Lafontaine gibt Linkspartei-Vorsitz ab

Und die Tagesschau freut sich

Diesen Elan, der in dem Artikel von tagesschau.de steckt, hat man selten so gesehen. Okay, die Berichterstattungen dieses öffentlich-rechtlichen Mediums ist ähnlich der des ZDF absolut systemkonform und hat mit Ehrlichkeit genauso viel zu tun wie ein Banken-Zocker mit der Verantwortung anderen gegenüber. Aber hier kann man das hämische Grinsen schon sehen, bevor man den Artikel liest:

Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine wird den Parteivorsitz und sein Bundestagsmandat abgeben. Wie das ARD-Hauptstadtstudio aus Parteikreisen erfuhr, wird der 66-Jährige auf dem Parteitag in Rostock Mitte Mai nicht wieder kandidieren. Lafontaine nimmt heute erstmals seit seiner Krebsoperation wieder an einer Vorstandssitzung teil. Seit Wochen war spekuliert worden, ob er sich nach seiner Erkrankung aus der Bundespolitik weitgehend zurückzieht und sich auf die Arbeit als Fraktionschef im Saarbrücker Landtag konzentriert. Am Mittag will sich Lafontaine zusammen mit Fraktionschef Gregor Gysi öffentlich äußern.

Der 66-Jährige frühere SPD-Vorsitzende führt die Linkspartei zusammen mit Lothar Bisky seit dem Zusammenschluss von Linkspartei. PDS und WASG im Jahr 2007. Als mögliche Nachfolger an der Parteispitze werden unter anderem der WASG-Mitbegründer Klaus Ernst und die aus Ost-Berlin stammende stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gesine Lötzsch gehandelt.

Unter einer weiteren Überschrift „Machtkampf zwischen Realos und Fundis“ schreibt der Redakteur von tagesschau.de weiter:

Seit Wochen wird die Partei von einem Machtkampf zwischen Realos und Fundis gelähmt. Der scheidende Bundesgeschäftsführer, Dietmar Bartsch, der als Gegner des oft knallharten Oppositionskurses von Lafontaine gilt, hatte vergangene Woche nach Illoyalitätsvorwürfen gegen ihn angekündigt, im Mai nicht erneut für dieses Amt zu kandidieren.

Als dann unter dem Artikel noch ein Hinweis auf einen weiteren Artikel kam mit der Überschrift „Ein Populist zieht sich aus der Bundespolitik zurück“, platzte mir endgültig der Kragen. – Was erlauben sich diese Herr- oder Frauschaften von tagesschau.de eigentlich, so über einen der verdientesten Politiker der letzten Jahre her zu ziehen?!!!

Denn hier wird ein Mensch, der als Politiker einer der fähigsten ist und einer der letzten, die der zusammenverschworenen Einheit Lobby/Politik trotzten, einfach abgetan, als wäre man endlich einen räudigen Sünder los. Dabei war es gerade Lafontaine, der schon damals unter der Schröder-Regierung immer wieder davor warnte, das Volk anzubinden. Sein Austritt aus der SPD war für ihn eine Verpflichtung, weil er sah, dass hier das Volk verraten und verkauft werden sollte. Das dieser Verrat heute mehr denn je zu spüren ist, indem die Umverteilung von unten nach oben mit Riesenschritten vollzogen wird, ahnte er schon lange vorher. Seine Mahnungen, dem Volk mehr zu geben, den Mindestlohn in allen Bereichen einzuführen, eine Reichensteuer zu erstellen und einer Börsenaufsicht mehr Kompetenz zu geben, ernteten in seinen Reden oft mit Buh-Rufen. Er sah wahrscheinlich auch, genauso wie ich, die Korruption, die nicht nur in der Regierungsbank, sondern auch in den Parteizentralen sitzt und er vielleicht nichts mehr dagegen unternehmen konnte. Die Lobby der Funktionäre und Manager von Wirtschaft und Banken und deren Zocker wurde einfach zu mächtig.

Mit Oskar Lafontaine verlieren wir einen Kämpfer für die Gerechtigkeit in unserem Land. Jemanden, dem die wahre Demokratie über alles ging und wahrhaft am Herzen lag.

.

Aber eines kann ich Dir sagen Oskar: Du hast zwar aufgegeben, vielleicht auch, um Deine Gesundheit zu schonen. Aber es gibt noch viele, wie zum Beispiel den Muskelkater, die für Dich weiter kämpfen werden. Für ein gerechteres und sozialeres Deutschland!!!

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3 Kommentare

  1. asphyx68

     /  23. Januar 2010

    Oskar geht?
    Das glaube ich erst, wenn ich es im Februar aus seinem Mund höre. Ich vermute eher, daß dies einem anderen Zweck dient. Und der Dietmar Bartsch unter Umständen noch in den Knast bringt, wenn er seinen Schnabel nicht hält.

    DIE LINKE hat ein Problem, jedoch ein völlig anderes als manche Leute derzeit glauben. Die Realos werden sowieso demnächst in die CDU verschwinden, also sollte man denen keine Träne hinterher weinen.

  2. Sibylle

     /  23. Januar 2010

    In Bezug auf den „Populist“ kann ich nur sagen:

    Man braucht sich wohl nicht lange zu fragen, warum über 20 % der Saarländer Lafontaines Linkspartei gewählt haben.

    Davon, was unter seiner Zeit als Ministerpräsident des Saarlands in diesem notorischen Armenhäuschen der alten BRD nach dem Niedergang der Kohlen- und Verhüttungsindustrie geschafft und geschaffen worden ist, kann NRW nur träumen. Ich darf das beurteilen, denn ich kannte das Saarland vorher gut und habe zu Lafontaine’s Zeit dort gewohnt.

    Zynismus darf man wohl den Politikern und Journalisten vorwerfen, die einen vom Krebs der tückischeren Art angeschlagenen 66jährigen immer wieder in Zusammenhang mit Populismus und strategischem Taktieren bringen.

    Wenn Sie, die Tagesschau, dass schon immer nachbeten, dann denken Sie wenigsten einen Moment daran, dass Lafontaine Schröder u. a. den Bettel hingeschmissen hat, weil er auf der Regulierung der Finanzmärkte bestanden hat, wovon die übrige Regierungs-SPD nichts wissen wollte – wer waren da wohl die Populisten?

    Lafontaine war nie ein Heiliger aber immer ein sehr kluger Kopf und ein Sozialdemokrat, was man den verbliebenen SPD-Funktionären nicht mehr ohne weiteres nachsagen kann.

  3. Ich denke Lafontaine hat für seinen Rückzug den größten Respekt verdient. Nicht jeder kann seine Gesundheit vor die Karriere stellen. Für mich ist der einzig gute Nachfolger Gregor Gysi, er würde alle zusammenführen und sich vielleicht sogar mit der SPD einigen. SPD und Linke sollten sich annähern, damit die sie zu einem Regierungswechsel beitragen können.

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