Super-GAU in Deutschland. – Am Tag danach …

Szenario: Was geschah am Tage X ?

Von Martin Schnakenberg

Ich stehe am Fenster und schaue über die Dächer der Stadt hinweg nach oben, wo hinter den dunklen Wolken, die sich jetzt so langsam verziehen, der Vollmond erscheint. Ich kann ihn noch sehen, die anderen meiner Umgebung, Freunde und Nachbarn, nicht mehr. Denn ich bin der Einzige, der noch lebt. Alle anderen waren sofort tot, nachdem der Sturm über uns hinweg fegte.

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Wie war es dazu gekommen?!

Vor knapp drei Jahren war die Sache mit Fukushima passiert; einem Reaktorunglück mittlerer Größe, wie uns damals gesagt wurde. Die Partei der Grünen und die Gewerkschaften hatte schon in den 1960er Jahren gegen die Atomkraft protestiert, zusammen mit vielen Umweltorganisationen wie Robin Wood, BUND und Greenpeace. Aber keiner wollte auf sie hören, weil alle sagten, wie sicher doch die Atomkraft wäre. Auch als die neue Partei der sozialen Gerechtigkeit, die Linke, gegründet wurde und diese sich der Anti-Atomkraft-Bewegung anschloss, waren keine Veränderungsbemühungen zu verspüren, die Atomkraftwerke zumindest einzuschränken. Es wurde einfach weiter gebaut. Man setzte auf die CO2-Reduzierung und den billig zu produzierenden Strom. Die Wahrheit aber war, dass es keine einzige Versicherungsgesellschaft gab, die Atomkraftwerke gegen Unfälle versichern wollte. Deshalb brauchten die Betreiber auch keine Gebühren bezahlen und verdienten saumäßig an ihren Werken, die für die Aktionäre und Betreiber wie Goldesel fungierten.

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Aber als dann die Brennstäbe in Fukushima dahin schmolzen und die CDU eine Wahl nach der anderen an die Grünen verlor, änderte sich dort und auch bei der FDP die Einstellung und man machte eine Kehrtwendung. Jetzt sollte also so schnell wie möglich abgeschaltet werden. So schnell wie möglich hieß aber bei denen: Erst nach 11 weiteren Jahren. Die Linke war erbost, wie schon lange nicht mehr – genauso wie die Grünen, die aber schon eher einverstanden waren, weil sie insgeheim schon wieder mit der CDU liebäugelten und meinten, dass jetzt auch schwarz/grüne Koalitionen möglich wären.

Hätte man nur auf uns, dem Volk, gehört. Auf Linke, BUND, Robin Wood … dann wäre dieses sicherlich nicht, zumindest nicht in dieser krassen Form, passiert.

Schon letzte Woche konnte man es förmlich riechen, dass da irgendwas in der Luft hing, wenn man am Kraftwerk vorbei fuhr. Ich glaubte sogar, ein Rumpeln gehört zu haben, aber das entsprang sicherlich meiner lebhaften Phantasie, die ich schon als Kind hatte. – Hätte ich nur an meine Phantasie geglaubt, dann hätte ich wahrscheinlich noch einige Menschenleben retten können…

Immer wieder sehe ich die Bilder aus dem Fernsehen, wo diese Merkel, diese verhasste Kanzlerin der Reichen, der Zocker und Freundin von Ackermann, stolz mit einem verräterischen Lächeln verkündete, dass der Atomausstieg zum Jahre 2022 Gesetz werden würde. Und wie ich dabei das Klimpern der Golddukaten im Geldbeutel der Atomlobbyisten höre. – Das ist jetzt etwa eineinhalb Jahre her, wo zum letzten Mal ganz offiziell der Satz verkündet wurde: „Die deutschen Kernkraftwerke sind sicher!“

Gestern Abend hatte ich etwas über den Durst getrunken, weshalb ich die Meldung, dass es im Laufe des Tages Stromausfälle geben würden, weil ein kleiner unwichtiger Störfall im Kraftwerk aufgetreten war, nicht gehört hatte – was heißt: ich hatte total verpennt. Dann gegen Mittag funktioniert mein Minibackofen plötzlich nicht mehr und alle Lichter gehen aus. Ich bin ein wenig sauer und muss mir notgedrungen ein kaltes Thunfisch-Sandwich machen, wo ich dann ziemlich lustlos drauf herum knabbere. Aber warum ich dann in den Keller ging, weiß ich nicht mehr. Ich hörte auch nicht die Sirene, verspürte aber eine sehr heftige Detonation, die mich sogar zu Boden warf. Als ich danach wieder oben im Wohnzimmer bin, sehe ich die zersplitterten Fensterscheiben … und eine dunkle Rauchwolke steht über uns und dem Kraftwerk.

Das Telefon klingelt. „Was war da los?“ will mein Freund von mir wissen. „Siehst du etwas? Ist tatsächlich das Dach vom Reaktor weg? Du bist doch näher dran, erzähl doch etwas“.

