finderlohn. Doch es waren keine Hundemarken, die gefunden wurden, sondern Zeugnisse eines der traurigsten Kapitel der römischen Geschichte: der Sklaverei.

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So beginnt ein Artikel über das Sklaventum, welches schon lange vor den Amerikanern in anderen Ländern gang und gäbe war, in einem bekannten großformatigem Jugendsachbuch. Was ist aber dran an den Geschichten, damals wie heute? – Begeben wir uns mal auf Spurensuche im „alten Rom“.

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Damals

Sklaverei gab es eigentlich schon immer, nur wurde es nur selten so bezeichnet. Denken wir nur mal an das Wort aus kirchlichen Schriften, wo „das Weib des Mannes Untertan“ ist. Sklaverei, ganz klar. Auch wenn die katholische Kirche später die Ehe einführte, war es immer noch das gleiche. Nur mit dem Unterschied, dass der wohlhabende Herr nicht mehr die Frau für ihre Dienste bezahlen musste, sondern er heiratete sie einfach. Sie wurde damit sein Eigentum und er konnte mit ihr tun und lassen, was er wollte. Klingt zwar hässlich, war und ist aber so. Auch heute noch, trotz Gleichberechtigung.

Und so war es in Rom zur damaligen Zeit nicht anders. Ein ganzes Staatswesen war sogar damit verbunden. Vor den Römern waren solche mächtigen Staaten wie Ägypten, Babylon, Griechenland und Stadtstaaten wie Sparta und Athen mit der Sklaverei lädiert. Aber Rom war noch anders. Denn Rom führte in seinem Hunger nach immer mehr Land und Macht viele Kriege. Dabei landeten Kriegsgefangene und auch aufsässige Zivilisten, die sich gegen die römischen Herrscher auflehnten, auf den Sklavenmärkten des Imperiums. Aber es konnte auch sonstige römische Bürger treffen – entweder sie verloren durch Schulden ihre Freiheit oder sie wurden Opfer von Häscherbanden, die sie in die Sklaverei verkauften. Kritik an der Sklaverei sucht man in der Literatur und Philosophie jener Tage vergebens, vielleicht weil Roms Wirtschaft in der Kaiserzeit ohne Sklaven einfach undenkbar war: Auf den riesigen Latifundien und Großmühlen, die das Brot für die städtischen Massen produzierten, schuftete genauso ein Heer von Sklaven wie in den Steinbrüchen für Tempel und Termen. Gearbeitet wurde vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang. Der Aufseher, selbst meistens ein Sklave, kannte eine feinabgestufte Palette von Strafen, um Aufmüpfige oder Faule zu disziplinieren – von der Peitsche bis zum Zuchthaus. Zuweilen kam es vor, dass ein Sklave zur Strafe statt des Tiers die schwere Eselsmühle bewegen musste. Augenzeugen der damaligen Zeit berichteten einvernehmlich von nicht mehr menschlich anzusehenden Wesen: „Gute Götter, was gab es da für Kreaturen. Die ganze Haut mit blauen Striemen gezeichnet, den geprügelten Rücken mit ein paar verschlissenen Fetzen mehr betupft als bedeckt“.

Vielleicht noch trostloser war das Schicksal jener Frauen, die in die Prostitution verkauft wurden. Roms Bordelle lagen vor allem im heruntergekommenen Armenviertel der Subura und waren so elend und dreckig wie ihre Umgebung. Der schnelle Sex bei einer Sklavin war preiswert: Er kostete ein, zwei Asse – der Gegenwert für einen halben Liter Wein. Roms Oberschicht – Senatoren, Ritter und Patrizier – war hier selten anzutreffen. Wer Geld hatte, kaufte sich einfach eine hübsche Sklavin fürs erotische Vergnügen – das war sauberer und gesellschaftlich vollkommen akzeptiert … Hauptsache man belästigte keine ehrbaren Ehefrauen oder Töchter. Wenn man dann der weiblichen Ware überdrüssig wurde, fand man in den großen Haushalten eine andere Aufgabe oder – verkaufte die Sklavin einfach weiter.

Aber nicht nur weibliche Sklaven mussten ihren Körper zum Vergnügen der Römer verkaufen: Schöne Knaben erzielten Höchstpreise – man kann sich leicht denken, warum. Und auch die Betreiber der Gladiatorenschulen waren immer auf der Suche nach muskulösem „Frischfleisch“ für die Knochenmühle des Colosseums. Die Überlebenschancen in dieser Abteilung der frühen römischen Unterhaltungsindustrie waren allerdings sehr gering. Nur wenige Gladiatoren erhielten am Ende einer blutigen Karriere ein hölzernes Schwert als Zeichen ihrer ehrenvollen Entlassung in die Freiheit.

Aber nicht alle römische Sklaven waren menschliches Vieh, das schuftete und die Lüste der freien Bürger befriedigte. Es gab eine Elite unter den Sklaven: Männer mit Bildung und Talent, unter denen man Lehrer, Wundärzte, Dolmetscher oder auch Händler und Handwerker fand. Gut ernährt, gepflegt und korrekt gekleidet, waren sie nicht von den normalen Bürgern zu unterscheiden. Und anders als ihre verdammten und indirekt zum Tode verurteilten Standesgenossen im Steinbruch oder auf den Großgütern hatten sie etwas, was unbezahlbar war: die Hoffnung auf Freiheit. Um die Geschäfte zu beflügeln, wurden die Sklaven von ihren Besitzern sogar am Gewinn beteiligt, sodass sich die Chance zum Freikauf bot. Oder sie wurden für treue Dienste freigelassen. Als Zeichen der Ehrerbietung übernahmen sie dann den Familiennamen des ehemaligen Herren und jetzigen Patrons.

