Jetzt ist die Kulturkrise da. – Eine Horrorvision

Wir sind auf dem besten Weg …

Sie kam auf schleichenden Sohlen, die Kulturkrise, ganz leise, unbeachtet. Weil sich alle Welt auf die Wirtschaftskrise, die Bankenkrise und deren Auswirkungen auf den internationalen Finanzmarkt konzentrierte. Dabei waren diese Krisen hausgemacht, und das schon seit Jahrzehnten, durch gierige Banker, die den Hals nicht voll bekommen konnten und Risiken eingingen, die unverantwortlich waren und heute noch sind. Selbst jetzt noch, wo der Steuerzahler diese inzwischen wertlosen Papiere bunkert, um weiterem Kursverfall vorzubeugen, genehmigen sich diese gierigen Raffhälse weitere Millionen für das eigene Konto – aus dem Staatssäckel wohlgemerkt – und gehen, als wenn nichts gewesen wäre, weitere und neue Risiken ein.


Der Steuerzahler ist am Ende, kann nicht mehr. Seine Ur-ur-ur-Enkel haben jetzt schon dafür zu zahlen, was gierige Banker verzockten. Und er selber hat mit erheblichen Einbußen zu rechnen, damit es „denen da oben“ wieder so richtig gut geht. Was früher das Leben lebenswert machte, muß jetzt aufgrund seiner leeren Kasse gestrichen werden. Er fragt sich sogar, warum er überhaupt noch arbeitet, wenn immer mehr gestrichen wird. Über das Wahlversprechen Steuersenkung lacht er nur böse, weil es ja nicht ihn gilt, sondern den ohnehin schon Reichen. Er rauft sich die Haare, wenn er daran denkt, dass schon viele seiner Freunde auf Staatskosten leben müssen, weil ihnen durch die Hartz4-Gesetze alles genommen wurde. – Wann ist er dran?

Wann war er das letzte Mal im Kino, im Theater, in der Oper? – Seine Lieblinge waren immer Tanzveranstaltungen. Ob eine Tanzgala oder eine Tanzparty … er kann es sich nicht mehr leisten. So sehr er auch rechnet … es ist nicht mehr drin. Dabei hätte ausgerechnet heute Abend die Torsten Manoella Band gespielt, eine Bigband, die er besonders gerne hört. Aber es geht einfach nicht mehr. Aus – Vorbei!

Szenenwechsel. Tatort: Büro eines Veranstalters. – Auch hier spielen sich wahre Dramen ab. Und immer wieder die verzwickte Rechnung und verhängnisvolle Frage: „Bekomme ich die Halle voll?“ – Denn schon vier großangelegte Tanzveranstaltungen mussten gecancelt werden, weil der Vorverkauf ins Minusgeschäft zeigte. Da sind ja nicht nur die Kosten für das Orchester, sondern auch die Miete der Halle und ihre Ausschmückung, dann die Werbung in allen Zeitungen und durch große Plakataktionen, von den Nebenkosten mal nicht zu reden. – Der Veranstalter wird auch diese Tanzgala abblasen müssen, so leid es ihm tut. Denn er kann nicht mehr. Wenn die Gäste ausbleiben, ist das Ding gelaufen. Er wird den Laden dicht machen müssen …

Szenenwechsel. Tatort: Die Orchesterleitung. – Das Drama nimmt auch hier seinen Lauf. Schweigend legt der Orchesterchef den Telefonhörer auf und stützt seinen Kopf seufzend in beide Hände. Das war jetzt das zwölfte Konzert, was ausgefallen ist, weil der Veranstalter nicht mal annähernd für eine besetzte Halle garantieren konnte. Jetzt ist er dran. Er kann seine Leute, die allesamt Berufsmusiker sind, nicht mehr bezahlen. Wenn nicht bald ein kleiner Lichtblick kommt, kann er sein Orchester, seine Bigband, welches zu den Besten des Landes zählt, aufgeben. Er wird alle seine Freunde enttäuschen müssen, sie alle entlassen in eine ungewisse Zukunft, wo er jetzt noch nicht mal erahnen kann, wie sie aussehen wird. Und seine eigene Zukunft? Jahrzehntelang hat er hart gearbeitet, bis in den frühen Morgenstunden hat er an seinen Kompositionen und Arrangements getüfftelt, damit sie den Sound ergeben, wofür das Orchester berühmt geworden ist. Und jetzt … alles für die Katz. Wütend ballt er die Fäuste in Richtung des nächst stehenden Bankgebäudes. Da sitzen die Schurken, die Zocker, die uns alles genommen haben.

Szenenwechsel. Tatort: Zukunft. – Kulturelle Veranstaltungen gibt es schon lange nicht mehr. Annähernd 99,99% aller ehemaligen Künstler leben in staatseigenen Baracken. Die Veranstaltungshallen stehen leer. Die Medienkonzerne sind zusammengebrochen, dadurch auch der CD- und DVD-Markt. Die Rundfunkanstalten melden Konkurs an, weil ihnen die Musik fehlt, um die Leute zu unterhalten. Sie haben nur noch die staatliche Aufgabe, weitere Horrormeldungen zu verbreiten. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 89%. Das Volk hat sich seinem Schicksal ergeben, weil es für eine Revolution jetzt zu spät ist.

Aber da geht ein Ruck durch die Republik. Die Banken- und Börsenzocker kaufen alle leer stehende Hallen und bauen sie zu Vergnügungstempel um. Dann werden die willigsten systemgetreuen Künstler neu verpflichtet. Diese haben nur das zu tun, was man ihnen diktiert: nämlich das Volk zu unterhalten, damit sie nicht aufmucken. Kostenlos versteht sich. Verpflegung gibt es nur noch, wenn man zu den Spielen kommt. Die 11%, die noch für die Zocker arbeiten, erhalten eine Extraration. Schaukämpfe auf Leben und Tod, mit den modernsten technischen Highlights versehen, entstehen überall. Mit Gladiatoren, die nur dazu da sind, zu unterhalten. Und wenn sie es nicht können, kann das Volk demokratisch über deren Leben entscheiden. Das Volk wird gierig danach, weil es dadurch aus seiner Lethargie befreit wird. Es gibt einen lebensverlängernden, gutschmeckenden Saft bei jeder Veranstaltung. Aber nur derjenige erhält ihn, der richtig gewettet und auf den Sieger gesetzt hat. Neue Spiele für das Volk entstehen. Spiele, die durch ein Computerprogramm gesteuert werden und das reale Leben vernichtet, wenn man einen Fehler gemacht hat. Das Volk ist jetzt abhängig geworden durch den Trank und durch die Spiele: „Auf Leben und Tod.“

Fazit: Die Kultur ist tot.

Es lebe die neue Kultur der Zocker … die echten Gewinner der Krise.

Das Volk ist tot. – Es lebe die Diktatur der Zocker und Manager.


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2 Kommentare

  1. Vor einigen Monaten hätte ich Dir noch gesagt,male doch nicht alles so grau.
    Heute sage ich „schwarzer“ kann die Zukunft nicht mehr werden als sie nun ist. Aber Du hast in jedem Deiner Untertitel Recht. Wo mag das nur noch alles hinführen.
    Die das alles Verbockt haben, die werden auch noch fürstlich belohnt und der kleine Mann schaut in die Röhre und nagt sehr bald am Hungertuch.

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