Fiktive Geschichte oder Realität

Kultur gestern – Kultur heute

Von Brano W.

Kultur gestern:

Ich ging durch die Straßen und traf einen Freund. „Wohin gehst Du?“ fragte ich. „Ins Kino. Da läuft ein toller Film“, sagte er. Dann traf ich einen weiteren Bekannten. „Wohin gehst Du heute abend?“ fragte ich. „Natürlich in die Disco. Was denkst du denn. Heute haben die echt voll Power mit der neuen Anlage!“ – Achso, dachte ich. Dann traf ich die Eltern meines Freundes. „Wohin geht ihr heute?“ fragte ich. „Oh, wir gehen heute in die Oper. Und anschließend gehen wir Tanzen ins Odeon. Da spielt heute das weltberühmte Tanzorchester, die Sunshine-Band“. – Oh, sagte ich nur.

Kultur heute:

Ich gehe durch die Straßen und treffe einen Freund. „Wohin gehst Du?“ frage ich ihn. „In die Kneipe. Grad noch Geld für’n Bier“, sagt er mir und haut gleich wieder ab. Dann treffe ich meine Bekannten. „Wohin geht ihr?“ frage ich. „Nur spazieren. Bisschen frische Luft schnappen, verstehste?“ Und weg sind sie. Ich wage es garnicht mehr zu fragen, als mir die Eltern meines Freundes entgegen kommen. Trotzdem frage ich sie: „Wohin geht ihr?“ – Sie schauen mich entsetzt an: „Wohin sollten wir schon gehen?! Du weißt ja, dass wir auf Hartz IV sind. Da haben wir für anderes kein Geld mehr!“

Ich bin erschüttert und laufe zum Schauspielhaus. Dort steht ein Schild „Geschlossen“. Aber ein alter ehemaliger Kassierer, der auf der Ein-Euro-Basis noch das Haus bewacht, ist noch da. „Was ist hier los?“ frage ich ihn. „Garnichts mehr“, sagt er. „Das Haus wird demnächst abgerissen. Keiner hat mehr Geld dazu. Die Gemeinde nicht und die vielen Menschen, die früher kamen, auch nicht. Jetzt gehört das Gelände einem Investor. Der baut hier bald einen neuen funkelnden Verkaufspalast, überall mit Glas und viel Licht.“ – „Moment“, sage ich, „und wer soll da einkaufen?“ Der alte Mann lächelt mich an. „Na die, die noch Geld haben, Du Dummerchen. Die Reichen natürlich!!“ – Mir wird schwindelig. „Und was ist mit der Kultur?“

Diese Antwort ist er mir bis heute schuldig geblieben…

.

Das war eine fiktive Geschichte, die ich als 15-jähriger nie so hätte schreiben können, wenn ich nicht auch sehen und fiktive Gedanken haben würde.

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Quelle: Netzwerkpartner Tja – Das Kulturmagazin

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