Bildungsnotstand in Deutschland?

Das Geheule um Bildung nervt…

…und vermutlich nicht nur mich, sondern vielleicht auch einige ausgeschlafene Jugendliche und Kinder.

Zu Beginn dessen, was mir alles aufstösst dabei, erinnere ich mich an den Ausspruch meines früheren, alten Apothekers. Dieser erklärte, nachdem der Numerus Clausus eingeführt worden war, dass er nun nach diesen Kriterien, kein Apotheker wäre. Und doch war er einer der besten und beliebtesten in jener Stadt, erfolgreich – weil er auf die Menschen eingehen konnte, jeden ernst nahm und nicht einfach abwimmelte,- jeden bediente, als wäre er nur für dessen Sorgen da. Das gesamte Team in dieser Apotheke war so drauf.

Es ist langweilig, die dauernd wiederkehrenden Phrasen zu verdauen, wie wichtig Bildung sei, wie schlecht (oder nicht schlecht) das Angebot, besonders für jene, die wenig Geld haben. Es kotzt an, wenn man sich dazuhin vergegenwärtigen muss, worauf man ausgerichtet werden soll, und dass die Bundeswehr an den Schulen ein- und ausgeht.

Früher kam da etwas dazu bei einigen von uns: Die Neugier – darauf, was in allen den schlauen Büchern stand, wir wollten es wissen, und mussten also lesen lernen. Das Interresse an der Welt da draussen, und was es so alles gab und auf uns warten würde, das trieb so einige von uns an, auch Widrigkeiten und entsetzliche Lehrer zu überstehen.

Trotz brüllender und prügelnder Lehrkräfte am Rande des Nervenzusammenbruchs schafften so einige von uns die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium als Beste. Wir lernten bei Zeiten uns selber zu helfen, und selber dazuzulernen. Das brauchten wir dringend, denn die versagenden Lehrkörper damaliger Zeit mit ihrer Verwirrung zwischen Nazizeit und neuer BRD waren häufig keine grosse Hilfe. Das änderte sich erst wieder, nachdem es mehr Frauen als Lehrerinnen gab.

Nein, es war keine Dorfschule mit überforderten Lehrern, sondern in der Großstadt, aber eben Nachkriegszeit. Damals waren auch nicht so viele Menschen reich – Einzelne, die kannte man. Die anderen arbeiteten sich wieder hoch, und den Kindern sollte es mal besser gehen…

Und doch, da strampelten sich viele ab, erreichten Bestnoten, immer mehr Jugendliche wollten studieren. Und, schon wurde zurechtgestutzt, – ausgelesen wurde schon immer,- nichts Neues also. Das Neue ist vielleicht, dass man es nicht mehr so verschämt tut, sondern unverschämt direkt und ungerechter noch, als das früher der Fall war.

Vor allem der Sieg der Vorurteile, der Triumph der alten Klassifizierungen im Verbund mit den Siegesfanfaren der Vorverurteilungen von Kindern, die noch gar nichts ahnen davon, welche sozial minderwertigen Kreaturen sie in den Augen derer darstellen, die ihnen doch Bildung vermitteln und nahebringen, sie schulen und fördern, ihnen Möglichkeiten eröffnen sollen.

Wer solchen Dreck, wie er heute ausgeschüttet wird – und das in allen Medien, öffentlich und überall – über sich ausgekübelt erleben muss, der soll dann noch motiviert sein? Oder gar neugierig auf Bildung, damit er diese Welt besser erfahren kann? Sehr einladend ist das nicht gerade, und wer dann noch von den lieben Mitschülern fertig gemacht wird, weil er anscheinend zu jener Schicht gehört, über die täglich die deutsche Scheisse gekübelt wird, dem kann es durchaus vergehen.

Damals gab es auch arm und reich – der arme Schüler musste ein bisschen Streber sein, wenn er nicht vom dicken Geldpolster unterlegt war. Wenn er anderen wiederum half, ohne genau hinzusehen, wem – dann war das wieder in Ordnung. Es war nicht so krass wie heute, und vor allem wurde nicht dauernd gehetzt.

Vorurteile gab es reihenweise, und viele waren sogar noch Gesetz – es gab Paragraphen gegen Homosexuelle, die Emanzipation musste erst noch gelebt werden, geschiedene Frauen waren bäh! – alleinerziehende Mütter sowieso. Es gab also genug, gegen das anzukämpfen war, und das kursierte -. und doch war es anders. Wie gesagt, es war nicht besser, aber anders.

Heute ist es so, als wären alle die aufgegebenen Gesetze gegen jene, die früher ausgegrenzt wurden, ein Anlass, wieder welche aufleben zu lassen. Irgendwie scheint sich die Gemeinschaft der Menschen nicht so ganz wohlzufühlen, wenn es nichts mehr gibt, auf das eingehackt werden kann. Dass sich gerade auch welche daran beteiligen, die vor kurzer Zeit noch selber mittendrin waren bei den Ausgegrenzten und Verfolgten, ist wenig begreiflich – aber leider Tatsache.

Damals machte sich jeder ans Kämpfen, ans Erarbeiten, und man erkannte, dass das Herabwürdigen und Schlechtmachen keinen Anreiz bietet – alles andere aber schon. Und, man war neugierig und wissbegierig. Normalerweise sind Kinder das sowieso.

Allerdings gab es auch noch genug Arbeit für jeden Menschen…

Ich kann den heutigen Schwachsinn nicht mehr hören…

(Quelle: Netzwerkpartner Desparada-News)

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