Besonders populär waren diese ehemaligen Sklaven allerdings nicht. Sie galten als neureich und habgierig. Der römische Schriftsteller Petronius skizziert in seiner bösen Satire „Das Gastmahl des Trimalchio“ einen großkotzigen Freigelassenen, der sich – obgleich ohne Manieren und Bildung – in der Rolle des aristokratischen Herrn gefiel. Mögliches Vorbild für Trimalchio war ein gewisser Caecius Isidorus, der zu einem der reichsten Grundbesitzer seiner Zeit aufgestiegen war. Als er im Jahr 8 vor Christus starb, hinterließ er ein gigantisches Vermögen von 60 Millionen Sesterzen, 250.000 Stück Vieh und 4116 Sklaven – Man sieht: auch er kannte keine Skrupel, Menschen als Besitz zu halten.

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Heute

Hat sich was geändert? – Doch, die Jahreszahl vielleicht, oder die Namen, oder die Schrift, oder die Orte. Sonst noch was?

Als in den 1970er Jahren der Krieg in Vietnam tobte, machte sich eine kleine Truppe von Jungen, die Les Poppys aus Asnières, auf den Weg und sangen immer wieder ihr Lied, was von Frankreich aus in die Welt ging: „Non non rien n’a Changé“ – Nein, nichts hat sich geändert.

Die Sklaverei ist zwar überall offiziell abgeschafft und es gilt der Satz, dass alle Menschen frei sein sollen. Aber es sind neue Abhängigkeiten entstanden, die der Barbarei der früheren Sklaverei in nichts nachstehen. Moderne Sklaven stehen unter der Fuchtel des Staates, der dafür eigens Gesetze geschaffen hat (volkstümlich Hartz-4 genannt), oder der Wirtschaft, insbesondere der Finanzwirtschaft mit ihrem kapitalistischen Wertesystem. Die Zinspolitik sind die neuen Herren des Sklavenmarktes – und wer sich dem Diktat nicht beugt, hat von vornherein verloren. Ganze Länder werden versklavt um des Profits willen und wegen ihrer Abhängigkeit vom Kapitalmarkt in den Abgrund getrieben. Die vom Volk gewählten Politiker, die verpflichtet wurden, alles Schlechte und Böse vom Volk abzuwenden, haben sich dem Mammon Zinsgeld zugeneigt und können nichts anderes tun, als dem Kapitalmarkt zu dienen, statt regulierend einzugreifen, was ihre Aufgabe ist.

Auch Kinder werden nicht mehr nur ausgebeutet wie früher, sie werden vollständig in eine Abhängigkeit getrieben, versklavt. Beispiele gibt es genug aus Südamerika, Afrika, Indien, China und weiteren. Das Ziel dieser Versklaverei ist dasselbe wie bei Erwachsenen: billige Arbeitskräfte für den Profit. Diese Missstände werden in weiteren Artikeln des Muskelkaters behandelt.

Der nachfolgende Film zeigt uns eine Zusammenfassung:

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Er hatte bestimmt vor, einen lustigen Artikel in der Stupidedia zu schreiben, als dem Autor des skurrilen Nachschlagewerkes die Idee kam. Allerdings ging dieses Unternehmen völlig daneben, weil er die Wahrheit schrieb: „Als Sklaven bezeichnet man die hörigen Knechte und Mägde eines reichen Mannes bzw. die abrekrutierten Sklaven, die beim Arbeitsamt durch Arbeitslosenbescheide entstehen und per Ein-Euro-Job Frondienste in Adelshäusern leisten müssen, die dazu führen, dass teures Dienerpersonal durch billige Arbeitskräfte entlassen wird und dadurch selber zu Sklaven des Arbeitsamtes werden. Des Weiteren werden den Sklaven jegliche Menschenrechte aberkannt, sie sind dem adeligen Herren bzw. dem Arbeitsamt hörig und dürfen nicht über ihr eigenes Leben bestimmen, da ihr Leben in der Hand des jeweiligen adeligen Fürsten bzw. dem Wohlwollen des Arbeitsamtes liegt.
Bei Nichterfüllung der Befehle und Dienstanweisungen schreitet das Arbeitsamt ein, indem die Stütze (Hartz 4) komplett gestrichen wird, und die Sklaven sozusagen alles verlieren und als Obdachlose die Fußgängerzonen dekorativ verzieren.“

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Ich hoffe, dass dieser Artikel nicht nur zur Geschichte der Sklaverei etwas beigetragen hat, sondern auch die Aufmerksamkeit auf die heutigen Zustände in aller Welt, aber auch vor unserer eigenen Haustür gelenkt hat. Denn es ist nach wie vor noch immer so und wird sich auch nicht ändern, wenn wir nicht bereit sind, dagegen etwas zu unternehmen, damit wir irgendwann aufhören können, immer wieder zu sagen:

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»Non non rien n’a Change« – Nein, nichts hat sich geändert.

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Weiterführungen und Hinweise:

Erklärung, was Sklaverei ist und bedeutet

Wikipedia-Artikel über die Sklaverei im antiken Rom (zwar nicht so gut wie hier, aber schön ausführlich erklärt)

Alle weiteren Daten und Informationen sind der TimeLife-Buchreihe „Spektrum der Weltgeschichte“ entnommen.

Eine Erklärung, was ein Sklave ist, gibt es auch in der Stupidedia.

Außerdem ein sehr interessanter Artikel bei AlterKnacker über moderne Sklaverei.

Und die Les Poppys findet man hier: http://boysingers.wordpress.com/category/pcaif-les-poppys/

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