Nachtrag: Gedenken an Zugführer RE 4427

Eine andere Art der Betrachtung

schluesselIch möchte einfach nochmal das Thema des Selbstmordes eines Fußballspielers aufgreifen. Denn noch nie wurde dieser Selbstmord so von den Medien breit getreten wie in diesem Fall. Mich persönlich hat Fußball noch nie interessiert, war für mich immer sowas wie in Rom zu Cäsar’s Zeiten „Spiele für das Volk“, damit von den Machenschaften der Regierung abgelenkt werden konnte. Diesen Zweck erfüllt es meiner Meinung nach immer noch, ansonsten hätten die Bundesbürger aufgepasst und sich nicht diese momentane Regierung Merkel/Westerwelle selbst gewählt.

Zurück zum Thema: Mein Netzwerkpartner Marty Ludischbo brachte in seinem Blog eine andere Darstellung des Selbstmordes:

10. November, 18;47  Neustadt am Rühenberge.
Der Regionalexpress RE 4427 kam zum stehen. Wohl hektisch und absolut schockiert, mit einem rasenden pochendem Herz, funkte der Zugführer umgehend das örtliche Stellwerk an. Er, der unbekannte Zugführer, hatte einen Menschen unter seinem Zug liegen. Unfall mit Personenschaden, nennt man das förmlich. Der Zugführer ist nun ganz alleine. Das Warten auf die Einsatzkräfte ist zermürbend. Dauert eine Ewigkeit.
Welche Gefühle hatte der Zugführer wohl in dem Augenblick des Schreckens?
Welche Gefühle hatt er heute, einem Tag nach dem Vorfall?
Welche Gefühle wird er in den nächsten Jahre haben?

Schuldgefühle sind immer da, auch wenn es keine Schuld gibt
Psychologen, die Fahrdienstmitarbeiter/Innen bei solchen Unfällen regelmäßig betreuen, wissen, dass die Menschen osich oft ein Leben lang sich mit Schuldgefühlen plagen. Schuld, die sie nicht hatten. Schuld, die sie nicht auf sich nehmen müssten. Sie machen es aber trotzdem. Bei der Bahn und anderen Verkehrsunternehmen  werden die Mitarbeiter/innen schon in der Ausbildung auf solchen Eventualitäten vorbereitet.
Aber was, wenn es so weit ist? Was wenn ein Mensch beschließt sein leben zu beenden und sich vor einem Zug schmeißt?
Das weiß keiner, bis man es am eigenen Leib erlebt hat. Es ist schrecklich. Die nächsten Tagen wird kein Dienst am Kunden mehr geleistet.
Was ist mit der Familie des Verstorbenen? Oje ich habe einen Menschen überfahren. Kann ich überhaupt jemals noch meinen Beruf ausüben?  Wie werde ich mit dieser Schuld nur fertig?

Ähnliche Gefühle (auch Schuldgefühle), ähnliche Fragen wird der Zugführer RE 4427 sich wohl nach lange stellen.

Ganz Deutschland schaut nun auf diesem Vorfall.Um ca 20:30 tickerte es  im Internet -Die Nachricht: Robert Enke ist Tod. Vermutlich sagen die Polizeisprechstellen, war es Selbstmord. Heute wissen wir. Es war Selbstmord

Wir gedenken an die schweren Stunden, die der Zugführer und seine Familie in den nächsten Tagen und hoffentlich nicht Jahre ertragen muss.  Wir gedenken an die Familie von Robert Enke. Wir trauern um Robert Enke

(Siehe „Die Netzschau„)

Den letzten Satz des Gedenkens an diesen Selbstmörder kann ich allerdings gegenüber dem übrigen hervorragenden Bericht nicht unbedingt teilen. Denn warum trauert man um Robert Enke?!!! – Es mag vielleicht hartherzig klingen, aber den Menschen kannte ich nicht, er hat nicht an meiner Tür geklingelt, hat keinen einzigen Versuch unternommen, mit mir in Kontakt zu treten, kurz: ein Fremder ohne Namen, ohne Inhalt.

Auf der anderen Seite aber sollte man sich mal fragen, woher denn diese oder ähnliche Selbstmorde stammen, wo kommen sie her, wie entstehen sie?!!!

Da gibt es mehrere Beispiele in der Welt, Vergangenheit und Gegenwart. Aus der Vergangenheit fallen mir spontan die ach so heiligen Kreuzzüge der ach so heiligen Kirche ein. Da wurden auf Geheiß der Kirchenoberen sogar Kinder in einen Krieg geführt, um etwas vor den ach so bösen Moslems zu schützen. Dabei ist das Christentum eine wunderbare Religion, nur ihre Oberen wie Päpste und Kardinäle sind des Teufels, die unschuldige Menschen in den Tod trieben, der Macht wegen. In den Selbstmord.

