Papa, Matze hat gesagt… – Hier: Erlaubte Spiele

Ein spielerisches Vater-Sohn-Gespräch

satire3Dieser Vater-Sohn-Dialog ist diesmal ein wenig länger geworden als geplant. Vielleicht lag es daran, dass es ein spannendes Thema ist und ich deshalb kein Ende finden konnte. Auch habe ich mich diesmal zwischendurch ein wenig verrannt, was aber ausgeglichen wurde. Trotzdem sollte man auch wieder zwischen den Zeilen lesen, um die kleine „hinterhältige“ Botschaft besser verstehen zu können. 😉

Aber alles in allem ist wieder ein interessanter Dialog entstanden, der mal wieder – wie man es von mir gewohnt ist – mit einem unerwarteten Ende und einem Aha-Erlebnis beglückt.

Erlaubte Spiele:

SOHN: „Papa, Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, er fragt sich, was die Leute eigentlich für Kinder haben wollen …“

VATER: „Was werden sie schon für Kinder haben wollen? Nette, freundliche Kinder natürlich, die ihre Eltern nicht vorzeitig ins Grab bringen!“

SOHN: „So werden sie die aber nich kriegen …“

VATER: „Was heißt: so?“

SOHN: „Wenn sie sie mit lauter Horror spielen lassen!“

VATER: „Wer, um Himmels willen, lässt seine Kinder denn mit Horror spielen?!“

SOHN: „Viele. Sonst wären die Hersteller ja schon pleite, wenn sie ihren Scheiß nicht loswerden würden!“

VATER: „Welchen … ?“ Wütend, weil er fast wiederholt hätte: „Hab ich dir nicht verboten, dieses Wort zu benutzen?“

SOHN: „Wie soll man denn sonst sagen zu einem Spiel mit Henkerbeil, Guillotine, Knochensägen, Blut und sowas alles!“

VATER: „So ein Spiel soll es geben?“

SOHN: „Ja. So ’n Fantasy-Adventure. Haben sie schon Werbung für gemacht. Im Internet und auch schon im Fernsehen. Hat ’ne Wahnsinnsgrafik, als wenn’s echt wäre. Soll der Knaller im Weihnachtsgeschäft werden!“

VATER: „Das ist wirklich ein starkes Stück. Aber schließlich wird ja niemand gezwungen, solchen Schund zu kaufen. Und dann auch noch zu Weihnachten … Wer wird seinen Kindern so was zu Weihnachten schenken …“

SOHN: „Matze sagt, sein Vater sagt, wenn sie so ’ne DVD nicht kaufen, dann kaufen sie ’n Kampfflugzeug oder ’n Panzer, der echte Kugeln aus Plastik abschießt.“

VATER: „Das ist ja nun wieder etwas ganz anderes.“

SOHN: „Wieso?“

VATER: „Das sollte dir doch einleuchten. So etwas wie Guillotine gehörte einer überwundenen Zeit an. Das gibt es bei uns nicht mehr. Und natürlich ist das ohnehin keine Materie, mit der sich Kinder befassen sollten.“

SOHN: „Aber mit Panzern sollen sie sich befassen?“

VATER: „Überhaupt nicht, wenn’s nach mir geht. Aber immerhin sind das Dinge, die zu unserer Realität gehören, also die es gibt. Und solange etwas in der Welt der Erwachsenen existiert, wird es auch auf irgendeine Weise in der Spielwelt der Kinder auftauchen.“

Kleine Pause.

SOHN: „Dann könnten sie ja auch Spiele machen, wo Kinder von Autos überfahren werden! Mit Bahren und Leichen und Rollstühlen und …“

VATER unterbricht: „Hörst du bitte auf! Was hast du denn für eine abwegige Phantasie!“

SOHN: „Du hast doch gesagt, dass Kinder mit allem spielen können, was es wirklich gibt.“

VATER: „So habe ich das nicht gesagt! Ich habe das nur in Bezug auf die nun mal existierenden Waffensysteme gesagt.“

SOHN: „Waffen find ich aber viel schlimmer zum Spielen, weil … also Unfälle macht ja keiner mit Absicht; aber mit den Panzern, da …“

VATER unterbricht schon wieder: „Mit denen will auch niemand ernsthaft umgehen. Du weißt genau, dass unsere Waffen nur dazu da sind, um Kriege zu verhindern.“

SOHN: „Und warum sollen die Kinder dann damit spielen?“

VATER: „Wer sagt denn, dass sie sollen?! Kein Mensch sagt das!“

SOHN: „Und warum werden dann Spielpanzer und Maschinengewehre und alles verkauft?“

VATER: „Weil man in einer freien Wirtschaft niemanden hindern kann, etwas zu produzieren, wovon er sich einen Gewinn verspricht.“

SOHN: „Da könnte sie ja auch gleich ’nen Rauschgift-Kasten für Kinder produzieren! Mit kleinen Spritzen und ’nem bisschen Stoff und …“

VATER unterbricht sauer: „Rede gefälligst nicht so töricht daher. Selbstverständlich darf nichts für Kinder produziert werden, was ihnen schadet!“

