Artikel-Reihe: Der Verein Kirche – Teil 2

Der lange Weg zum modernen Menschen

verein_kirche_75Da in dieser speziellen Artikel-Reihe selbstredend der Mensch als Maß aller Dinge gilt, muss natürlich auch mit der Menschwerdung im weiten Sinne begonnen werden. Ich werde dieses in erzählerischer Weise machen und dabei die Geschichte des Menschen in etwas lockerer Form mit der Geschichte der Religion und damit den verschiedenen Vereinen mit Namen „Kirche“ aufreihen und verbinden. – Also beginnen wir einfach mal ganz unbedarft von gaaanz weit vorne…

Vor knapp sieben Millionen Jahren begann in Afrika die Erfolgsgeschichte des Menschen. Affenähnliche Wesen erhoben sich auf zwei Beine. Mit vielen, vielen Zwischenstufen wurde daraus der heutige Mensch, der aus Begebenheiten, frommen Märchen, Wunschvorstellungen, Geisterberichte und Machtgehabe die verschiedenen Religionen erfand. Beide eroberten bald den gesamten Erdball…


Sanft rauschen die Wellen des Meeres gegen den Strand, als sich die kleine Gruppe morgens von ihrem Lager erhebt. Ohne Hast sammeln die schmächtigen Männer und Frauen, was sie für ihr Frühstück brauchen: ein paar Muscheln aus dem Meer, Früchte von den Bäumen. Noch steht die Sonne tief, als der Anführer das Zeichen zum Aufbruch gibt. Los gehts!

Es sind nur wenige Menschen, die an diesem Tag vor 100.000 Jahren loswanderten und an der Küste des heutigen Ägypten in Richtung Asien ziehen. Vielleicht 20 Männer, Frauen und Kinder. Was sie antreibt, kann man nur vermuten: Ist es die Suche nach Nahrung? Oder ein Streit mit anderen Clans? Vielleicht sind sie auch einfach neugierig, einmal eine neue Gegend zu erkunden. Fest steht: Zum ersten Mal verlässt der „moderne Mensch“ seine Heimat Afrika. Menschen, die bereits so aussehen wie wir heute, machen sich auf, die Welt zu entdecken.

Bis zu diesem Aufbruch ist es ein weiter Weg gewesen. Ein Weg, den wir in dieser Artikel-Reihe öfter beschreiten werden, um verschiedene Aspekte zu durchleuchten. Aber wann begann die Geschichte des Menschen? Das ist noch unbekannt. Sicher ist, dass unsere frühen Ahnen in Afrika lebten und gemeinsame Vorfahren mit den Affen hatten.

Die ältesten menschlichen Schädel, die Forscher bislang entdeckt haben, sind rund sieben Millionen Jahre alt und wurden im Tschad, in Zentralafrika, gefunden. Die Schädelknochen lassen ein kleines Gehirn vermuten, ganz wie bei einem Schimpansen, doch sind die Eckzähne schon deutlich kürzer. Und in dem ebenen Gesicht fehlt der vorspringende Mund.

Nach diesem Urahn haben sich bis heute so viele Verwandte von uns entwickelt, dass selbst Forscher Mühe haben, den Überblick zu behalten: Schaut man sich nämlich den Stammbaum an, erkennen wir, dass die älteren Vorfahren oft „Australopithecus“ getauft wurden, das heißt: „der südliche Affe“. Den uns ähnlichen Arten haben Experten den Amen „Homo“ gegeben – Mensch. Wir selber heißen Homo sapiens sapiens, was übersetzt so viel wie „der wissende wissende Mensch“ bedeutet. Dazwischen auf der Treppenstufe tummeln sich über zehn weitere Unterarten von Paranthropus aethiopicus über Homo habilis zu Homo sapiens neanderthalensis.

Das ergibt natürlich die Frage: Wie ist die neue Art entstanden?

Erklärungsversuch: In Ostafrika, wo sich Teile des Kontinents aneinander reiben (Ostafrikanischer Graben), türmen sich vor Millionen Jahren Berge auf. Im feuchtheißen Westen dieses Gebirges hangeln sich unsere Vorfahren von Baum zu Baum. Ihre Verwandten im Osten dagegen, wo ein trockeneres und kühleres Klima herrscht, müssen sich an eine schier endlose Savanne anpassen, in der urzeitliche Löwen und Geparde herrschen. Mit knapp über einem Meter Größe ist unser Vorfahr dort ein eher unauffälliger Bewohner, der immer noch die Arme mit zum Gehen benutzt. Er ernährt sich hauptsächlich von Pflanzen. Manchmal stürzt er sich mit den Geiern auch auf Aas, das ihm satte Raubtiere übrig lassen.

Das hohe Gras der Savanne ist oft über einen Meter hoch. Bessere Überlebenschancen hat hier, wer es überschaut. Möglicherweise richteten sich unsere Ahnen deshalb auf. Jedenfalls entdeckten 1974 Wissenschaftler in Äthiopien das gut drei Millionen Jahre alte Skelett eines Weibchens, dessen Beckenknochen auf einen aufrechten Gang hinweisen. Die Forscher haben das Weibchen Lucy genannt. Bis heute ist es das wohl berühmteste Skelett der Welt.

