Sonntags-Satire: Immer diese Werbung…

Auch heute soll mal wieder mein Vater-Sohn-Dialog als Satire erscheinen. Diesmal vielleicht sogar als Real-Satire oder Kabarettstückchen. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, die Parteien nicht allzu oft zu erwähnen. Wichtig war mir dabei, daß jeder erkennen kann, was bei der nächsten Bundestags-Wahl im September geschehen muß. Ich wünsche allen Lesern dabei nicht nur viel Vergnügen, sondern auch den nötigen Einblick in meine Gedankengänge.

Hier also mein neues Vater-Sohn-Gespräch:

SOHN: „Du Papa, der Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, die Werbung hält auch nicht das, was sie verspricht“.

VATER: „Da muss ich Matzes Vater mal Recht geben“.

SOHN: „Du musst ihm Recht geben? Das ist ja mal was ganz neues“.

VATER: „Jetzt werd‘ bloß nicht frech. Ich habe nur gesagt, dass er mit dieser Aussage recht hat. Nicht mit den anderen, was er immer so vom Stapel lässt“.

SOHN verwirrt: „Wie meinst du denn jetzt das?“

VATER sauer: „Weil er sonst nur immer dummes Zeugs redet, so lang der Tag auch ist“.

SOHN: „Weißt du doch garnicht“.

VATER: „Oh doch, mein Lieber. Ich habe schon manche eurer Diskussionen miterleben müssen. Und mir ist meist schlecht dabei geworden von dem seiner Einstellung“.

SOHN: „Jetzt wirst du aber gemein, Papa. Dann brauche ich dir ja garnichts mehr erzählen, was für uns wichtig ist“.

VATER lachend: „Wichtig? Für uns? Was Matze’s Vater so fabuliert?“

SOHN: „Aber du hast mir immer gesagt, daß man die Meinung der anderen akzeptieren muss“.

VATER: „Sollte, mein Sohn, sollte. Das ist ein Unterschied“.

SOHN: „Nagut, also sollte. Und nicht müssen. Denn sonst wäre es ja ein Diktat“.

VATER: „Richtig. Du kapierst schnell. Denn eine Diktatur, wo wir was müssen, wollen wir hier nicht. Jeder soll frei entscheiden können“.

SOHN: „Aber wenn es mal wieder ans Rasenmähen geht, dann muss ich“.

VATER erbost: „Das ist ja auch was ganz anderes. Du hast als Sohn zu gehorchen“.

SOHN: „Also doch Diktatur!“

VATER wütend: „Jetzt red‘ doch keinen Blödsinn! Wir sind eine Familie und da tut jeder seine Pflicht. Auch du hast deinen Beitrag zu leisten. Das hat mit einer Diktatur überhaupt nichts zu tun“.

SOHN: „Ich mein ja bloß. Weil Mutti neulich auch sagte, daß sie immer die Arbeit machen muss und du die Beine….“

VATER steht wütend auf: „… das geht dir überhaupt nichts an, was zwischen Mutter und mir ist. Merke es dir ein für ander mal. Ich werde dir wohl den Umgang mit Matze verbieten müssen. Das ist ja wohl die Höhe, was du dir wieder mal erlaubst!!!“

SOHN senkt traurig den Kopf: „Dann hat Matze’s Schwester doch recht gehabt“.

VATER stutzt, dann seufzt er und setzt sich wieder: „Jetzt die auch noch! Was wollte die denn jetzt noch“.

SOHN geht zur Tür: „Ne. Lass‘ mal gut sein, Papa. Ich geh‘ jetzt auf mein Zimmer“.

VATER besänftigend: „Na, jetzt komm. So schlimm, wie ich es gesagt habe, war es ja garnicht gemeint“.

SOHN: „Na gut. Aber nur, wenn du nicht mehr schimpfst“.

VATER: „Okay. Ich höre es mir jetzt an, was ihr da wieder ausgedacht habt. Und natürlich wieder auf die genialen Ideen von Matze’s Vater basieren“.

SOHN: „Nicht unbedingt. Es ging ja um die Werbung. Schon vergessen?“

VATER seufzt wieder: „Nein, habe ich nicht. Und was ist an der Werbung so falsch?“

SOHN: „Dein Satz vorhin“.

VATER verwundert: „Welcher Satz?!!“

SOHN: „Na, du hast gerade eben gesagt, das es nicht so schlimm ist, wie du es gesagt…“

VATER unterbricht ihn: „… ja, habe ich gesagt. Aber das bezog sich doch nur auf das davor gesagte. Und wo ist jetzt die Verbindung zur Werbung, bitteschön?“

SOHN: „Weil die Werbung uns doch diktieren will, was wir kaufen sollen, oder?“

VATER inzwischen wieder ganz ruhig: „Die Werbung, mein Sohn, macht uns nur Vorschläge. Sie diktiert uns nichts. Ob wir dieses Produkt dann kaufen, ist eine andere Sache“.

SOHN: „Okay. Aber viele Leute fallen auch darauf rein“.

VATER: „Stimmt. Wenn man nicht aufpasst, dann kann man sehr schnell auf die Schnauze fallen“.

SOHN: „Eben, das meinte Matze’s Vater auch. Und auch Matze’s Schwester sagte genau das, was du sagtest“.

VATER: „Jetzt kommen wir uns langsam näher. Ich weiß da aus meiner Jugendzeit, da gab es im Fernsehen immer diese Werbung von Persil. Jedes Jahr versprachen sie, das es das beste Persil wäre, was es je gab. Immer noch weißer als je zuvor“.

