Artikel-Reihe: Der Verein Kirche – Teil 4

Beginn einer Religion? – Oder Natur?

verein_kirche_75Unser Freund „Bruzel“ aus dem vorherigen Kapitel ist inzwischen schon lange gestorben, aber sein Stamm hatte sich nicht nur vergrößert, sondern einige unter ihnen waren ausgezogen, um neue Jagdgründe zu suchen.

Dabei war natürlich auch sein eigener Stamm nicht in dieser Höhle geblieben, sondern musste den Herden der Horntiere und der Rüsseltiere folgen, die ihnen Nahrung gaben. Auch passierte es, dass man vor Tieren fliehen musste, die stärker als sie selber waren, oder dass eine Überschwemmung oder ein Vulkanausbruch sie dazu zwang, weiter zu ziehen, weil das Land unbrauchbar oder zu gefährlich geworden war.

Ein neuer weiser Mann stand jetzt an der Spitze des Stammes. Wir nennen ihn der Einfachheit halber einfach mal „Luftirus“, was heißt „Der, der die Winde versteht“. Er war der direkte Nachfahre von „Bruzel“ und hatte die Eigenschaft, Stimmen zu hören, von ihm geerbt. Wobei ein böser Zeitgenosse ja vielleicht mal behaupten könnte, dass Bruzel und Luftirus sich das alles nur selber ausgedacht hatten. Aber nein, das konnten sie doch noch garnicht, denn das würde eine gewisse Logik voraussetzen, aber sie wussten damals doch noch nicht mal, dass sie Denken konnten. Soweit waren unsere Vorfahren noch nicht. Aber der Gedankengang ist nicht mal so schlecht … sollte man mal festhalten … für spätere Kapitel …

 

Luftirus hatte den Stamm also schon mehrmals vor Gefahren gewarnt. Denn er hatte eine gute Nase und kein fremder Geruch blieb vor ihm verborgen. So hatte er einen Vulkanausbruch vorhergesagt oder auch den Brand der Savanne. Jeder im Stamm wusste, dass diese Vorwarnungen mit seiner guten Nase zusammen hing, aber jeder akzeptierte die Aussage, dass Luftirus die Worte von Göttern gehört hatte. So wie Bruzel den „Gott des Feuers“ gehört hatte, hörte Luftirus den „Gott des Donners“ und den „Gott des Windes“. – Natürlich sprach sich diese neue Erkenntnis so schnell herum, wie es damals möglich war. Denn auch die Sprache war von Grunzlauten und Gesten so langsam übergegangen in zwar nur wenige, aber inzwischen schon klar verständliche Wörter.

Diese Erkenntnisse oder „Erleuchtungen“ und das Wissen über die Götter, die überall in der Natur verborgen waren, wurden auch von anderen Stämmen wohlwollend aufgenommen und brachten seinen eigenen Stamm zur vollen Blüte und auch zur Vorherrschaft. Von allen Seiten strömten die Weisen anderer Stämme hinzu und wollten von ihm und jetzt auch seinem Sohn, welcher auch diese geheimen Stimmen und Eingebungen vererbt bekam, nochmal hören, wie sich alles zugetragen hatte. Luftirus‘ Sohn „Radi“ war auch ein ganz gewitzter Bursche, der es verstand, die Massen zu verzaubern. Immer wieder erzählten er und sein Vater von den wundersamen Eingebungen, die sein Ururgroßvater immer so zum besten gegeben hatte, wenn sie am Lagerfeuer zusammen gesessen waren. Und dabei verflochten sie ihre eigenen Erlebnisse so geschickt dazu, dass die Begeisterung immer mehr anwuchs. Dabei ist es beileibe nicht so, dass sie der Weisheit letzten Schluß verkünden wollten. Aber die Stämme liebten solche Reden, die so ganz anders klangen, als wie man sie vorher kannte.