Ich kaue noch am letzten Rest von meinem Sandwich, den zu schlucken mir aber Probleme bereitet. „Keine Ahnung“, krächze ich und schlucke zum vierten Mal. „Das Dach ist tatsächlich weg. Ganz komischer Dampf kommt da oben raus. Das ist bestimmt nicht normal. Oder?“

Weiß ich doch nicht. Du wohnst doch da! – Was glaubst du, was da passiert ist?“

Inzwischen wusste ich, dass man Menschen nicht immer die Wahrheit sagen sollte, auch wenn es der beste Freund ist. Ich tat es jetzt aber, auch auf die Gewissheit hin, dass er mich später als großen Spinner bezeichnen könnte. „Hau ab von hier. Verschwinde, bevor es zu spät ist. Das Ding geht in die Luft!“

Vom anderen Ende der Leitung kommt ein „Oops!“ und dann ein „Was rauchste grade?“

Hätte er auf mich gehört, gäbe es ihn heute noch…

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Eine halbe Stunde später geht das Licht wieder an und ich schalte meinen PC an. Die Nachrichten bringen nichts Neues, was ich nicht schon kenne und schon bereue ich es, meinem Freund gegenüber so eine Warnung ausgesprochen zu haben. Dann sehe ich eine Meldung: „Wie uns soeben vom Vorstand mitgeteilt wurde, ist der Reaktor an einem kritischen Punkt angelangt. Die äußere Hülle ist, wie schon gemeldet, geborsten und legt damit das Abklingbecken frei. Das Wasser darin ist durch die Explosion verdampft, sodass die Stäbe offen liegen und…“

Ich höre schon gar nicht mehr hin. Mir gehen die letzten Stunden durch den Kopf. Und mein Wissen um Fukushima. Was ich soeben hörte, war mein ganz persönlicher Super-GAU. Fukushima in Deutschland, wo es heißt: „Die deutschen Kernkraftwerke sind sicher!“ – Aber auch nach der Abschaltung?

Wirre Gedanken strömen durch meinen Kopf. Wie war das nochmal: „Bei der Bauart der deutschen Kraftwerke ist es möglich, Plutonium zu produzieren.“ – Wenn jetzt das Dach… und die Kernschmelze …

Ein gewaltiger Blitz erhellt mein Zimmer. Eine schwarze Rauchfahne steigt über dem Kraftwerk blitzschnell in die Höhe, gefolgt von einer Explosionssäule. Kurz danach kommt der Sturm. Ich werfe mich zu Boden und robbe hinter meinen neu aufgebauten Kachelofen. Dann kommt die Hitze und gleichzeitig der Druck, der alles im Zimmer zerfetzt und das Dach in Sekunden abdeckt…

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Der Pilz steht noch immer über dem ehemaligen Kernkraftwerk und seinem Zwischenlager, welches durch die plötzliche Plutonium-Anreicherung ebenfalls explodiert ist, als ich mich endlich aufrappele, von stetigem Zittern geplagt. Eine Totenruhe liegt über der kleinen zerstörten Stadt. Kein Vogel, kein Autogehupe, nichts. Eine Stille, die beängstigt. – Ich scheine tatsächlich der Einzige zu sein, der diese Explosion des Atomkraftwerkes überlebt hat. Warum, weiß ich nicht.

Gedanken flitzen wie Blitze durch meinen Kopf. Denn ich weiß, dass ich ab jetzt dafür kämpfen muss, dass alle Atomkraft, ob zur Energiegewinnung oder als Waffe, sofort verboten wird. Ich weiß aber weiterhin, dass mein Kampf vergebens sein wird. Denn solange es Menschen gibt, die sich von „Bild“ungs-Zeitschriften verführen lassen und alles glauben und abnicken, was die bestechlichen Politiker und die Reichenmafia ihnen erzählen, wird es so bleiben, wie es ist und der Sklave Mensch, der zum Dahinsiechen verurteilt ist durch die „Regierung“ der Zockerbanden und der Banken- und Politikerkasten, wird seinem ungerechten Ende nicht entgehen.

Mit einem automatischen und ärgerlichen Wischen meiner Hände streife ich meine Gedanken ab und stelle mich den gegebenen Tatsachen, die sichtbar sind. Warum ich verschont wurde, weiß ich immer noch nicht – vielleicht zum Berichten. Denn ich bin allein in einer Totenstadt und meine Aufgabe wird jetzt sein, die Toten zu suchen und zu bestatten. Ob in meiner Umgebung in anderen Städten und Dörfern noch jemand lebt, weiß ich auch nicht und werde es vielleicht auch nie erfahren. Denn das Akku meines Handy’s ist leer und es gibt keinen Strom mehr.

Hallo Deutschland. Ist da noch jemand?“

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Siehe auch:

http://tueffler123.wordpress.com/2011/06/14/kraft-droht-mit-ablehnung-der-gesetze-zum-atomausstieg/

http://gerecht2010.wordpress.com/2011/06/13/atomausstieg-wirklich-und-endgultig/

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Ein Kommentar

  1. Hi Muskelkater!
    Dein beschriebenes Szenario geht einem beim lesen schon unter die Haut und man bekommt eine Gänsehaut. Aber diese Szenarien sind längst keine Utopien mehr. Sie können jeden Tag vor der eigenen Haustüre passieren. Aber davor bewahre uns Gott!

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