SOHN: „Du meinst also, die Panzer schaden ihnen nicht?“

VATER: „Natürlich nicht. Das ist Kindern doch ganz egal, ob sie mit einem Feuerwehrauto rumfahren oder mit einem Panzer.“

SOHN: „Und warum kriegen sie dann kein Feuerwehrauto?“

VATER: „Weil sie vermutlich schon eins haben! Und weil sie nun was Neues und was anderes haben wollen!“

SOHN: „Ja und …?“

VATER: „Was heißt ja und?“

SOHN: „Ich meine … wieso kriegen die Kinder denn auf einmal, was sie wollen? Kriegen sie ja sonst auch nicht!“

VATER: „Daß ich nicht lache. Ich würde sagen, sie kriegen fast alles, was sie wollen!“

SOHN: „Aber doch bloß, wenn die Eltern das auch wollen.“

VATER: „Das sollte man hoffen, ja.“

SOHN: „Also wollen die Eltern, daß die Kinder mit Kriegssachen spielen!“

VATER: „Mein Gott, nun hör doch schon auf! Generationen von Kindern haben mit Soldaten und Gewehren gespielt. Du brauchst ja nur an das Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ zu denken. Da heißt es in der dritten Strophe: „Trommeln, Pfeifen und Gewehr und ein ganzes Kriegesheer….“ – Na?“

SOHN: „Weiß ich ja, daß die Kinder immer mit sowas gespielt haben.“

VATER: „Na also.“

SOHN: „Und wenn sie groß waren, dann haben sie richtigen Krieg gemacht … sagt Matze’s Vater.“

VATER: „Es haben doch nicht alle Krieg gemacht, die mal ein Holzgewehr in der Hand hatten!“

SOHN: „Aber es war doch immer wieder Krieg. So wie jetzt überall. Und dann haben sie doch geschossen.“

VATER: „Weil sie mussten. Und nicht, weil es ihnen Spaß gemacht hätte.“

SOHN: „Aber Matze sagt, sein Vater sagt, wenn man Kinder von kleinauf an etwas gewöhnt, dann machen sie es später auch … ohne Nachdenken!“

VATER: „Dann hätte ich dich mal rechtzeitig daran gewöhnen sollen, den Mund zu halten und nur zu reden, wenn du gefragt wirst …“

SOHN hört garnicht darauf: „Er sagt, erst spielen sie mit all solchem Horror, und dann machen sie ernst. Wie bei diesen Amokläufen. Weil sie gefühlskalt und aggressiv geworden sind!“

VATER: „Und ich sage dir, das ist alles Blödsinn! Da haben sich mal wieder solche Experten von Psychologen wichtig gemacht. – Kein Mensch will je wieder Krieg. Schließlich haben alle erlebt, zu welchem Elend das führt.“

SOHN: „Die Kinder haben das doch nicht erlebt.“

VATER: „Aber ihre Eltern und Großeltern. Und denen reicht das ein für allemal.“

SOHN: „Und warum kaufen sie dann Kriegsspielzeug?“

VATER: „Du wiederholst dich. – Weil Kinder alles haben wollen, was sie sehen!“

SOHN: „Wenn’s das Kriegsspielzeug nicht gäbe, könnten’s die Kinder auch nicht sehen.“

VATER: „Sehr weise bemerkt.“

SOHN: „Und warum ist es dann nicht verboten?“

VATER: „Es ist nicht verboten, weil wir in einer freien Wirtschaft leben.“

SOHN: „Aber sonst ist doch vorne und hinten alles verboten!“

VATER: „Wer hat dir denn das eingeredet? Bei uns ist gerade nur so viel verboten, wie für ein vernünftiges Zusammenleben zwischen den Menschen erforderlich ist.“

SOHN: „Da hast du neulich aber anders geredet …“

VATER: „Wann bitte …“

SOHN: „Als du vor Omas Haus auf dem Bürgersteig geparkt hast und gleich ’n Strafzettel dran war.“

VATER: „Das war ja auch lächerlich. Auf dem breiten Bürgersteig hat der Wagen keinen Menschen gestört!“

SOHN: „Sag ich doch, dass es lauter unnütze Verbote gibt.“

VATER: „Jede Entscheidung hat eben ihre unvernünftigen Seiten.“

SOHN: „Und warum ändert man die nicht, die unvernünftigen Seiten?“

VATER: „Wird ja gemacht. Aber das hat seine Grenzen. Das ist wie … na, wie bei einem Kleidermodell. Wenn man immerzu dran herumändert, dann stimmt zum Schluß das ganze Modell nicht mehr. Und es gibt eben auch so etwas wie ein Staatsmodell.“

SOHN: „Und dieses Staatsmodell stimmt nicht mehr, wenn’s kein Kriegsspielzeug gibt?“

VATER: „Wenn Kriegsspielzeug verboten würde! Das ist ein Unterschied!“

SOHN: „Na schön. – Dann werd ich mir zum Geburtstag eben einen Panzer wünschen!“

VATER: „Und was soll bitteschön das beweisen?!“

SOHN: „Gar nichts. Aber dann kann den wenigstens kein anderer kaufen!“

VATER: „Vielleicht wartest du bitte mit deinen engagierten Aktionen, bis sie dein Geld kosten, ja?“

