Papa, Matze hat gesagt… – Heute: Hören oder Hinhören?

Die momentane politische Lage in unserem Lande macht vielen zu schaffen, weil niemand so ganz genau weiß, woran wir jetzt sind. Gesetze, die erschaffen wurden. Gesetze, die wieder abgeschafft werden sollen. Atomausstieg beschlossen und demnächst wieder eingeführt. Gesetze, die in den meisten Fällen über die Köpfe des Volkes hinweg beschlossen oder wieder rückgängig gemacht werden. Ein Hin und her.

Deshalb mein neuer Artikel mit meinem immer wieder verlangten Vater-Sohn-Gespräch: Hören oder Hinhören? – Viel Spaß dabei….

SOHN: „Papa, Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, die Menschen hören sich garnicht mehr zu.“

VATER abwesend: „Was?“

SOHN laut: „Die Menschen hören sich nicht mehr zu!!“

VATER immer noch abwesend: „Wie? Die Menschen …“

SOHN: „… hören sich nicht mehr zu!“

VATER: „Na, du kannst dich ja wohl nicht beklagen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden meines Lebens ich schon damit zugebracht habe, dir zuzuhören.“

SOHN: „Ja, mit den Ohren.“

VATER: „Womit denn sonst?!“

SOHN: „Na, irgendwie … so mit innen.“

VATER: „Vielleicht mit dem Zwerchfell anstatt mit dem Trommelfell? – Interessanter Aspekt!“

SOHN: „Also Papa! Du weißt genau, was ich meine!“

VATER: „Allerdings, ja: Du meinst, jeder Mensch auf dieser Erde, allen voran dein Vater, müsste in atemloser Spannung an deinen Lippen hängen, sobald du nur den Mund aufmachst! Und sei es auch nur, um zu fragen, was es zu Mittag gibt…“

SOHN: „Jetzt wirst du albern, Papa.“

VATER: „Ja was denn. Ist es nicht so?“

SOHN: „Nee, denn von mir wollt ich ja garnicht reden!“

VATER: „Hast du aber gemacht, mein Sohn. Indem du mir unterstellst, daß ich dir nur mit den Ohren zuhöre. Als wenn ich nicht mitdenken würde! Wie könnte ich dir antworten, wenn ich nicht mitdenken würde, wie?“

SOHN: „Klar denkst du mit. – Aber immer so als Vater….“

VATER lachend: „Ja, als was denn sonst? Vielleicht als Spongebob Schwammkopf oder als Benjamin Blümchen? – Trara-trara …. Damit du mal ein wenig Abwechslung hast?“

SOHN schmollend: „Ach Quatsch, jetzt machst du dich über mich lustig. Find ich blöd, Papa.“

VATER wieder ernst: „Nagut, sorry. Und was hast du wieder gedacht?“

SOHN: „Ich meine, meistens hast du immer schon im Kopf, was du willst. Und dann hörst du garnich mehr richtig zu, was ich sagen will.“

VATER: „Ich weiß ja meistens auch schon, was du sagen willst. Und das ist leider selten das, was ich für richtig halte. Zum Beispiel, deine Hausaufgaben von der Schule in den Abend zu verlegen.“

SOHN: „Aber wenn ich die Hausaufgaben mal später machen will, dann habe ich doch immer Gründe! Und die hörst du dir dann garnich an.“

VATER: „Es sind ja auch immer die selben Gründe.“

SOHN: „Garnich.“

VATER: „Wir werden sie mal aufschreiben, deine Gründe…“

SOHN: „Is ja auch egal. – Aber Matze sagt, sein Vater sagt, die Politiker machen das auch so. Die machen ein Gespräch, und dann hören sie überhaupt nicht zu.“

VATER: „Wenn sie nicht zuhören würden, dann würden ihre Antworten ja nie passen.“

SOHN: „Passen ja auch nie! … Fast nie.“

VATER: „Jetzt maße dir bitte nicht eine derart überhebliche Kritik an erwachsenen und erfahrenen Menschen an, mit denen du dich noch überhaupt nicht messen kannst, bitteschön!“

SOHN: „Ich will mich ja garnich messen. Aber das hast du selber gesagt – neulich, als die zwei Politiker über Arbeitslose und Hartz 4 geredet haben!“

VATER: „Was habe ich gesagt?“

SOHN: „Das die Antworten garnich gepasst haben und die Stuss reden. Weil jeder bloß seinen eigenen Text runter geleiert hat!“

VATER: „Bei solchen Fernsehsendungen kommt es den Politikern ja auch in erster Linie drauf an, dem Zuschauer ihre eigene Position deutlich zu machen.“

SOHN: „Du meinst, da hören die sich sowieso nicht zu?“

VATER: „Die hören sich schon zu. Aber sie kennen die Argumente ihrer Gesprächspartner ja schon vorher.“

SOHN: „Dann betrügen sie aber doch auch den Zuschauer, der meint, die würden ehrlich miteinander diskutieren und ….“

VATER unterbricht ihn erbost: „Das hat nichts mit Betrügen zu tun, wenn man die Antwort schon vorher weiß!“

SOHN: „Nagut. Aber vielleicht bilden sie sich das nur ein! – So wie du bei meinen Hausaufgaben!“

VATER: „Hast du nicht gesagt, daß du nicht von dir reden willst?“

SOHN: „Ja doch! – Aber Matze’s Vater sagt auch, wenn einer die ganze Zeit, wo der andre redet, bloß drauf wartet, bis er selber wieder dran ist mit Quatschen, dann ist das kein Zuhören!“