SOHN: „Und? Hast du es geglaubt?“

VATER lacht: „Ne, ich nicht. Aber Mutter ist dann dabei geblieben. Und ich glaube, dass das Hemd mit der ersten Werbung genauso weiß war, wie das Hemd mit der letzten Werbung“.

SOHN: „Siehste, das hat Matze’s Vater damit gemeint: In der Politik ist es genauso“.

VATER: „Na hör mal. Du kannst doch nicht die Werbung mit der Politik vergleichen“.

SOHN: „Aber sicher. Warte mal, ich habe mir da was aufgeschrieben“. Er kramt einen Zettel aus seiner Gesäßtasche und liest dann vor: „80% der Bürger sind nicht mit der Regierung einverstanden. 80% der Bürger wollen keinen Kriegseinsatz in Afghanistan. 80% der Bürger wollen, dass diese Hartz4-Gesetze abgeschafft werden. 80% der Bürger wollen, dass die Gelder in der Bevölkerung gerechter verteilt werden und 90% der Bürger wollen aktiv an der Gesetzgebung durch Volksentscheidungen teilnehmen. – Habe ich abgeschrieben aus einer Umfrage im Internet“.

VATER hatte erstaunt zugehört: „Jetzt bin ich platt!“ Dann lehnt er sich zurück und sinniert: „Aber das ist absolut korrekt. Wir Bürger wollen tatsächlich etwas mehr!“

SOHN: „Gell? Und du findest immer noch die Werbung richtig!“

VATER: „Moment, Moment. Du verwechselst hier etwas. Denn die Werbung für ein Produkt ist ganz was anderes als die Werbung für ein politisches Anliegen“.

SOHN: „Und was?“

VATER innerlich unruhig: „Weil hier das Anliegen eines Volkes einfach nicht zu vergleichen ist mit der Politik, die zum Wohl des Volkes führt. Und außerdem, weil die Werbung nur was verkaufen will. Ob es das Volk jetzt will oder nicht. Das muss man bei der Werbung selber entscheiden“.

SOHN: „Aber dafür gibt es in der Politik doch die Wahlen“.

VATER: „Richtig, du sagst es. Da kann das Volk sich jedesmal entscheiden, wen sie wählt“.

SOHN: „Das geht bei der Werbung aber genauso so. Nur demokratischer“.

VATER wird langsam wieder wütend: „Wieso demokratischer?!! Ich selber entscheide, was und wen ich wähle“.

SOHN: „Bei Persil haste Mutti aber nicht die Entscheidung überlassen!“

VATER sehr sauer: „Weil, weil… ja weil es eben so gesagt wurde“.

SOHN grinst: „Und jetzt machste bei der Wahl wieder den gleichen Fehler“.

VATER wütend: „Ich mache bei der Wahl keinen Fehler. Ganz einfach, weil ich unterscheiden kann, was Werbung für Persil mit der Werbung für die Regierung ist!!!“

SOHN kleinlaut: „Nagut Papa. Habe verstanden“.

Kleine Pause, die der Sohn nutzt, um seinen Vater zu überzeugen.

SOHN: „Papa, schenkst du mir zum Geburtstag eine Packung Zigaretten?“

VATER fährt sichtlich erregt hoch: „Sag mal, spinnst du? Du wirst erst garnicht anfangen zu rauchen. Verstanden ???“

SOHN lächelnd: „War ja auch nur Werbung, Papa!“

VATER: „Nagut. Wüsste nur zu gern, wie du zu diesem Themenschwenk kommst“.

SOHN: „Ich meine, du wählst doch wieder CDU, oder?“

VATER: „Ja klar, habe ich immer getan“.

SOHN: „Auch wenn du nicht mit denen einverstanden bist, so wie du mir vorhin sagtest“.

VATER erstaunt: „Wo habe ich das gesagt?“

SOHN: „Als ich das von meinem Zettel vorlas“.

VATER wütend: „Das ist ganz was anderes. Da habe ich dem nur zugestimmt und es für richtig empfunden, das die meisten so negativ und gleichzeitig positiv denken“.

SOHN: „Und obwohl du das weißt, wählst du immer noch die Gleichen von der CDU?“

VATER sehr zornig: „Ja, wähle ich. Und ich hoffe, dass mein Herr Sohn nichts dagegen hat!!!“

SOHN: „Das war das, was Matze’s Schwester sagt: Du bist wie die meisten auch schizophren“.

VATER springt wütend auf: „Du und Matze und seine Schwester hättet eine Tracht Prügel verdient für diese Bemerkung. Ich bin nicht Schizophren. Merke dir das. Und jetzt raus!!!!“

SOHN unbeeindruckt zur Tür gehend: „Komisch. Und warum wählst du immer wieder die Parteien, die dir schaden und wo du nicht mit einverstanden bist? – Fällst du doch auf die Werbung und die Versprechungen rein, Papa?“


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Ein Kommentar

  1. Sichtweite

     /  24. August 2009

    Also ich musste lachen bei diesem herrlichen Dialog.

    Aber ich musste es auch dreimal durchlesen, bis ich alles begriffen hatte. Denn da ist von mehreren die Rede:

    – von den Versprechen, was uns die Politiker vor der Wahl geben
    – von dem Wahlbetrug, den sie anschließend durchführen
    – von der Dummheit der Wähler, die immer wieder das Gleiche wählen, obwohl sie es besser wissen müssten
    – und vieles mehr….

    Ich liebe diese Zwiegespräche vom Muskelkater. Sie sagen meist mehr aus als 1000 Abhandlungen, die versuchen zu erklären.

    Grüzi vom Toby

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