Gastbeitrag: Beise ist los

Rette sich, wer kann…

Ich frage mich manchmal allen Ernstes, warum einige Leute nicht Musiker geworden sind. Denn diese hätten doch schon bei der Geburt flöten gehen können…

Ein Paradebeispiel hierfür liefert uns heute der Oeffinger Freidenker, wo er die Ausführungen eines gewissen Herrn Beise unter die Lupe nimmt.

http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2010/05/rette-sich-wer-kann-beise-ist-los.html

In seiner neuesten Ausgabe des Video-Blogs „Summa summarum“ philosophiert Marc Beise im üblichen unterkomplexen und realitätsbezugsbefreiten Stil über das Sparpaket der Griechen, das er einfach verständlich auf eine Tafel skizziert. Löhne runter, Renten runter, Verbrauchssteuern und Einkommenssteuern hoch – man kann Beise seine Begeisterung richtig anmerken. Großartig, den Leuten geht es danach schlechter! Wie, was, das soll auch noch einen makroökonomischen Hintergrund haben? So richtig jenseits der reinen Lehre? Ach verdammt.

Doch verzaget nicht, der Beise hat auch hier eine Antwort. Denn „wenn die Griechen das schaffen“ (bei ihm klingt das so, als ginge es um die Qualifizierung für die EM-Vorrunde), ja, wenn die Griechen das schaffen, dann ist das eine echte Leistung. Boah. Gigantisch. Ja, wenn die Griechen sparen, dann…ja was eigentlich? Bei Beises Wirtschaftsteilchefredakteursmädchenrechnung kommen da stattliche 30 Milliarden Einsparungen raus (was eigentlich Quatsch ist, weil ein Gutteil nicht gespart werden, sondern durch höhere Steuereinnahmen reinkommen soll). Das liest sich bei einem BIP von 324 Milliarden (2007) erst einmal beeindruckend. Aber Papier ist bekanntlich sehr, sehr geduldig.

Dass Sparen des Staates auf die angebotsorientierte Brachialkur, noch dazu in der Krise, mitnichten in Spareffekten münden muss, wissen wir spätestens seit den Sparorgien unseres höchsteigenen kleinen Hans Eichel, der auf diese Art und Weise Deutschland jahrelang in die Krise sparte. Renten- und Lohnkürzungen bedeuten, dass die Leute weniger zum Ausgeben haben, besonders in dem von Beise so bejubelten drastischen Umfang, wie Griechenland das plant. Das wiederum bedeutet, dass die Steuereinnahmen aus Einkommens- und Verbrauchssteuern (und das sind die einzigen, die erhöht werden sollen) drastisch zurückgehen, weswegen die Steigerung dieser Steuern mit Glück zu einer Aufkommensneutralität führt, vor der Blaupause unserer eigenen Erfahrungen aber wohl eher in weniger Geld im Kasten endet.

Aber mit so etwas braucht man einem Beise nicht kommen. Der bekommt einen intellektuellen Orgasmus, wann immer irgendwo Ausgaben beschnitten werden, weil sich das Angebot seine Nachfrage ja bekanntlich selbst schafft. Immerhin bleibt Beise nicht auf dem Niveau von Hans-Werner Sinn stehen und erkennt mittendrin seinen Irrtum, um am Ende ein völlig innere Kohärenz vermissen lassendes Werk abzuliefern, sondern denkt den dummen Gedanken konsequent zu Ende. In Beises Schlussfolgerung ist der griechische Sparplan ein Modell für Europa und besonders für Deutschland, denn, Zitat, „machen wir uns nichts vor,“, solche Streichungen kommen auch auf uns zu. Warum fängt die SZ nicht schon mal an und spart sich das üppige Gehalt für einen solchen Dinosaurier in der Wirtschaftsredaktion? Eigentlich kann man nur schließen: ceterum censeo summa summarum delendam esse.

Und ich möchte noch hinzu fügen, dass dieser Typ von Beise sicher noch nie mit denen gesprochen hat, denen das ganze eigentlich angeht. Denn seine Ansätze sind nicht nur antiquiert, sondern dumm. Das, was unsere Gesellschaft in unserem Jahrtausend nämlich braucht, um die Konjunktur anzukurbeln, damit auch die Wirtschaft überleben kann, sind a) höhere Löhne oder zumindest einen Mindestlohn, b) Angleichung der Renten auf eben dieses Niveau, c) Erhöhung des Satzes für Arbeitslose, d) Abschaffung von Hartz4. – Nur auf diesem Wege kann Deutschland (und auch Griechenland) gesunden, weil die Binnennachfrage durch höhere Gehälter gesteigert werden kann und damit auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Was dann wiederum höhere Steuereinnahmen verspricht.

Aber das scheinen solche Leute wie der Herr Beise oder unsere momentane „Regierung“ nicht zu verstehen oder zu verstehen wollen.

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2 Kommentare

  1. Bertold H.

     /  6. Mai 2010

    „Ich frage mich manchmal allen Ernstes, warum einige Leute nicht Musiker geworden sind. Denn diese hätten doch schon bei der Geburt flöten gehen können…“

    Echt geiler Satz 🙂

  2. Hier kann ich wieder nur sagen: Gut, dass es Blogger, Menschen gibt, die ökonomische und politische Zusammenhänge verstehen. Das Ziel ist doch ganz klar. Die Schaffung eines neuen Niedriglohnsektor. Die deutsche neue sog. Wettbewerbsfähigkeit basiert auf den internen Niedrieglohnsektor, Lohndruck u.a. Jetzt werden auch die Griechen bald die Löhne weit unterhalb der Produktivität fahren. Wahrscheinlich Portugal und Italien gleich mit. Folge: globale Unternehmen bekommen einen neuen Niedrieglohnstandort. Anders herum gesagt: Die Unternehmen in Deutschland werden sagen: “Sorry. keine Lohnerhöhung, sonst wandern wir in die neuen Niedriglohnregionen aus”. Egal wie. Die Unternehmen werden billiger produzieren. Bleibt nur die Frage: Wer kauft die ganzen Sachen noch ab. Ach Ja klar: Auf Pump, mit geliehen Geld aus den Überschussländern. Jedem sollte klar werden, das die monetäre Friedmänische Angebotslogik (Monetarismus) gescheitert ist.
    Und nur mal so. Der Euro wird so zerstört. Herzlichen Dank Maggie Merkel!
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=5431

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