Was kochen wir denn heute – Deutsche Armutsküche?

Oder: Werde ich heute satt?

Food01Schon aufgefallen? Noch vor einem halben Jahr gab es massenweise Kochsendungen im deutschen Fernsehen. Angefangen bei Biolek über Lafer zu Talkshows, wo eine Küche eingerichtet war und ein mindestens 5-Sterne-Koch das Leckerste des Tages zubereitete.

Dabei konnten die Studiogäste sich selber überzeugen, wie gut es doch tut, mal saumäßig Teures zu einem guten Brei zu verkochen. Denn oft merkte man an den Reaktionen der Gäste, bevor die Kamera schnell zur Seite schwenkte, dass da wohl nicht immer … naja, ihr wisst schon.

Aber solche Sendungen wurden nicht nur weniger, sie sind total weggefallen. Einfach nicht mehr da. Hat denn der bundesdeutsche Zuschauer schon soviel an Küchenfertigkeiten gelernt, dass er auf diese Spitzenköche einfach so mir nichts dir nichts verzichten kann?

Eigentlich nicht. Denn mir selber hat es immer gefallen, wenn einer dieser Starköche an fünf Töpfen gleichzeitig am Abschmecken war und dann den selben Löffel, säuberlich abgeleckt natürlich, nochmal für das Probieren der Soße in der Bratpfanne nahm, worin die Bratkartoffeln auf indische Art so langsam vor sich hin brutzelten.

So kurios das jetzt klingen mag, aber der Grund liegt nicht darin, dass wir Deutschen das Feinschmeckermenü jetzt so plötzlich verschmähen würden. Nein. Der Grund liegt einfach darin, dass wir uns einfach nicht mehr mit solchen Typen wie Ackermann abgeben wollen, die sowas köstliches jeden Tag serviert bekommen und noch nicht mal Danke dafür sagen. Und wenn man schon mal ins Bundeskanzleramt eingeladen wird, dann muss man das natürlich mitnehmen, ist ja schließlich umsonst und ein Danke an den Steuerzahler nicht notwendig.

Aber seien wir doch mal mit uns selber ganz ehrlich: möchtet ihr jeden Morgen zum Frühstück Kaviar auf das hellste Weißbrot, was es gibt? – Also ich nicht. Ich möchte mal wieder so richtige Brombeermarmelade oder Apfelmus von heimischen Früchten. Aber sowas bringen diese 10-Sterne-Köche ja nicht mehr. Immer wieder solche Sachen wie Crepes im Sauerteigmantel, gefüllt mit Hasenragout und Rehrückengulasch auf herzogliche Art. – Und dann ist ja klar, dass keiner mehr zuschaut. Genauso, wie wir es satt haben, jeden Tag von einem Chauffeur in einem Bentley oder Bugatti zur Schule oder Arbeit gebracht zu werden. Wir möchten endlich mal wieder in einen alten, von mir aus auch schon verrosteten, Käfer aus den 1960er Jahren schlüpfen, oder einem R4 oder Simca oder einer Ente und vor allem … selber fahren! – Und dann etwas Neues ausprobieren, wie zum Beispiel Geld auf ein Sparbuch bringen, was hohe Zinsen bringt, oder von dem Ersparten nach 10 Jahren eine eigene Stereoanlage kaufen, etwas Eigenes. Und vor allem: endlich mal wieder bei Kartoffelsalat mit Bockwürstchen so richtig zu schlemmen, bevor es zum Weihnachtsbaum geht, wo wir die Geschenke auspacken dürfen…

Phantasie vergangener Jahre? – Ich denke: Nein. Denn vielen in unserem Wohlstandsstaat geht es noch nicht mal so gut. Diejenigen, die beim Bundeskanzleramt essen gehen, geht es auf Staatskosten natürlich am besten und machen knapp etwas mehr als 1 Prozent der Bevölkerung aus. 9 Prozent können es sich aber schon ohne Bundeskanzleramt leisten. 60 Prozent müssen von dem leben, wie beschrieben. Knapp 25 Prozent sitzen mit Hartz4 und rechnen jeden Cent nochmal durch, was sie sich leisten können. Aber inzwischen schon fast 5 Prozent sitzen heute schon an der Straße und hoffen darauf, dass irgend ein anderer Armer ihnen ein Mettbrötchen zureicht, vielleicht sogar mit Zwiebeln.

Und das ist der wahre Grund, warum immer mehr Kochsendungen eingestellt werden: weil sie keiner mehr schauen kann und auch nicht mehr möchte. Weil dafür lieber die Zeit genutzt wird, um zu betteln für ein kleines Stückchen Brot.

Deutschland, wohin treibst du, wenn noch nicht mal Kochsendungen dich aufheitern können?!!!

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4 Kommentare

  1. Neid, Neid, Neid. Die Deutschen sind ein Volk der Neider.
    Wenn der Nachbar einen tollen neuen Audi A6 fährt, dann hat er sicher gut rumgeschleimt. In USA würde man sagen, dass der Nachbar ein tolles Auto hat und orientiert sich an diesem Nachbarn, denn der hat sicher irgendetwas richtiger gemacht, als man selbst der nur einen Opel Corsa fährt.
    Leute, wacht mal auf! Wer etwas leistet, der kann sich auch was leisten. Und wer viel leistet, der kann sich auch viel leisten. Und wer nichts leistet, der kann sich in Deutschland trotzdem was leisten.

  2. Außer mit deinem letzten Satz bin ich mit deinem Kommentar nicht unbedingt einverstanden:

    „Und wer nichts leistet, der kann sich in Deutschland trotzdem was leisten.“ – Das stimmt aufs Haar genau und bezeichnet exakt die Reichen, die Manager und die Zocker der Banken. 100% okay.

    Alles andere von wegen Neid kam in den 1970er bis 1990er Jahren zwar sehr oft vor, war sogar an der Tagesordnung, aber heute nicht mehr. Heute hat man es aufgegeben, neidisch zu sein. Weil es sich einfach nicht mehr lohnt, gegen einen offenen Backofen anzugähnen. Neid war früher der Zorn der Besitzlosen. Neid ist heute die Gier der Besitzergreifenden, die immer mehr wollen. Einen Neid unter der armen Bevölkerungsschicht findest du heute nicht mehr, nur ein mitleidiges Lächeln über die da oben, die wieder mal Millionen ausgeben müssen, um ihren Besitz zu schützen. Neid ganz unten ist passé. Gibt es schon lange nicht mehr. Denn derjenige, der heute noch spottet, wird morgen vielleicht genauso in der Gosse landen.

    Neid ist ein Thema für die Reichen. Und da muss ich deinem Kommentar wieder recht geben. Dort passt es hin.

    Aber nicht zum Gros der Bevölkerung. Wäre mal Zeit zum Umdenken, denn morgen kannst du dran sein, der um ein Stückchen Brot bettelt. Und das ist dann kein Neid auf andere, sondern Not. Echte Not!

  3. dragomil

     /  16. November 2009

    Du gehörst wohl zu dem Verein der barmherzigen Schwestern. Denn wer kann es sich heute schon leisten, etwas Gutes zu tun. Er wird doch nur dafür bestraft, oder?

    dein Kommentar zum ersten Eintrag kann ich nur beipflichten. Und was die Kocherei betrifft, hast du auch recht.

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