Jagd auf Homosexuelle

Bericht über das Eurovisionsfinale in Moskau.

Von Stefan Scholl


Moskau. Mit massenhaftem Polizeiaufgebot machten die Moskauer Behörden am Samstag Jagd auf Homosexuelle. Bei einer nicht genehmigten Gay-Demonstration anlässlich des Eurovisionsfinales wurden in der Nähe der Moskauer Staatsuniversität mehrere Dutzend Teilnehmer festgenommen.
Die gesamte Moskauer Innenstadt war von zahlreichen Polizeisperren abgeriegelt. Die Ordnungshüter fingen auch zufällige Passanten ein. Laut Behörden wurden insgesamt 40 Personen festgenommen, die man nach einem „Aufklärungsgespräch“ wieder auf freien Fuß gesetzt habe.

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Die Organisatoren der Schwulendemonstration dagegen sprechen von 60 Verhafteten, die zum größten Teil bis Mitternacht festgehalten wurden. Sieben blieben bis zum Sonntag in Gewahrsam und wurden vor einem Moskauer Gericht zu einer Geldstrafe von 500 Rubel (zwölf Euro) verurteilt. Und dem homosexuellen Menschenrechtler Nikolaj Alexejew, der gegen 14 Uhr als Letzter freigelassen wurde, steht ein Prozess wegen Organisierung einer nicht genehmigten öffentlichen Aktion bevor.Um die Sicherheitsorgane zu täuschen, hatten die Schwulen und Lesben verschiedene mögliche Demonstrationsorte publik gemacht. Die Behörden sperrten prompt den Roten Platz und den Nowopuschkinski-Platz, sie setzten Polizisten auch am Prospekt Mira sowie um die Aussichtsplattform vor der Staatsuniversität ein. Aber die Gay-Aktivisten schmuggelten sich als Hochzeitsgesellschaft getarnt durch die Kontrollen zu der Aussichtsplattform, die in Moskau ein traditioneller Anlaufpunkt für Brautpaare ist. Es gelang den Demonstranten etwa eine Minute lang Forderungen nach Toleranz zu skandieren, bis die Polizei zugriff.

„Es war ein Erfolg“, sagte der schwule Dokumentarfilmer Wladimir Iwanow der Frankfurter Rundschau. „Es war massenhaft Presse da, die alles aufgenommen hat.“ Laut Iwanow wurden zahlreiche Leute verhaftet, weil sie Interviews gaben. Nach Angaben von gayrussia.ru warfen die Polizisten eine russische Journalistin so hart zu Boden, dass sie mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus kam. „So eine Raserei vor den Augen der Weltpresse hat es noch bei keiner Demonstrationsauflösung gegeben“, sagt Nikolaj Alexejew der FR.

Am Nowopuschkinski-Platz machten ebenfalls etwa 500 Uniformierte vor zahlreichen Foto- und TV-Reportern Front gegen Schwule und Lesben. Obwohl diese hier keinerlei Anstalten machten, zu demonstrieren, kam es zu Festnahmen. Beamte überwältigten einen 16-Jährigen und schleppten ihn in einen Polizeibus, weil er eine Traube Luftballons trug. Der Junge war mit drei Freundinnen auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier in die benachbarte McDonald’s-Filiale gewesen. „Ilja ist doch gar nicht schwul“, klagten die Mädchen.

Die Teilnehmer am Finale des Eurovision Song Contest, das der norwegische Sieger Alexander Rybak als „die größte Gay-Parade, die es gibt“, bezeichnet hatte, reagierten nicht auf den antischwulen Belagerungszustand in der Stadt. „Sie kehren morgen in ihre toleranten Rechtsstaaten zurück“, sagt Menschenrechtler Alexejew, „und ich hoffe, sie werden sich schämen.“

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