Merkel und FDP im Sinkflug. Jeder Zweite für Neuwahlen

Das Wörtchen „nur“ hat Konjunktur

Es ist immer wieder das Gleiche, – traurig, aber interessant anzusehen: das Spiel mit Worten. Ganz besonders in jüngster Zeit das Wörtchen „nur“. Die Politiker mögen dieses Spielchen, die Medien mögen es … und ich mag es auch. Interessant wäre mal zu beobachten, wenn es heißen würde: „Leider erreichte ParteiX nur 50% der Stimmen, während ParteiY mit der Hälfte aller Stimmen ins Parlament einzog und damit einen grandiosen Erfolg verbuchte.“

Gemerkt? Beeinflussung nennt man sowas, denn dass ParteiX nicht minder Erfolg hatte, wird durch diese Wortspielerei von wegen grandiosem Erfolg einfach ignoriert. So macht es die BILD, so macht es die WELT, so macht es der Spiegel, so macht es aber zunehmend auch die restliche Presse. Und sogar die Bloggerwelt ist davon nicht verschont, von dieser Schönfärberei zugunsten seines Lieblings. – Aktuelles Beispiel: der Mitteldeutsche Rundfunk mit seinem Deutschlandtrend:

Jeder Zweite für Neuwahlen

Die Zufriedenheit der Deutschen mit der schwarz-gelben Koalition ist auf ein Rekordtief gesunken. In einer kurzfristig angesetzten Extra-Umfrage zum ARD-Deutschlandtrend zeigten sich nur noch zwölf Prozent mit der Arbeit der Koalition zufrieden. Das sind acht Prozentpunkte weniger als noch zu Monatsbeginn. Fast die Hälfte der Befragten befürwortete Neuwahlen. 24 Prozent waren für eine Neuauflage der großen Koalition, nur 23 Prozent setzten weiter auf Schwarz-Gelb.

Auch die Beliebtheit von Kanzlerin Angela Merkel ist laut der Umfrage der Meinungsforscher von Infratest dimap deutlich gesunken. Nur noch 40 Prozent der Deutschen sind mit ihrer Arbeit zufrieden.

Der Rest des Artikels kann hier weiter gelesen werden. Er stammt übrigens vom 16. Juni.

Jetzt betrachten wir uns mal den Artikel etwas genauer. Da steht: „Die Zufriedenheit der Deutschen mit der schwarz-gelben Koalition ist auf ein Rekordtief gesunken. In einer kurzfristig angesetzten Extra-Umfrage zum ARD-Deutschlandtrend zeigten sich nur noch zwölf Prozent mit der Arbeit der Koalition zufrieden.“ Ziemlich negativ für die Regierung, wie? Man sieht sich schon im dunklen finsteren Keller. – Schreiben wir es doch nur ein klein wenig anders: „Die Zufriedenheit der Deutschen mit der schwarz-gelben Koalition ist zwar auf ein Rekordtief gesunken. In einer kurzfristig angesetzten Extra-Umfrage zum ARD-Deutschlandtrend zeigten sich aber immer noch erfreuliche zwölf Prozent mit der Arbeit der Koalition zufrieden.“ Das klingt schon anders, gell?

Und dann kommt dieses „nur“ schon wieder vor in einem Zusammenhang, wo es total Blödsinn ist; außer man liest die BILD: „Fast die Hälfte der Befragten befürwortete Neuwahlen. 24 Prozent waren für eine Neuauflage der großen Koalition, nur 23 Prozent setzten weiter auf Schwarz-Gelb.“ Aber Hallo! 24:23 sind nur 1% Unterschied. Aber so kann man Schönfärben und das Augenmerk auf die 24% für die Koalition lenken. Außerdem wird hier der hohe Anteil, der auf Schwarz-Gelb setzt, ins Abseits gedrängt, damit es nicht so auffällt. Ich würde der Ehrlichkeit halber das Wörtchen „nur“ einfach weglassen, damit man erkennt, dass jeweils fast ein Viertel der Befragten für entweder große Koalition oder Schwarz-Gelb sind und damit immer noch nichts gelernt haben.

Auch die Beliebtheit von Kanzlerin Angela Merkel ist laut der Umfrage der Meinungsforscher von Infratest dimap deutlich gesunken. Nur noch 40 Prozent der Deutschen sind mit ihrer Arbeit zufrieden.“ So steht es ganz unkorrekt da. Denn wie es vor dieser Umfrage war, wissen wir dadurch nicht. Außerdem ist da wieder ein „nur noch“ zuviel, um uns zu beeinflussen.

Fassen wir also die Meldung wieder zusammen, dann liest es sich so und wird dadurch ganz langsam zur Satire, wie es die Politik selber ist:

Die Zufriedenheit der Deutschen mit der schwarz-gelben Koalition ist zwar auf ein Rekordtief gesunken. In einer kurzfristig angesetzten Extra-Umfrage zum ARD-Deutschlandtrend zeigten sich aber immer noch erfreuliche zwölf Prozent mit der Arbeit der Koalition zufrieden. Das sind nur acht Prozentpunkte weniger als noch zu Monatsbeginn. Fast die Hälfte der Befragten befürwortete Neuwahlen. 24 Prozent waren für eine Neuauflage der großen Koalition, 23 Prozent setzten sogar noch weiter auf Schwarz-Gelb.

Auch die Beliebtheit von Kanzlerin Angela Merkel ist laut der Umfrage der Meinungsforscher von Infratest dimap gesunken. Trotzdem sind immer noch ganze 40 Prozent der Deutschen mit ihrer Arbeit zufrieden!

Na, besser?

Fazit: Misstraut der Politik und den Medien, beide wollen nur Schönfärben und Meinungsbildung zu ihrem Gunsten. Das Letzte wollen wir auch, aber auf ehrliche Art und Weise.

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