Jetzt muss man sich die Sprache der ersten denkenden Lebewesen aber nicht so vorstellen wie in einem Auditorium, wo die Studenten den Ausführungen des Professors über das Liebesleben der Ameisen äußerst gespannt zuhören. Die Sprache der Urmenschen war immer noch ein Gebrabbel zwischen Grunzlauten, einigen schon bekannten Begriffen und natürlich einer wild gestikulierten Zeichensprache. Aber inzwischen waren einige bekannte Begriffe oder Wörter schon weit verbreitet worden, andere Stämme entwickelten aus diesen Worten, die sie nicht verstanden, eigene Abwandlungen bzw. Dialekte, und Radi wurde als der „Oberprimus“ bei allen Stämmen im Umkreis anerkannt. Es hatten sich sogar schon aufgund der Sprachgemeinsamkeiten verschiedene Gruppen gebildet, die sich die Thesen, Prophezeiungen und teilweise sogar schon Gesetze von Bruzel, Luftirus und Radi zu eigen gemacht hatten.

Und jetzt entstand etwas Außergewöhnliches, etwas ganz Neues, etwas, was es vorher nie gegeben hatte: aus diesen Stämmen, die ja inzwischen alle verschieden waren, formte sich das erste Volk dieser Erde. Die einzelnen Stämme wuchsen zusammen und der, der am besten artikulieren konnte, wurde der Boss. Auch wieder mal eine Einmaligkeit, dass nicht der Stärkste das Sagen hatte, wie bei allen anderen Lebewesen, sondern der, der am „meisten die Klappe aufreißen konnte“ (eine Erkenntnis, die wir auch heute noch sehr gut kennen).

Und hier unterbrechen wir erst einmal. Natürlich hätte ich jetzt zwischenzeitlich auch noch mal, wie in Kapitel 2, den Neandertaler und die Entwicklung der Sprache und des CroMagnon-Menschen und daraus die Entwicklung zum Homo sapiens etwas mehr beschreiben können. Aber dann müsste ich auch die Völkerwanderungen der damaligen Zeit beschreiben und das würde den Rahmen dieser Artikelreihe sprengen. Denn unsere bisher beschriebenen Wesen gehörten ja schon zum Typus Homo sapiens idaltu, also schon zum Menschen, und lebten in der Zeit vor etwa 160.000 bis 154.000 Jahren während des Pleistozän, also des Eiszeitalters, wobei hier die Out-of-Africa-Theorie maßgeblich ist.

Wichtig dabei ist, zu erkennen, dass die Religionen, so wie wir sie heute alle kennen, aus diesen Begebenheiten entstanden. Nicht die Götter erschufen den Menschen, sondern der Mensch erschuf sich seine Götter, wie er sie brauchte. Unsere fiktiven Freunde Bruzel, Luftirus und Radi waren praktisch die Vorväter, als sie in der Natur Götter sahen. Vielleicht sahen sie wirklich Götter, vielleicht sahen sie auch Außerirdische, in ihrem Geist … es ist unwichtig. Hier wird die Keimzelle gelegt für alles, was später geschieht. Hier wird die Macht geboren, die uns teilweise heute noch ohnmächtig werden lässt. Hier wird die ungeheure Gewalt des Wortes geboren, die in Göttern und selbst ernannten Heiligen gipfeln wird. Und somit hat die Bibel zwar schon recht, wenn sie sagt: „Zu Anfang stand das Wort!“ – Aber was für ein Wort, welches Tausende Jahre lang bis heute den Menschen geißelt!

 

Und das wird dann der 5. Teil meiner Geschichte: „Hat die Stadtbildung etwas mit dem Glauben zu tun?“. – Spannend bleibt es auf dieser Zeitreise ganz gewiss…

 

 

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Ein Kommentar

  1. Also deine Artikelreihe ist nicht nur spannend geschrieben, sondern auch total verständlich, wenn man schon das Endziel sieht, was im Titel zu lesen ist: Der VEREIN Kirche. Das du es schön trennst zwischen Glaube und Kirche, finde ich bemerkenswert. Obwohl du ja den Werdegang des Glaubens außerhalb biblischer Aussagen beschreibst. Aber andersrum gesehen ist es auch wieder logisch, weil man sonst die Machenschaften des Vereins nicht genügend erklären könnte.

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