SOHN stur: „Oder ich geh ins Kaufhaus und probier die Dinger aus und mach sie ein bisschen kaputt!!!“

VATER sauer: „Untersteh dich!!! Glaubst du, ich will für den Schadensersatz aufkommen und Strafe zahlen?!“

SOHN: „Matze hatte noch ne andre Idee: er hat gesagt, wir wollen uns neben dem Kriegsspielzeug aufstellen mit einem Schild. Und da schreiben wir drauf, wo man diesen Mist gegen anständiges Spielzeug umtauschen kann!“

VATER wird langsam wütend: „Na, das versuch mal! Die werden euch aber hochkantig rausschmeißen, und das ganz schnell!!!“

SOHN unbeeindruckt: „Wieso denn? Wenn wir weiter garnichts machen?“

VATER steht auf: „Das ist doch geschäftsschädigend, wenn ihr sowas macht!!!“

SOHN: „Klar, soll’s ja auch sein.“

VATER sehr wütend: „Das wirst du nicht tun!!! Denn sowas ist verboten. Natürlich ist es das!!!!“

SOHN ganz ruhig: „Also … da kann man wirklich nur staunen …“

VATER erborst: „Worüber?“

SOHN schmunzelnd: „Was so alles verboten ist und was nicht … ?“

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3 Kommentare

  1. Hallo,
    kurz ein Kommentar zu dem Artikel:
    ja, es ist schrecklich, dass manche Eltern ihren Kindern unbesehen jedes Horrorspiel schenken. Es ist erwiesen, dass sich reine Kriegsspiele auf die Psyche auswirken. Es gibt allerdings auch andere Spiele. Da werden böse Dämonen und Geister vertrieben oder bekämpft. Das gibt es allerdings auch in Märchen und Fantasy-Büchern. Das wiederum dient der kindlichen Psyche (es darf natürlich nicht blutrünstig sein) die inneren Ängste zu bekämpfen. So Spiele mit Henkerbeil, Guillotine, Knochensägen, Blut usw. gehören verboten. Das muss nicht sein und bringt den jungen Menschen nicht weiter.
    Noch kurz eine Anmerkung zum sogenannten „Kriegsspielzeug“: Wer hat nicht im Kindesalter gerne mit Indianern oder Rittern gespielt? Ich habe es geliebt hierfür Miniaturlandschaften zu bauen. Ich bin trotzdem ein Kriegsgegner geworden. Mein Vetter hat liebend gerne Jagdbomber hergestellt; er hat den Wehrdienst verweigert und ist ein ganz friedfertiger Familienvater geworden.
    Man muss endlich den Kindern und Jugendlichen eine gewisse Philosophie, Verantwortungsbewusstsein und eine dazupassende Ethik beibringen. Das ist das Problem. Dazu sind die Erwachsenen viel zu bequem und unbedarft.
    Das Thema ist schwierig; wo fängt man an, wo hört man auf? Will man den Bogensport verbieten, den eleganten Kampf mit dem Stock oder dem Bokken? Da wäre ich dagegen, dass man dies verbietet. Aber ich bin dafür, dass man mit Kindern hierüber „vernünftig“ spricht und ihnen den richtigen Weg weist

    • @ Satirekater
      Zuerst einmal Dein Logo ist Dir gut gelungen!

      Zu Deinem Bericht der mal wieder Spitze ist,frage ich.
      Wer soll diese Lobby aufhalten? Es ist wie ein Rad,
      ohne Anfang und Ende. Aber es hängen auch viele Arbeitsplätze daran. Das soll aber keine Befürwortung sein, denn ich bin auch dagegen.
      Aber je größer das Spielzeug um so lieber ist es und Lärm muß es machen.

      @ Isolde Nesper

      Schon sind wir wieder beim Satire- Thema angelangt.
      „Papa,Atze hat gesagt“ oder anders ausgedrückt,
      Pappa,das Spiel will ich auch haben, was Atze hat.
      Ich hatte das Glück und habe 3 Töchter die lieber mit Puppen gespielt haben.
      Man braucht doch nur im Bekanntenkreis zu suchen und in die Kinderzimmer zu gehen. Was sieht man da High-Technik vom feinsten, egal ob es sich nun um ein Spielzeug oder PC Spiele handelt.

  2. Ich glaube, beide haben in ihrem Eifer nicht die Aussage dieser Satire verstanden, wenn es auch noch so aufschlußreich ist, was beide schrieben. Dargestellt werden sollte ein noch viel wichtigeres Thema, was der Sohn auch als seine letzte Frage darstellte. Denn:

    Erlaubt ist, Kriegs-„Spielzeuge“ herzustellen und zu verkaufen!

    Verboten ist, diese Geschäfte zu stören!!!

    Und das ist das verwerfliche und die Aussage dieser Satire. Nicht umsonst ist Deutschland der Waffen-Exporteur Nummer 1 …

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