Papa, Matze hat gesagt… – Heute: Wahlen und Verstand

Vater und Sohn im Zwiegespräch

Nach vielen Bitten über Mail und Telefon habe ich mich jetzt doch dazu entschlossen, die zuletzt geschriebene Vater-/Sohn-Geschichte, die nur für das Netzwerk-Forum bestimmt war, hier im Muskelkater zu veröffentlichen.

Es ist zwar noch keine Woche her, wo die Wähler in Nordrhein-Westfalen deutlich zu erkennen gegeben haben, dass sie eine andere Regierung wünschen, aber den beteiligten Politikern scheint es immer noch nicht ganz klar zu sein. „Politiker zu sein ist ein schwerer Beruf“, hieß es früher einmal. Stimmt, und vor allem ist es bei den heutigen Politikern ein langwieriger Beruf. Denn eine Schnecke hat schneller einen Weinberg umrundet, als das die Politiker im Sinne des Volkes Gesetze aushandeln.

Auch der Vater möchte seinen Sohn bei den Problemen der Regierungsbildung gerne belehren. Aber wie so oft passiert es wieder mal andersrum:

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SOHN: „Papa, Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, die tun sowieso, was sie wollen.“

VATER: „Wer ist DIE?“

SOHN: „Na, die Politiker nach der Wahl.“

VATER: „Du meinst sicher jetzt NRW. Naja, das muss auch gut überlegt werden, wer mit wem koaliert.“

SOHN: „Was müssen die denn noch überlegen. Das Volk hat doch gewählt und damit bestimmt, wer regieren soll.“

VATER: „Das schon. Aber diesmal ist es eine Pattsituation. Also kann jeder mit jedem überlegen, mit wem er regieren will.“

SOHN: „Aber dann hören die doch garnich auf das Volk, sondern machen wieder ihren eigenen Scheiß!“

VATER: „Das Wort will ich nicht nochmal von dir hören. Hast du verstanden? – Und für das Volk wird es das beste sein, wenn die CDU wieder regiert. Sie ist schließlich die stärkste Partei geworden.“

SOHN: „Die 0,1%??? Da sprichst du von stark? – Matze’s Vater sagt, das Volk hat links gewählt. Und das müssen die Politiker jetzt akzeptieren und respektieren und darauf die neue Regierung aufbauen.“

VATER aufbrausend: „Und das soll nach Matze’s Vater sicher mit den Kommunisten sein, nehme ich mal an!!!“

SOHN lächelnd: „Sozialisten, Papa. Den Unterschied solltest du eigentlich kennen!“

VATER: „Egal, ob Kommunisten oder Sozialisten. Keiner will die Sozi’s an der Regierung haben!“

SOHN: „Wieso keiner?! – Du hast doch früher auch die SPD gewählt, oder?“

VATER: „Das ist ganz was anderes. Das ist eine solide Partei.“

SOHN: „Denkt das die CDU auch so?“

VATER: „Ja natürlich. Alle wissen das.“

SOHN: „Aha. Und deshalb hat sich die SPD der CDU angeglichen als Partei der Mitte. Sagt Matze’s Vater.“

VATER: „Keiner hat sich angeglichen. Ich weiß nicht, was dieses Gerede soll!“

SOHN unbeirrt: „Weil jetzt die Linke die Stelle eingenommen hat, die die SPD früher mal hatte. Den Stellenwert des demokratischen Sozialismus. Das heißt: Für das Volk da zu sein, nicht umgekehrt!“

VATER: „Ja ich weiß, was das heißt und gebe dir ja auch recht. Aber trotzdem brauchen wir sowas nicht!“

SOHN: „Wir? Und warum haben soviele die Grünen und die Linken gewählt? Matze’s Vater sagt, dass das Volk wohl endlich aufgewacht ist!“

VATER: „Ich habe schon vorhin gesagt, dass ich dir in gewissen Aussagen Recht gebe. Trotzdem wird es eine CDU-geführte Regierung geben. Basta.“

SOHN trotzig: „Eben. Weil sie die Macht haben wollen und es ihnen einen Dreck kümmert, was das Volk will.“

VATER bestimmend: „Die Regierung will immer nur unser Bestes!“

SOHN sauer: „Stimmt. Unser Geld! – Für die, die sowieso schon zuviel haben!!!“

VATER: „Na sag mal, spinnst du so langsam?“

SOHN: „Ne, aber du bist ja bei uns auch die Regierung. Also: warum gibst du Mama denn immer wieder Geld?“

VATER: „Na, damit sie wirtschaften und uns damit am Leben halten kann.“

SOHN: „Siehste. Und genau das will die Linke auch. Gib ihnen doch ne Chance, das zu beweisen.“

VATER: „Und wie?“

SOHN: „Mache es doch wie bei Mama, dir und mir. Wir sind schon eine Koalition: Du bist als stärkste Kraft die SPD, Mama ist als Versorger mit dem Verstand für Gesundes die Grüne, und ich bin als kleiner Juniorpartner, der darüber wacht, dass die Demokratie des Volkes gewahrt bleibt und auch die Kleinen nicht zu kurz kommen, die Linke!“

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