Aufrecht zu gehen hat einen großen Vorteil: Unsere Vorfahren haben nun die Hände frei! – Langsam, über viele hunderttausend Jahre hinweg, lernen sie, die Greifgeräte zu benutzen. Anfangs sammeln sie vielleicht Steine, um mit ihnen die Knochen gefundener Tiere zu zertrümmern und das nahrhafte Mark auszusaugen. Später fertigen sie kompliziertere Werkzeuge an: Sie schlagen Steine zu groben Messern zurecht, mit denen sich Nahrung zerkleinern lässt – Holzknüppel und spitze Keile eignen sich als Waffen. Immer besser kann sich der schwache Zweibeiner vor Raubtieren schützen und selbst Tiere erlegen.

Wie die Werkzeuge nun das Leben verändern! – Bis dahin mussten die Bewohner der Steppe schnell laufen, um zu überleben. Jetzt aber ist Intelligenz gefragt: Wer schlau ist und mit Werkzeugen umgehen kann, kommt an Fleisch. Das wiederum enthält viel Fett und Eiweiß, die das Wachstum des Gehirns fördern – und mit noch mehr Gehirn kann man sich noch bessere Werkzeuge ausdenken!

So wachsen allmählich die Denkapparate unserer Vorfahren: Lucy kam noch mit 400 bis 500 Kubikzentimeter Gehirnmasse aus, so viel, wie heute ein Schimpanse hat. Ihr Nachfahre, der Homo erectus (übersetzt: der aufrechte Mensch), der vor knapp zwei Millionen Jahren auftaucht, ist mit rund 1000 Kubikzentimetern schon ein Megahirn der Steinzeit. Dieser 1,65 Meter große und 65 Kilogramm schwere Urmensch wird zum ersten Weltenbummler. Schon vor 1,7 Millionen Jahren siedelt er im Kaukasus und auf Java. Manche Forscher glauben, dass er sogar hochseetaugliche Flöße bauen konnte und damit von Indonesien nach Australien übersetzte!

Während der Homo erectus noch Asien bewohnt, erobert ein eindrucksvoller Nachfahre von ihm bereits das kalte Europa: Der Neandertaler ist der kräftigste unter unseren Verwandten. Er hat nicht nur 30 Prozent mehr Muskeln als ein heutiger Mensch, seine Kniegelenke sind dick wie Pampelmusen! Ein grober Klotz, könnte man denken. Aber inzwischen sehen Forscher in ihm eher einen urtümlichen Einstein: Denn hinter den wulstigen Augenbrauen verbirgt sich ein 1500 Kubikzentimeter großer Denkapparat (wir haben heute etwa 1400).

Ein toller Typ! Mit Wurfhölzern, die er in aufsteigende Schwärme schleudert, erlegt der Neandertaler Vögel im Flug. Er bestattet seine Toten – und ist erstaunlich eitel: Nicht selten schmücken Männer und Frauen ihre dicken Hälse und wuchtigen Hände mit Fuchszähnen, Elfenbeinperlen und Fingerringen. Ihre Beute brutzeln die Feinschmecker an Spießen über dem Lagerfeuer. Aus Innenohrknochen schließen Wissenschaftler, dass der Neandertaler auch ein perfektes Gehör gehabt haben muss. Vielleicht würde er heute Symphonien schreiben.

Doch dann wandert vor rund 40.000 Jahren ein Konkurent nach Europa ein, der seine Zukunft besiegeln wird – eben jener moderne Mensch, der vor 100.000 Jahren Afrika verlassen hat!

Nun beginnt ein zähes Ringen, das Jahrtausende währt: Neandertaler und moderner Mensch streiten um Jagdgebiete. Hin und wieder dürften sich die Nachbarn mit Steinen und Speeren beworfen haben. Vielleicht zeugen sie auch zusammen Kinder – aber nicht oft, das können Biologen heute mit Gentests beweisen. Dann entwickelt der Einwanderer plötzlich ungeahnte Fähigkeiten: Vor etwa 30.000 Jahren entstehen kunstvolle Höhlenmalereien. Der vorher primitive Geselle flötet auf Schwanenknochen, brennt Tonfiguren, fischt mit Harpunen, näht mit Knochennadeln und … entwickelt eine Religion!

Ob der Neandertaler der Konkurrenz auswich? Oder ob er den Klimawechsel nicht verkraftete? Oder waren andere Kräfte im Spiel? Auf jeden Fall ziehen sich die letzten der Kolosse in das heutige Spanien zurück. Dort sterben sie vor rund 27.000 Jahren urplötzlich aus. Keiner weiß, warum. Nur Vermutungen und Spekulationen zeigen in eine von einer Religion beeinflussten Richtung. – Aber der Homo sapiens sapiens hat die Welt endgültig in Besitz genommen.

Aber wie war das jetzt mit der Religion während dieser gesamten Zeit? Im nächsten Kapitel werden wir die bisher beschriebene Zeit nochmal im Sinne der religiösen Entwicklung betrachten und dabei schon kleine Dinge entdecken, die uns heute noch oder schon wieder erschrecken. Titel des nächsten Kapitels 3 also: „Womit hat denn der Glaube begonnen?“

 

 

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