In der Gegenwart gibt es zwei Beispiele. Eines davon ist der Aufruf von sogenannten Haßpredigern der Moslems, die Mitmenschen dazu auffordern, sich Munitionsgürtel um den Bauch zu binden, um diese zu zünden, wenn sie in einer Versammlung von Christen sind. Dabei ist der Islam ein wunderbarer Glaube, der sogar mich als Atheist überzeugen könnte. Der Prophet Mohammed hat aber nie etwas von Selbstmord gesagt, weshalb sogar streng gläubige Moslems empört auf diese Selbstmord-Attentate reagieren.

Ein zweites Beispiel gehört zu der neuen Armut in Deutschland. Hier sind die Opfer immer mehr die Hartz4-Empfänger, die langsam nicht mehr ein noch aus wissen und deshalb lieber den Freitod wählen, als länger diese staatlich verordnete Schmach zu ertragen. Aber es gibt auch vermehrt Menschen, die den Druck der Öffentlichkeit nicht mehr aushalten können. Dazu gehören die Homosexuellen, die heute immer noch verunglimpft werden, genauso dazu wie Menschen, die unter einem Erfolgsdruck stehen. Es sind teilweise sogar beides Verlierer, wenn sie sich nicht selbst auf die Beine stellen und sich selber sagen: „Mit mir nicht. Denn ich bin genauso viel wert wie jeder andere“.

Vielleicht hat es dieser unbekannte Fußballspieler auch so erkannt und keinen Ausweg mehr gewußt. Schade um ihn. Aber er ist jetzt tot. Ein anderer lebt noch. Und da haben wir den Anschluß wieder an den Artikel von Marty Ludischbo: Denn dieser andere, der Lok-Führer, wird den Rest seines Lebens daran denken, was er gemacht hat. Unschuldig, weil ein Selbstmörder ihn aus seiner Bahn geworfen hat. Unschuldig, weil er jetzt die notwendige Aufmerksamkeit verdient hätte. Unschuldig, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Von daher war der Artikel meines Netzwerk-Partners richtig: Denn es wird Zeit, von unserem Totenkult runter zu kommen und uns den Lebenden und ihren Sorgen, Ängsten und Problemen zu widmen, damit nicht noch ein weiterer Selbstmord geschieht.

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3 Kommentare

  1. Arthur Dirks

     /  14. November 2009

    Mann, schreibst du gut. Und alle Artikel, die du schreibst, entsprechen auch meiner Auffassung. Hast du Journalistik und Germanistik studiert, dass du so schreiben kannst?

    Mein Kompliment jedenfalls. Der Muskelkater gehört ab sofort zu meiner Pflichtlektüre.

    lg

    • Danke für das Kompliment. Germanistik gehörte zwar zu meinem Studienfach und auch in der Zeit, wo ich als Kind bei den Wiener Sängerknaben war, hat dieses sicher geprägt, weil ein perfektes Deutsch im Vordergrund stand. Aber die Artikulation entstand eigentlich erst viel später. Vielleicht sogar dadurch, indem ich dieses Weblog begann, wo Erklärungen notwendig sind, die jeder verstehen kann.

      Denn ich liebe förmlich die deutsche Sprache, wo man sich so ungezwungen ausdrücken kann und dann von anderen trotzdem missverstanden wird. Trotzdem versuche ich immer wieder, mich so auszudrücken, dass auch wirklich jeder meinen Gedankengang zumindest nachvollziehen und vielleicht auch nur ein kleines Etwas von meinen dargebotenen Vorschlägen und Gedanken für sich selber umsetzen oder sogar beherzigen kann. Wichtig ist jetzt erst einmal dieser Artikel, der evtl. dazu beitragen kann, dass sich einige Menschen ihr Tun wieder überlegen.

      Es ist schön, dass Du auch so denkst und bedanke mich für Deine Kommentare, die bisher sehr aufschlußreich waren. Bitte bleibe am Ball, ich werde es auch tun.

      Schöne Grüße und viel Input bei den Artikeln des Muskelkaters,
      Martin

  2. Hi Martin!

    Danke für diese tolle Ergänzung. Teile deine Ergänzungen. Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis einen Zugführer, der wahrscheinlich erst einmal keinen Selbstmörder verzeihen kann und wird. Denn seine Existenz ist so gut wie zerstört.
    http://ludischbo.blog.de/2009/11/12/beitrag-gedenken-zugfuehrer-re-7358365/

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