Der wahre Mut

Oder: Mut aus Verzweiflung?

Vier Mäuse sitzen in einer Kneipe. Nachdem sie schon einiges gebechert haben, fangen sie an zu prahlen, wie mutig sie doch seien.

Die erste Maus sagt: „Ich gehe jetzt nach Washington ins Weiße Haus und schmeiße diesen Obama raus!“

Sagt die zweite: „Und ich gehe nach Moskau in den Kreml und geige denen mal meine Meinung!“

Die dritte Maus meint selbstbewusst: „Pah, ich gehe nach Berlin und werde der neuen Regierung mal sagen, was für Geier sie sind!“

Die vierte Maus war bisher still in der Ecke gesessen und schüttelt nur mit dem Kopf vor soviel Prahlerei: „Ihr seid doch alles reine Feiglinge. Ich werde jetzt in die Küche gehen, um die Katze zu verschlagen!!!“

———-

Fazit: Es ist nur eine moderne Fabel. Gibt uns aber zu denken, wenn wir unseren eigenen Mut betrachten. Denn auf die schimpfen und die bekämpfen wollen, die weit weg von uns sind … da ist es leicht, mutig zu sein. Vor unserer eigenen Haustür zu kehren, ist schon erheblich schwieriger. Und auch, wenn die obige Geschichte witzig klingt, spiegelt sie doch genau dieses wieder. Was wäre wenn, ist hier die Frage. Sind wir dann auch noch so mutig, wenn wir direkt im Weißen Haus dem Präsidenten der USA gegenüber stehen? Oder sind wir es nur da, wo wir nichts zu fürchten haben?

Ich als Blogger kann meinen Unmut äußern, weil ich weiß, dass ich eine breite Öffentlichkeit hinter mir habe, die so oder so ähnlich denkt und reagiert. Aber würde ich es auch wagen, wenn ich wüsste, daß ich alleine auf weiter Flur wäre?

Die letzten Jahre haben uns bewiesen, wie schwer es ist, vernunftbegabt zu handeln, wenn an der Regierungsspitze Gesetze ausgehandelt werden, die gegen das eigene Volk gerichtet sind. Es hat mal einer geschrieben: „Wahlen wären schon längst verboten worden, wenn sie etwas bewirken würden“. Deshalb auch die zunehmende Wahlverdrossenheit. Aber wir meinen ja immer noch, dass es ja nur besser werden kann. Das dieses eine Fehleinschätzung ist, merken wir an den jüngsten Tagen immer mehr. Das braucht hier nicht noch einmal extra erwähnt werden.

Genau deshalb entstehen auch so viele Satiren und Anekdoten, weil man weiß, dass man nichts „gegen die da oben“ ausrichten kann. Dass man einer übermächtigen Lobby gegenüber steht, die einem jederzeit „das Genick brechen“ kann und man deshalb einfach seinen Humor bewahren muss, auch wenn die Situation noch so ausweglos ist. – Um wieviel mutiger ist dann also die vierte Maus, die einfach nur in die Küche geht…

Oder, wie es Charlie Chaplin mal ausdrückte: „Der wahre Humor kommt aus einem Herzen voller Bitterkeit!“

Dem Satz ist nichts hinzu zu fügen.

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6 Kommentare

  1. dragomil

     /  5. Dezember 2009

    Ein wunderbarer Artikel und einer der besten, die ich zu diesem Thema gelesen habe.

    Ja, es erfordert Mut, auch wenn es immer noch die Meinungsfreiheit gibt. Und ich denke, wenn dieses Gesetz mit den Stoppschildern durch gekommen wäre, dann hätte man sicher auch bald einigen der unliebsamen Blogger dieses Schild verpasst.

    Wir müssen mehr den je aufpassen und Mut beweisen, um dieser Willkür zu begegnen.

    Danke Muskelkater, für diesen tollen Artikel.

    lg, dragomil

  2. Dunkelelf

     /  5. Dezember 2009

    Dieser Artikel gibt mir irgendwie zu Denken. Denn ich habe auch oft genau dieses Gefühl der Ohnmacht. Mir fehlt in meinem neuen Blog auch manchmal der Mut dazu, es so zu sagen, wie ich es meine. Aus Angst heraus, ich könnte was falsches sagen oder irgendwo anecken.

    Du hast mit vielen deiner Artikel inzwischen den Mut bewiesen, auf dezente Art zu protestieren. Das wünsche ich mir für mich auch.

  3. Wahrheitsfinder

     /  6. Dezember 2009

    Ja Martin, das ist es und wunderbar beschrieben: Der Mut ist es, der uns meistens fehlt. Aber der Mut, der vielen Menschen in der Vergangenheit gekommen ist, weil sie einfach die Wut hatten, gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, nur dieser Mut hat uns vorwärts gebracht.

    Ich wünsche dir weiterhin diesen Mut, Missstände offen zu legen. Du bist auf dem richtigen Weg.

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