VATER: „Mein Gott, wenn man miteinander redet, dann hört man mal zu und mal redet man selber. Wenn man nur zuhören würde, dann wär’s ja kein Gespräch mehr! Da könnte der andere ja ebenso gut eine CD mit seinen Reden raus geben!“

SOHN: „Aber wenn man immer bloß dran denkt, wie man widersprechen kann, ist es auch kein Gespräch!!!“

VATER lacht: „Ich möchte Matze’s Vater mal bei einer politischen Diskussion erleben! – Der würde doch nur widersprechen!“

SOHN: „Aber er würde bestimmt auch zuhören. Vorher.“

VATER: „Na schön. Wir werden den Beweis beide nicht antreten können…“

SOHN: „Jedenfalls – er sagt, wenn man nicht zuhören will, braucht man garnicht erst zu reden. Da kommt dann sowieso nichts raus.“

VATER: „Es kommt schon was raus, keine Sorge! Irgendwann muss das ganze Gerede ja sowieso aufhören und es müssen Taten folgen.“

SOHN: „Was denn für Taten?“

VATER: „Entscheidungen eben. Politiker müssen doch Entscheidungen treffen.“

SOHN: „Aber wie sollen sie denn Entscheidungen treffen, wenn sie sich nicht zuhören und erst recht nicht dem Volk?“

VATER etwas pikiert: „Darüber hast du noch keine Ahnung, wie es abläuft.“

SOHN: „Hm, gut, geb ich dir recht. Aber ich denke, wenn einer garnich zugehört hat, was die anderen Politiker und vor allem das Volk sagen, und er macht dann ’ne Entscheidung … dann machen die anderen doch gleich wieder ’ne neue Entscheidung, oder? – Und dann hört das Volk den Politikern nicht zu und wissen auch nicht, was die wollen …. dann kommt doch alles durcheinander, weil keiner weiß, was der andere meint oder sagen will. Oder? – Sag, Papa, hab ich recht?“

VATER ganz ruhig und entspannt: „Das ist eben das sogenannte freie Spiel der Kräfte.“

SOHN zieht erstaunt die Augenbrauen hoch: „Du meinst, die spielen bloß?“

VATER besänftigend: „Nein – das besagt, mal setzt sich der eine durch und mal der andere.“

SOHN: „Immer hin und her?“

VATER: „Nein doch, nein! – Eine gewisse gemeinsame Linie wird da schon eingehalten.“

SOHN: „Und wie kriegt man die raus, so ohne Zuhören?“

VATER seufzt: „Mein Gott, du durchlöcherst mich ja direkt mit deinen Fragen! – Also, jetzt pass‘ mal auf: Wenn man etwas Vernünftiges zu hören bekommt – sei es als Politiker oder als Privatmensch -, dann hört man zu! – Wenn man dagegen schon weiß, daß man nur dummes Zeug hören wird, dann … kann man sich das Zuhören sparen. Und zwar mit Recht!“

SOHN: „Woher weiß man denn, daß man nur dummes Zeug hört, wenn man garnicht zuhört?“

VATER: „Das weiß man aus voran gegangenen Gesprächen! „Erfahrungswerte“ nennt man sowas!“

SOHN: „Hm. Und wegen dieser Werte hörst du nie zu, wenn Frau Müller was zu dir sagt?“

VATER: „So ist es.“

SOHN: „Aber wenn sie doch mal was Kluges sagt?“

VATER: „Wird sie nicht. Verlass dich drauf…“

SOHN: „Unser kleiner Strauch ist jedenfalls eingegangen.“

VATER: „Welcher Strauch?“

SOHN: „Na der, den wir aus Malta mitgebracht haben.“

VATER: „Tja … der hat bei uns leider nicht genug Sonne gekriegt.“

SOHN: „Nee, der hat zuviel Sonne gekriegt.“

VATER: „Wer sagt das?!“

SOHN: „Frau Müller hat das gesagt.“

VATER: „Hab ich nicht gehört.“

SOHN: „Hat sie doch über’n Zaun gesagt. Viel Schatten, hat sie gesagt. Viel Schatten und wenig Wasser. Und du hast ihn in die Knallsonne gepflanzt und dauernd begossen!“

VATER sauer: „Wer sagt denn überhaupt, daß Frau Müller`s Ratschlag richtig gewesen wäre? – War vielleicht einfach zu schwach oder zu alt, der Strauch…“

SOHN: „Frau Müller hat doch den gleichen. Der steht bei ihr im Schatten und blüht wie verrückt!“

VATER erbost: „Na schön!!! Dann habe ich die weisen Ratschläge der Dame nicht gehört, hab vielleicht was falsch gemacht, und nun ist der schöne Strauch nichts geworden. Aber davon geht die Welt ja nicht gleich unter, oder?“

SOHN: „Ne, davon nich. Wegen dir und Frau Müller nich.“

VATER: „Na also.“

SOHN: „Aber wenn die Politiker das genauso machen???“

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3 Kommentare

  1. Sichtweite

     /  10. Oktober 2009

    Zielsicher führt der Kleine seinen Vater dort hin, wo er ihn haben will. Immer wieder toll zu lesen, diese Geschichten.

    Aber ich hatte im Sommer auch so eine Familie als Feriengäste, wo der etwa 8-9jährige Bub seinem Vater alles abverlangte, bis der dann schließlich fix und foxi war und keine Ausreden mehr wusste.

    Kleine mit Hirn und Verstand sind mir tausendmal lieber als eine Regierung ohne…. 😉
    … Ohren!

  2. Brano W.

     /  10. Oktober 2009

    Wunderbar!!!

    Einfach nur wunderbar!!!

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